Italien führt ein Influencer Register ein
Italien zieht die Zügel für große Influencer an. Seit November 2025 gibt es dort ein offizielles Register für reichweitenstarke Accounts. Wer bestimmte Grenzen überschreitet, wird rechtlich ähnlich behandelt wie ein klassischer Medienanbieter im Fernsehen. Ziel ist mehr Transparenz in der Werbung, besserer Schutz von Kindern und Jugendlichen und ein klarer Rahmen gegen Hass und Falschinformationen.
Gleichzeitig zeigt ein Blick nach China, dass diese Entwicklung kein europäisches Phänomen ist. Auch dort werden Influencer streng kontrolliert und dürfen zum Beispiel nur über Gesundheit, Medizin, Finanzen oder Recht sprechen, wenn sie eine anerkannte Qualifikation besitzen. Beide Länder machen deutlich, dass große digitale Reichweite nicht mehr als private Spielwiese betrachtet wird, sondern als öffentlicher Einflussraum mit Verantwortung. Diese Regulierung ist Teil eines weltweiten Trends, der darauf abzielt, Nutzerinnen besser zu schützen und besonders Kinder vor manipulativen oder gefährlichen Inhalten zu bewahren.
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Wer muss sich in Italien registrieren
Die Regeln gelten nicht für alle, sondern für sogenannte relevante Influencer. Als relevant gilt in Italien, wer mindestens eine der folgenden Grenzen erreicht: mindestens fünfhunderttausend Follower auf einer Plattform wie TikTok, Instagram, YouTube oder Twitch oder im Durchschnitt eine Million Aufrufe pro Monat auf einer Plattform in den letzten sechs Monaten. Nach ersten Schätzungen fallen etwa zweitausend Personen in diese Kategorie. Entscheidend ist außerdem, ob mit der Tätigkeit Geld verdient wird. Wer große Reichweite hat, aber keine beruflichen Creator Einnahmen erzielt, muss sich nicht eintragen. Wer aber eine der beiden Schwellen überschreitet und Einnahmen generiert, gilt als professioneller Influencer und fällt unter die neuen Pflichten.
Was das Register konkret bedeutet
Mit der neuen Regelung verpasst Italien großen Influencern einen klaren Status. Sie werden rechtlich näher an Anbieter audiovisueller Mediendienste herangeführt. Das bedeutet, dass sie eine redaktionelle Verantwortung für ihre Inhalte tragen, ähnlich wie Fernsehsender oder Streaming Anbieter. Sie müssen sich bis Anfang Februar 2026 in das Register eintragen, wenn sie als relevant gelten. Sie müssen sichtbar darauf hinweisen, dass sie im Register erfasst sind, etwa mit einem Hinweis im Profil. Wer sich trotz Pflicht nicht einträgt, riskiert empfindliche Geldbußen. Analysen sprechen von Strafen im Bereich um hunderttausend Euro für die Missachtung der Registrierungspflicht und bis zu zweihundertfünfzigtausend Euro bei Verstößen gegen den Kodex.
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Welche Regeln Influencer künftig befolgen müssen
Mit dem Eintrag in das Register akzeptieren Influencer den neuen Verhaltenskodex der Medienaufsicht. Er enthält klare Vorgaben zum Schutz von Minderjährigen. Influencer dürfen keine Inhalte verbreiten, die Kinder gefährden oder ihre Unerfahrenheit ausnutzen. Dazu gehören gefährliche Mutproben und Challenges, riskante Gesundheits oder Ernährungstipps und Inhalte, die Druck auf das Aussehen erhöhen. Sie dürfen das Vertrauen junger Menschen nicht manipulieren und müssen riskante Inhalte melden. Werbung muss eindeutig und klar als Werbung erkennbar sein. Versteckte Werbung ist verboten. Das betrifft Produktplatzierungen, Rabattcodes, Empfehlungen gegen Bezahlung und Affiliate Links. Inhalte zu Themen wie Gesundheit, Sicherheit, Finanzen oder Politik müssen korrekt dargestellt werden. Quellen sollen genannt werden. Irreführungen können sanktioniert werden. Inhalte, die Hass, Gewalt oder Diskriminierung fördern oder verharmlosen, sind untersagt.
