Klare Regeln statt Dauerablenkung: Der Weg einer Potsdamer Oberschule zu einem neuen Handykonzept
Schulleiterin Janine Soffner
Gastbeitrag Janine Soeffner, Schulleiterin der Theodor-Fontane-Oberschule mit integrierter Primarstufe in Potsdam
Schule, Rahmen und Rolle
Wir sind eine Oberschule mit integrierter Primarstufe im Potsdamer Süden und unterrichten die Jahrgänge 1 bis 10. Das neue Handykonzept betrifft die Jahrgänge 7 bis 10, also den Sekundarbereich I.
In der Primarstufe haben wir bereits seit über zehn Jahren ein Handyverbot über den gesamten Schulalltag hinweg. In der Sekundarstufe waren bislang die Handys in den Pausen erlaubt.
Warum wir das Thema neu angegangen sind
Der Auslöser war kein einzelnes Ereignis, sondern eine deutliche Entwicklung im Schulalltag:
zunehmende Konzentrationsprobleme im Unterricht
soziale Spannungen durch Chats, Fotos und soziale Medien
wiederkehrende Diskussionen zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern über Nutzung und Grenzen
Unsicherheiten bei Eltern und im Kollegium
spürbar weniger direkte Kommunikation unter Schülerinnen und Schülern
Es wurde immer klarer, dass das Thema Smartphone eine neue, klare Regelung braucht.
Foto der Theodor-Fontane-Schule in Potsdam
Die Situation vor der Veränderung
Die Nutzung der Smartphones war allgegenwärtig und teilweise problematisch:
intensive Handynutzung in den Pausen
Rückzug auf die Toiletten
Drehen von TikTok-Videos während der Schulzeit
unerlaubte Nutzung im Unterricht
Schreiben von Nachrichten während des Unterrichts
Filmen und Fotografieren ohne Zustimmung
sogar Aufnahmen von Vandalismus, etwa bei zerstörten Toiletten
Diese Entwicklungen belasteten sowohl den Unterricht als auch das soziale Miteinander erheblich.
Auch der Fokus vieler Lehrkräfte richtete sich zunehmend auf die Bearbeitung, Schlichtung und Verwaltung von Vorfällen und ließ weniger Raum für den eigentlichen Auftrag: erziehen und unterrichten.
Ziele der neuen Regelung
Mit der neuen Regelung wollten wir gezielt Veränderungen erreichen:
mehr und bessere Kommunikation unter den Schülerinnen und Schülern
weniger Diskussionen durch klare und einheitliche Vorgaben
eine Steigerung der Konzentrationsfähigkeit im Unterricht
mehr Bewegung und Aktivität in den Pausen
weniger Rückzug und Vandalismus
Im Kern ging es darum, Schule wieder als sozialen Raum zu stärken.
Foto der Theodor-Fontane-Schule in Potsdam
Der Entscheidungsprozess
Der Prozess war bewusst breit angelegt und beteiligungsorientiert und ging ursprünglich vom Wunsch einzelner Lehrkräfte aus.
Zunächst wurden Stimmungsbilder in allen Mitwirkungsgremien eingeholt:
Konferenz der Lehrkräfte
Elternkonferenz
Schülerinnen- und Schülerkonferenz
Anschließend entwickelte eine schulinterne Arbeitsgruppe aus Lehrkräften das konkrete Konzept. Zwischenstände wurden regelmäßig in der Lehrerkonferenz vorgestellt und diskutiert.
Das fertige Konzept wurde schließlich durch alle Gremien beschlossen, von der Schülerinnen- und Schülerkonferenz über die Konferenz der Lehrkräfte und die Elternkonferenz bis hin zur Schulkonferenz.
Bedenken der Eltern
Ein zentrales Thema war die Erreichbarkeit der Kinder während der Schulzeit, insbesondere in Notfällen.
Diese Fragen wurden vor allem in der Elternkonferenz intensiv diskutiert.
Die Lösung ist klar geregelt: Die Erreichbarkeit ist jederzeit über das Sekretariat gewährleistet.
Reaktionen der Schülerinnen und Schüler
Nach der Entscheidung waren die Meinungen zunächst geteilt.
Wichtig ist: Die Regelung gilt erst seit dem 1. April, sodass unsere Erfahrungen noch auf einer kurzen Erprobungsphase basieren.
Das unmittelbare Feedback nach der Einführung fiel jedoch überwiegend neutral bis positiv aus. Eine begleitende Umfrage bestätigt diesen Eindruck. Die Akzeptanz entwickelte sich schneller als erwartet.
Rückmeldungen aus dem Kollegium
Trotz der kurzen Laufzeit zeigen sich bereits jetzt signifikante Veränderungen:
weniger Ablenkung im Unterricht
insgesamt ruhigere Lernatmosphäre
entspanntere Stimmung im Schulalltag
mehr Bewegung in den Pausen
deutlich mehr Gespräche unter Schülerinnen und Schülern
Gespräche aus dem Unterricht setzen sich in den Pausen fort
neue Kontakte entstehen sichtbar
Ein bemerkenswerter Nebeneffekt: Die häufigste Nachfrage ist aktuell die nach der Uhrzeit. Sollen wir also wieder Uhren für alle Unterrichtsräume anschaffen? ☺
Umsetzung im Alltag
Die praktische Umsetzung ist bewusst einfach gestaltet:
In der ersten Stunde verstauen die Schülerinnen und Schüler ihre Smartphones in personalisierten Handytaschen. Diese Taschen verbleiben den gesamten Schultag über in der Schülerhand.
Wer nach der ersten Stunde kommt, erhält eine farblich markierte Tasche im Sekretariat.
Am Ende des Schultages entsperrt die unterrichtsführende Lehrkraft die Handytaschen wieder.
Die Regel gilt verbindlich für alle. Bei Verstößen greift ein Maßnahmenkatalog.
Ausnahmen werden klar geregelt und individuell entschieden.
Fazit
Wir arbeiten aktuell seit dem 1. April 2026 mit den Handytaschen der Firma LOCKSTA als konkrete Lösung. Auch wenn wir noch am Anfang stehen, zeigen sich bereits deutliche Effekte.
Mein Fazit für andere Schulen ist bewusst knapp gehalten:
Machen!
Denn Smartphones werden bleiben. Die entscheidende Frage ist, wie wir als Schule damit umgehen. Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen deutlich: Klare Regeln schaffen Freiräume für Konzentration, Bewegung und vor allem für lebendige Begegnung.