Handyfreie Schule: Was passiert, wenn Kinder ihre Handys morgens abgeben

Pauline Ponti Schulleiterin der ALEX SCHOOL

Schulleiterin Pauline Ponti

Gastbeitrag von Pauline Ponti, Schulleiterin der ALEA SCHOOL.

Hinter uns liegen bewegende Monate. Im Sommer 2025 haben wir erstmals die Tore der ALEA SCHOOL in Bad Orb nahe Frankfurt für unsere ersten beiden Jahrgänge geöffnet. Eine fünfte und eine sechste Klasse bilden nun den Kern unseres bilingualen Gymnasiums. Als junge Schule im Aufbau genießen wir das Privileg, Bildung von Grund auf neu zu denken. Eine unserer wichtigsten Säulen ist dabei die bewusste Entscheidung für eine handyfreie Schule.

Ein Raum für Präsenz

Hand aufs Herz. Wie oft lassen wir uns selbst von einem kurzen Aufleuchten des Displays aus einem tiefen Gespräch reißen. Wenn es uns Erwachsenen schon schwerfällt, wie sollen Kinder dann inmitten von Social Media und ständiger Erreichbarkeit die nötige Ruhe zum Lernen finden.

Wir haben uns gegen Kompromisse und für Klarheit entschieden. Handys werden bei uns nicht nur leise gestellt, sie bleiben komplett außen vor. Jeden Morgen schließen die Kinder ihre Geräte eigenständig in unseren Handygaragen von Lock&Learn ein. Dieses Ritual ist von einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit geprägt. In diesem Moment spürt man förmlich eine kollektive Erleichterung, die durch das Gebäude geht.

Schülerinnen und Schüler legen morgens ihre Smartphones in Handygaragen an der ALEA SCHOOL ab

Foto: Lounge der ALEA SCHOOL mit Lock&Learn Handygarage

Zählmarke

Aus den Augen, aus dem Sinn

Unser Grundsatz „Aus den Augen, aus dem Sinn“ schafft einen geschützten Raum, in dem Kinder einfach wieder Kinder sein dürfen. Ohne den digitalen Schatten in der Hosentasche bleiben Pausen und Flure frei von unnötigen Ablenkungen und digitalen Konflikten. Die Kinder sind gedanklich im Hier und Jetzt verankert und finden zurück zu dem, was Schule eigentlich ausmacht. Miteinander spielen, reden und gemeinsam kreativ sein.

Human Skills im Zeitalter der KI

Wir leben in einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz uns immer mehr Aufgaben abnehmen wird. Doch was bleibt, wenn Maschinen Daten analysieren und Prozesse optimieren. Es sind unsere Human Skills. Empathie, echtes Miteinander und die Fähigkeit, gut zu kommunizieren. Diese Dinge lassen sich nicht durch einen Algorithmus ersetzen und erst recht nicht durch einen Bildschirm trainieren.

Um diese menschlichen Muskeln zu stärken, brauchen wir Zeit ohne digitale Medien. Wir brauchen das unmittelbare Gegenüber, das Deuten von Mimik und das gemeinsame Lachen beim Mittagessen. An der ALEA SCHOOL folgen wir deshalb dem Prinzip Pädagogik vor Technik. Tablets setzen wir dort ein, wo sie einen echten Mehrwert bieten. Die Zwischenräume jedoch schützen wir bewusst als wertvolle Orte der echten Begegnung.

Ein Grundstein für die Zukunft

Wenn der Schultag um 16.40 Uhr endet, freuen sich die Schülerinnen und Schüler natürlich wieder auf ihre Geräte. Doch der große Ansturm bleibt aus. Die Entschleunigung des Tages wirkt nach.

Dieser Weg ist ein Gemeinschaftsprojekt, das unsere Eltern mit großer Überzeugung mittragen. In engem Austausch, bei Elternabenden, Coffee Mornings und gemeinsamen Brainstormings, entwickeln wir aktuell unser schuleigenes Medienschutzkonzept weiter.

Wir sind gespannt, wie unsere Reise in den nächsten Jahren weitergeht. Aber schon jetzt fühlt es sich richtig an. Während es draußen immer digitaler wird, haben wir einen Ort geschaffen, an dem das echte Gespräch wieder Vorrang hat. Der Grundstein ist gelegt und wir freuen uns auf alles, was darauf noch wachsen darf.

Herzlichst


Pauline Ponti
Schulleiterin der ALEA SCHOOL

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