Wie passt das in das europäische Bild
Italien steht mit diesen Schritten nicht allein da. In mehreren Ländern entstehen gerade eigene Regeln für Influencer, zusätzlich zu den europäischen Vorgaben. Frankreich hat 2023 ein eigenes Gesetz für kommerzielle Influencer geschaffen. Es verpflichtet zu klarer Werbung, verbietet bestimmte riskante Praktiken und stärkt den Schutz von Minderjährigen. Die Europäische Union hat mit dem Digital Services Act einen strengen europäischen Rahmen geschaffen. Er verpflichtet Plattformen zu sichereren Empfehlungslogiken, besseren Schutzmaßnahmen für Minderjährige, klar erkennbarer Werbung und mehr Transparenz. Die EU setzt diese Vorgaben bereits aktiv durch, etwa gegen große Porno Seiten mit mangelhaften Alterskontrollen und gegen Plattformen wie Meta und TikTok wegen unzureichender Sicherheitsmechanismen.
Wie China Influencer reguliert und was sich mit Italien vergleichen lässt
In China wurden die Regeln für Influencer deutlich verschärft. Die Cyberspace Administration of China verlangt, dass Creator eine nachweisbare Qualifikation besitzen, wenn sie zu sensiblen Themen sprechen. Das betrifft Gesundheit, Medizin, Finanzen und Recht. Wer solche Inhalte veröffentlicht, muss eine passende Ausbildung oder Lizenz vorlegen. Quellen wie die Economic Times und Yahoo Finance berichten, dass Accounts ohne diese Nachweise Inhalte zu diesen Themen nicht mehr veröffentlichen dürfen.
Im Unterschied dazu konzentriert sich Italien auf Transparenz, Jugendschutz und verantwortungsvolle Inhalte. Italien prüft noch nicht, ob eine Person im medizinischen oder rechtlichen Bereich ausgebildet ist. Italien verlangt vor allem klare Werbekennzeichnung, Schutz von Minderjährigen, Wahrhaftigkeit und die Pflicht, gefährliche Inhalte zu melden.
Trotz dieser Unterschiede verfolgen beide Länder ein gemeinsames Ziel. Es geht darum, große Influencer nicht mehr als reine Unterhaltungsfiguren zu betrachten, sondern als Personen mit erheblicher Wirkung auf junge Zielgruppen und auf die öffentliche Meinung. In Italien zeigt sich das durch strengere Regeln für Reichweite und Werbung. In China zeigt es sich durch strenge Vorgaben für fachliche Kompetenz.
Für Eltern ist das ein wichtiges Signal. Je mehr Länder sich dafür entscheiden, Creator stärker zu regulieren, desto sicherer werden die digitalen Räume, in denen sich Jugendliche bewegen. Einfluss soll an Verantwortung gebunden sein. Genau das ist der gemeinsame Nenner zwischen Italien und China.
Welche Lücken bleiben
Die italienische Regelung löst nicht alle Probleme. Die Schwellen sind hoch und viele Creator, die bei Jugendlichen besonders beliebt sind, bleiben unreguliert. Empfehlungsalgorithmen, die Inhalte verstärken oder verharmlosen, bleiben weiterhin in der Verantwortung der Plattformen. Die Durchsetzung ist aufwendig. Die Medienaufsicht muss Verstöße erkennen und verfolgen, oft über Ländergrenzen hinweg. Dennoch ist die Einführung ein starkes Signal in Richtung mehr Verantwortung für Reichweite und Einfluss.
