Nicht nur Kinder hängen am Handy: Neue Studie untersucht unsere Nutzung als Erwachsene
Viele merken es im Alltag.
Nicht nur Kinder hängen am Smartphone. Auch wir selbst greifen ständig zum Gerät. Morgens nach dem Aufwachen, zwischendurch im Alltag, abends auf dem Sofa. Und genau hier setzt eine neue Studie an. Sie will herausfinden, wie problematisch unsere Smartphone-Nutzung wirklich ist. Nicht nur gefühlt, sondern messbar.
Bild generiert mit Hilfe von KI (ChatGPT/DALL·E, OpenAI)
Worum es in der Studie geht
Im Rahmen der sogenannten KiQuNu-Studie sollen Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren ihr eigenes Smartphone-Verhalten untersuchen lassen.
Dafür installieren Teilnehmende eine App, die über einen Zeitraum von 14 Tagen Nutzungsdaten erfasst. Zusätzlich werden Fragebögen zum eigenen Verhalten und Wohlbefinden ausgefüllt.
Ziel ist es, ein genaueres Bild davon zu bekommen, wie Menschen ihr Smartphone tatsächlich nutzen und daraus Rückschlüsse auf problematische Nutzung zu ziehen.
Langfristig soll daraus sogar ein „Score“ entstehen, der bewertet, wie problematisch die eigene Nutzung ist.
Das klingt erstmal sinnvoll. Endlich nicht nur Vermutungen, sondern echte Daten.
Warum diese Studie wichtig ist
Es gibt ein echtes Problem. Und es wird oft unterschätzt.
Schätzungen gehen davon aus, dass mehrere Millionen Menschen in Deutschland ein problematisches Nutzungsverhalten zeigen oder davon betroffen sein könnten.
Viele merken selbst nicht, wann ihre Nutzung kippt. Wann aus Gewohnheit Abhängigkeit wird. Wann das Smartphone nicht mehr Werkzeug ist, sondern ständiger Begleiter, der Konzentration, Schlaf und Stimmung beeinflusst.
Genau hier kann Forschung helfen.
Wenn wir besser verstehen, wie Nutzung im Alltag aussieht, können wir:
Risiken früher erkennen
Prävention verbessern
Betroffenen gezielter helfen
Besonders wichtig: Die Studie schaut nicht nur auf Bildschirmzeit, sondern auf tatsächliche Nutzungsmuster. Also darauf, wie wir unsere Smartphones nutzen und nicht nur wie lange. Das ist ein entscheidender Fortschritt.
Aktuell ist die Teilnahme ausschließlich mit Android-Geräten möglich, da die Studien-App technisch nur für Android entwickelt wurde.
Der Score
Wir haben uns vor Veröffentlichung den geplanten „Score“ noch einmal genauer angeschaut, weil er einige Fragen aufwirft. Zusätzlich haben wir bei den Verantwortlichen der Studie nachgefragt.
Wer legt fest, was „problematisch“ ist?
Ist hohe Nutzung automatisch ein Thema oder entscheidet der Kontext?
Und was bedeutet es, wenn komplexes Verhalten in eine einzelne Kennzahl übersetzt wird?
Die Studienverantwortlichen betonen allerdings, dass sich die Bewertung an etablierten wissenschaftlichen Fragebögen und diagnostischen Kriterien orientieren soll, die bereits heute zur Einschätzung problematischer Nutzung eingesetzt werden.
Außerdem soll nicht nur ein einzelner Wert entstehen. Ziel der Studie ist es auch, typische Nutzungsmuster sichtbar zu machen, die auf problematische Nutzung hinweisen könnten. Beispielsweise sehr intensive Social-Media-Nutzung, auffällige Nachtzeiten oder ständige Unterbrechungen durch Benachrichtigungen im Alltag.
Wichtig dabei: Teilnehmende erhalten aktuell noch keinen persönlichen „Sucht-Score“ oder eine direkte Bewertung ihres Verhaltens.
Die Studie dient zunächst dazu, Daten zu sammeln und wissenschaftlich zu prüfen, ob sich problematische Nutzung anhand solcher Muster überhaupt zuverlässig erkennen lässt. Erst auf Grundlage dieser Ergebnisse soll später ein mögliches Feedback-System entwickelt werden.
Gleichzeitig kann genau dieser Ansatz helfen, das eigene Verhalten besser greifbar zu machen. Er macht sichtbar, was im Alltag oft nur ein Gefühl ist.
Wichtig ist dabei die Einordnung: Ein solcher Wert ist kein Urteil. Er ist ein Anhaltspunkt. Und genau so sollte er auch verstanden werden.
Das eigentliche Problem liegt tiefer
Smartphone-Nutzung ist kein isoliertes Verhalten.
Sie entsteht in einem Umfeld, das bewusst darauf ausgelegt ist, Aufmerksamkeit zu binden. Plattformen, die mit psychologischen Mechanismen arbeiten. Inhalte, die gezielt fesseln. Systeme, die uns immer wieder zurückholen.
Deshalb greift es zu kurz, nur beim Einzelnen anzusetzen.
Es reicht nicht, zu messen, wie „problematisch“ unser Verhalten ist. Wir müssen auch darüber sprechen, warum dieses Verhalten überhaupt entsteht.
Sollten wir teilnehmen?
Die ehrliche Antwort ist: Es kommt darauf an, wie man es sieht.
Eine Teilnahme kann sinnvoll sein. Nicht, um sich selbst zu optimieren oder einen Score zu erreichen, sondern um besser zu verstehen, wie wir tatsächlich mit unserem Smartphone umgehen.
Wichtig ist, die Teilnahme sollte eine bewusste Entscheidung sein. Nicht aus dem Gefühl heraus, sich selbst „optimieren“ zu müssen, sondern aus echtem Interesse daran, das eigene Verhalten besser zu verstehen. Gerade für Eltern kann das ein spannender Perspektivwechsel sein. Wir sprechen oft darüber, wie Kinder mit Smartphones umgehen. Diese Studie dreht den Blick um.
Sie zeigt, wie wir selbst damit umgehen. Und genau dort beginnt Veränderung.
Gleichzeitig sollte klar sein: Diese Studie wird das Problem nicht lösen. Sie kann sichtbar machen, was passiert.
Aber sie ändert nichts an den Systemen, die dieses Verhalten erzeugen.
Was wir wirklich brauchen
Studien wie diese sind wichtig. Sie helfen, ein Problem sichtbar zu machen, das lange unterschätzt wurde. Aber sie sind nur ein Baustein.
Was es wirklich braucht, ist beides:
Klare Aufklärung über Risiken.
Und gleichzeitig klare Regeln und Rahmenbedingungen, die uns schützen.
Für Erwachsene genauso wie für Kinder.
Denn am Ende geht es nicht nur darum, Verhalten zu messen. Es geht darum, wie wir damit umgehen wollen.
Wer teilnehmen möchte
Wer sich bewusst mit dem eigenen Nutzungsverhalten auseinandersetzen möchte und die Forschung unterstützen will, findet hier alle Informationen zur Studie:
👉 https://detoxi.info/kiqunu-studie
(Aktuell ist die Teilnahme ausschließlich mit Android-Geräten möglich, da die Studien-App technisch nur für Android entwickelt wurde.)