Britisches Oberhaus stimmt für Social-Media-Verbot unter 16 Jahren

„Richtig so.“ „Sehr gut, hoffentlich folgen noch viele Länder.“ „Wann reagiert endlich die EU?“
Wer die Kommentare unter den Meldungen liest, spürt sofort, wie nah dieses Thema vielen Menschen geht. Eltern, Großeltern, Lehrkräfte, Erwachsene ohne Kinder. Die Reaktionen schwanken zwischen Erleichterung, Wut und Ungeduld. Weil viele das Gefühl haben, dass etwas längst aus dem Ruder gelaufen ist.

Genau vor diesem Hintergrund hat das britische Oberhaus eine Entscheidung getroffen, die weit über Großbritannien hinaus wirkt.

Abstimmung im britischen Oberhaus über ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige, im Vordergrund liegen mehrere Smartphones auf einem Tisch, im Hintergrund das Parlament während der Sitzung

Bild generiert mit Hilfe von KI (Gemini, Google)

Zählmarke

Großbritannien setzt ein klares Signal

Das Oberhaus des britischen Parlaments hat mit deutlicher Mehrheit für ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren gestimmt. 261 Abgeordnete sagten Ja, 150 Nein. Damit wächst der Druck auf Premierminister Keir Starmer, diesen Kurs auch politisch umzusetzen.

Ein Abgeordneter sagte nach der Abstimmung, man habe die Zukunft der Kinder an erste Stelle gestellt. Es gehe darum, den Schaden zu stoppen, den Onlinedienste einer ganzen Generation zufügen. Viele Eltern dürften diesen Satz lesen und nicken.

Warum das so viele Eltern bewegt

Für Kinder ist Social Media kein Zeitvertreib. Es ist ein sozialer Raum. Hier entstehen Zugehörigkeit und Ausgrenzung, Vergleich und Druck, Ideale und Selbstzweifel. Als Eltern versuchen wir zu begleiten, Regeln zu setzen, Gespräche zu führen. Und merken dabei oft, wie ungleich dieser Kampf ist.

Dass diese Entscheidung parteiübergreifend unterstützt wurde, zeigt, wie ernst die Lage eingeschätzt wird. Auch bekannte Stimmen wie Hugh Grant sprechen sich öffentlich für ein Verbot aus. Laut einer Umfrage des Instituts YouGov unterstützen 74 Prozent der britischen Bevölkerung diesen Schritt. Das ist kein Randthema. Das ist gesellschaftlicher Konsens.

Der Blick nach Australien

Das britische Modell orientiert sich an Australien. Dort gilt seit Dezember ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige. Wichtig für Eltern: Nicht Familien werden kontrolliert oder bestraft, sondern die Plattformen selbst. TikTok, Instagram und Snapchat müssen dafür sorgen, dass Minderjährige keine Konten haben. Bei Verstößen drohen hohe Geldstrafen.

Seit Inkrafttreten wurden Millionen von Konten gesperrt. Das zeigt, dass solche Regeln nicht nur auf dem Papier existieren können.

Kritik gehört dazu, aber Nichtstun auch

Natürlich gibt es Sorgen. Stichworte wie Überwachung, Datenschutz oder Scheinsicherheit tauchen in der Debatte immer wieder auf. Diese Fragen sind berechtigt. Aber sie ändern nichts an der Realität vieler Familien. Der Status quo schützt Kinder nicht. Er überlässt sie einem System, das von Aufmerksamkeit, Vergleich und Dauerpräsenz lebt.

Ein Verbot ersetzt keine Gespräche und keine Beziehung. Aber es verschiebt Verantwortung. Weg von einzelnen Eltern, die alles allein stemmen sollen. Hin zu Unternehmen, die seit Jahren von der Nutzung durch Kinder profitieren.

Ein Schritt, der auch uns betrifft

Die Reaktionen im Forum zeigen es deutlich. Viele Menschen empfinden diesen Beschluss als überfällig. Großbritannien hat einen Schritt gemacht, den sich andere Länder bisher nicht getraut haben.

Die Frage ist längst nicht mehr, ob Social Media Kindern schaden kann. Die Frage ist, wie lange wir noch warten wollen, bis wir sie besser schützen.

Quellen

Der Standard: Britisches Oberhaus stimmt für Social-Media-Verbot unter 16 Jahren
https://www.derstandard.de/story/3000000305171/britisches-oberhaus-stimmt-f252r-social-media-verbot-unter-16-jahren (DER STANDARD)

Sky News: Politics latest: Social media ban for under-16s backed by Lords
https://news.sky.com/story/politics-latest-social-media-ban-for-under-16s-backed-by-lords-12593360 (Sky News)

The Guardian: Lords put pressure on Starmer with vote to ban social media for under-16s
https://www.theguardian.com/uk-news/2026/jan/21/kemi-badenoch-keir-starmer-under-16s-social-media-ban-uk (The Guardian)

Reuters: Australia social media ban hits 4.7 million teen accounts in first month
https://www.reuters.com/world/asia-pacific/australia-social-media-ban-hits-47-million-teen-accounts-first-month-2026-01-15/ (reuters.com)

Zurück
Zurück

Kauft kein KI-Spielzeug für Kinder!

Weiter
Weiter

Handyfreie Schule: Was passiert, wenn Kinder ihre Handys morgens abgeben