Australien verbietet Social Media unter 16 – und es zeigt Wirkung

Foto: Jakob Kreiner

Gastbeitrag von Jakob Kreiner

Ein Land macht ernst. Und plötzlich sieht man, was möglich ist.

Australien hat im Dezember 2025 ein Gesetz eingeführt, das weltweit für Aufmerksamkeit sorgt: Jugendliche unter 16 Jahren dürfen große Social-Media-Plattformen wie Instagram, TikTok oder Snapchat nicht mehr nutzen.

Das Besondere daran ist nicht nur das Verbot selbst. Entscheidend ist, wer verantwortlich gemacht wird: die Plattformen.
Also nicht Eltern, nicht Kinder, sondern die Unternehmen.

Und genau das verändert gerade sehr viel.

Rotes Stoppschild mit Social-Media-Symbolen in einer australischen Landschaft mit Kängurus und Uluru im Hintergrund, als Symbol für das Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige

Bild generiert mit Hilfe von KI (ChatGPT/DALL·E, OpenAI)

Erste Ergebnisse: Deutlich weniger Nutzung

Die Daten nach den ersten Wochen zeigen ein klares Bild: Rund 4,7 Millionen Accounts von Minderjährigen wurden gelöscht oder deaktiviert.

Das zeigt vor allem zwei Dinge:
Zum einen, wie viele Kinder diese Plattformen vorher genutzt haben – trotz Altersgrenzen.
Zum anderen, dass Regulierung technisch tatsächlich umsetzbar ist.

Gleichzeitig berichten erste Auswertungen von einem deutlichen Rückgang der Nutzung. Viele Jugendliche verbringen weniger Zeit auf Social Media und weichen zumindest teilweise auf andere Aktivitäten aus.

Das ist genau das Ziel, das politisch erreicht werden sollte.

Überraschend: Kein großer Ausweich-Effekt

Ein häufiges Argument gegen solche Maßnahmen war immer: „Dann gehen die Kinder einfach woanders hin.“

Genau das lässt sich bisher nicht bestätigen. Es gibt zwar einzelne Umgehungen. Aber ein massenhafter Wechsel auf andere Plattformen ist bislang nicht erkennbar. Das ist ein wichtiger Punkt. Denn er zeigt, dass Regulierung mehr Wirkung haben kann, als oft angenommen wird.

Aber: Perfekt ist das System nicht

Natürlich funktioniert das Ganze nicht lückenlos. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 20 Prozent der Jugendlichen weiterhin Zugang haben, zum Beispiel über falsche Altersangaben oder technische Tricks.

Das ist wichtig zu verstehen: 100 Prozent Kontrolle wird es im digitalen Raum nicht geben.

Aber das bedeutet nicht, dass Maßnahmen wirkungslos sind. Im Gegenteil.

Eine wichtige Lücke: Messenger bleiben außen vor

Ein Punkt wird in der aktuellen Diskussion oft übersehen: Messenger-Dienste wie WhatsApp sind von der Regelung ausgenommen.

Auf den ersten Blick wirkt das nachvollziehbar. Kommunikation gehört zum Alltag von Jugendlichen, und ein kompletter Ausschluss wäre schwer vermittelbar. Gleichzeitig entsteht hier eine relevante Lücke.

Denn vieles von dem, was Eltern aus ihrem Alltag kennen, findet genau dort statt: Gruppendruck, Mobbing, das Weiterleiten von problematischen Inhalten, erste Kontakte zu Fremden oder auch sexualisierte Inhalte.

Diese Dynamiken verschwinden nicht automatisch, nur weil klassische Social-Media-Plattformen reguliert werden.

Das bedeutet: Auch wenn die Maßnahme insgesamt wirkt, bleibt ein zentraler Bereich weiterhin unreguliert. Für Eltern und Schulen verändert sich damit die Aufgabe nicht grundsätzlich, sondern verschiebt sich teilweise.

Was wir daraus lernen können

Die Zwischenbilanz aus Australien ist überraschend klar:

  • Weniger Nutzung.

  • Weniger Accounts.

  • Mehr Verantwortung bei den Plattformen.

Und vielleicht der wichtigste Punkt: Es zeigt, dass politische Entscheidungen digitale Realität verändern können. Lange hieß es, das sei nicht möglich. Jetzt sieht man, dass es geht.

Warum das auch für uns relevant ist

Für Eltern ist vor allem ein Gedanke entscheidend:

  • Wenn wir Kinder einfach in diese Systeme lassen, kämpfen wir gegen eine Industrie.

  • Wenn Regulierung eingreift, verändert sich das Spielfeld.

  • Das ersetzt keine Aufklärung. Und es ersetzt auch keine Begleitung.

  • Aber es macht beides überhaupt erst realistisch.

Genau deshalb braucht es beides gleichzeitig: klare Regeln und aktive Eltern.

Fazit

Australien hat kein perfektes System geschaffen.
Aber ein wirksames.

Und vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis: Es geht nicht darum, ob etwas zu 100 Prozent funktioniert. Sondern ob es besser ist als das, was wir aktuell haben. Und darauf gibt Australien gerade eine ziemlich klare Antwort.


Quellen

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