Warum das für Eltern wichtig ist
Auch wenn die Regeln zunächst technisch wirken, betreffen sie direkt den Alltag von Kindern und Jugendlichen. Wenn Werbung klarer erkennbar ist und riskante Inhalte stärker begrenzt werden, fällt es jungen Menschen leichter, sich zu orientieren. Die Regeln erhöhen gleichzeitig den Druck auf Plattformen und Marken, transparente Strukturen zu schaffen. Für Eltern kann das ein guter Anlass sein, über Vorbilder im Netz zu sprechen, über die Wirkung von Likes und Followern und darüber, warum Reichweite nicht automatisch Vertrauen verdient. Gesetze können helfen, Risiken zu reduzieren, ersetzen aber nicht das Gespräch zu Hause.
Quellen und weiterführende Dokumente
• Offizielle Mitteilung vom 06 November 2025: Start des Registrierungsformulars für „influencer rilevanti“
https://www.agcom.it/comunicazione/avvisi/e-online-il-web-form-agcom-liscrizione-allelenco-degli-influencer-rilevanti
• Pressemitteilung vom 24 Juli 2025 zu Leitlinien und Kodex
https://www.agcom.it/comunicazione/comunicati-stampa/comunicato-stampa-44
• Delibera 472 24 CONS Allegato B PDF (technische Regeln für Influencer Kommunikation)
https://www.agcom.it/sites/default/files/media/allegato/2024/472_24_CONS_Allegato%20B_0.pdf
• Delibera 197 25 CONS (Einführung des Registers, Pflichten, Definition „Influencer rilevante“)
Aktuell nur über das AGCOM Register einsehbar: https://www.agcom.it
Gesetzliche Grundlage Italien
• Text des TUSMA (Testo unico dei servizi di media audiovisivi) inkl. Artikel 6
https://www.normattiva.it/uri-res/N2Ls?urn:nir:stato:decreto.legislativo:2021-11-08;208!vig=
Deutsche Berichterstattung
• Rai Südtirol Tagesschau: „Italien führt Register für Influencer ein“ (07.11.2025)
https://www.rainews.it/tgr/tagesschau/articoli/2025/11/italien-fuhrt-register-fur-influencer-ein-e37442dc-0c48-46c9-8877-a22bf6f41250.html
Italienische Berichterstattung
• La Repubblica: „Albo influencer: chi deve iscriversi, come funziona, cosa cambia“ (13.11.2025)
https://www.repubblica.it/tecnologia/2025/11/13/news/albo-influencer-chi-deve-iscriversi-come-fare-cosa-cambia-424979094/
• L’Indipendente: „Lagcom regola gli influencer rilevanti“ (12.11.2025)
https://www.lindipendente.online/2025/11/12/iscrizione-a-un-registro-e-obblighi-di-trasparenza-lagcom-regola-gli-influencer-rilevanti/
• Wired Italia: „Albo degli influencer, al via le registrazioni. Ecco chi deve iscriversi e cosa rischia chi non rispetta le regole“ (06.11.2025)
https://www.wired.it/article/albo-influencer-agcom-obblighi-iscritti-numeri-multe/ Wired Italia
• Wired Italia: „Quali sono le proposte per regolare gli influencer“ (11.05.2024)
https://www.wired.it/article/influencer-regole-tavolo-agcom-pubblicita-soglia-minori/ Wired It
Europäischer Kontext
• Volltext Digital Services Act (DSA)
https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/library/digital-services-act
• EU-Kommission: European strategy for a Better Internet for Kids (BIK+)
https://digital-strategy.ec.europa.eu/policies/better-internet-kids
Chinesischer Kontext
• „China Mandates Qualifications for Influencers on Finance, Law, Health“ – WebProNews, 29. Oktober 2025. WebProNews+1
• „China’s influencer crackdown bans unqualified voices“ – Yahoo Finance, 4. November 2025. Yahoo Finanzen
• „China’s new influencer crackdown bans unqualified voices …“ – AOL Finance, 4. November 2025. aol.com
Frankreich als Vorreiter regulierter Influencer Werbung
• Loi 2023 451 relative aux influenceurs (kompletter Gesetzestext)
https://www.legifrance.gouv.fr/jorf/id/JORFTEXT000047658677
Internationale Analysen
• Reuters Überblick: „New EU rules force creators to disclose ads clearly“
https://www.reuters.com/world/europe/