60 Prozent suchtähnliche Smartphone-Nutzung: Neue Jugendstudie 2026

Zählmarke
Cover Trendstudie Jugend in Deutschland

Die neue Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“ liefert Zahlen, die man nicht mehr einfach relativieren kann. Sie zeigen sehr deutlich, wie sehr sich die Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren verändert hat. Laut der Studie weisen 60 Prozent der jungen Menschen ein suchtähnliches Verhalten im Umgang mit Smartphones und Social Media auf. Das ist keine kleine Gruppe mehr, über die man sprechen kann, sondern die Mehrheit.

Die Studie wurde von Simon Schnetzer gemeinsam mit Nina Kolleck und Kilian Hampel durchgeführt. Grundlage ist eine repräsentative Befragung von 2.012 jungen Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren im Zeitraum von Januar bis Februar 2026. Die Ergebnisse zeigen ein Gesamtbild, das viele Eltern aus ihrem Alltag bereits kennen, das aber in dieser Deutlichkeit bisher selten belegt wurde.

Drei Jugendliche sitzen nebeneinander im Freien und schauen konzentriert auf ihre Smartphones, ernst wirkende Stimmung und abendliches Licht im Hintergrund

Bild generiert mit Hilfe von KI (ChatGPT/DALL·E, OpenAI)

Die wichtigsten Zahlen der Studie

Neben der hohen Zahl suchtähnlicher Nutzung fällt vor allem die psychische Belastung auf. Mehrere zentrale Kennzahlen machen deutlich, wie groß der Druck auf die junge Generation inzwischen ist:

  • 60 Prozent zeigen eine suchtähnliche Nutzung von Smartphone und Social Media

  • 29 Prozent glauben, dass sie psychologische Hilfe benötigen

  • 21 Prozent planen konkret, Deutschland zu verlassen

  • 41 Prozent können sich vorstellen, langfristig im Ausland zu leben

Diese Zahlen zeigen, dass es nicht nur um Mediennutzung geht, sondern um ein umfassendes Gefühl von Druck, Unsicherheit und fehlender Perspektive.


Die Ergebnisse der Trendstudie zeigen auf dramatische Weise, wie sehr die Belastungen der letzten Jahre den jungen Menschen zusetzen – in Form von Stress, Erschöpfung und wachsender Perspektivlosigkeit
— betont Studienleiter Simon Schnetzer.

Jugendforscher Simon Schnetzer
(Foto: Marc-Steffen Unger)


Was „suchtähnlich“ konkret bedeutet

Besonders relevant ist, wie die Studie den Begriff „suchtähnlich“ einordnet. In der Jugendstudie wurde dafür die sogenannte Smartphone-Addiction-Scale verwendet, ein international etabliertes Messinstrument zur Erfassung suchtähnlicher Nutzungsmuster.

Wichtig ist dabei die Einordnung: Eine offiziell anerkannte Diagnose für eine Smartphone- oder Social-Media-Sucht gibt es derzeit nicht. Die Weltgesundheitsorganisation führt bislang nur die Online-Gaming-Sucht als eigenständige Diagnose.

Gleichzeitig zeigt die Anwendung dieser Skala sehr deutlich, wie verbreitet problematische Nutzungsmuster bereits sind. Laut Einordnung der an der Studie beteiligten Forscher bedeutet das: Ein großer Teil der jungen Menschen zeigt Verhaltensweisen, die aus der Suchtforschung bekannt sind.

Auffällig ist dabei auch, wofür das Smartphone hauptsächlich genutzt wird. Wenn junge Menschen ihr Gerät in die Hand nehmen, führt der Weg in den meisten Fällen direkt zu sozialen Plattformen:

  • 88 Prozent nutzen WhatsApp

  • 76 Prozent Instagram

  • 72 Prozent YouTube

  • 53 Prozent TikTok

Diese Zahlen machen deutlich, dass es nicht nur um das Gerät selbst geht, sondern vor allem um die dahinterliegenden Plattformen und ihre Mechaniken.


Psychischer Druck nimmt spürbar zu

Parallel zur Mediennutzung steigt die psychische Belastung deutlich an. Themen wie Kriege, wirtschaftliche Unsicherheit, steigende Lebenshaltungskosten und die schwierige Wohnsituation werden von vielen jungen Menschen als große Sorgen genannt.

Gleichzeitig berichten Teilnehmende der Studie selbst, dass Social Media ein zusätzlicher Stressfaktor sein kann. Der ständige Vergleich mit scheinbar perfekten Leben, die Geschwindigkeit der Inhalte und die dauerhafte Erreichbarkeit sorgen für einen Druck, der im Alltag kaum noch ausgeglichen werden kann.


Digitale Belastung geht über Nutzungszeit hinaus

Die Studie macht deutlich, dass die Belastung junger Menschen nicht nur mit äußeren Krisen zusammenhängt, sondern auch mit ihrem digitalen Alltag.

In der offiziellen Kommunikation zur Studie wird zudem erwähnt, dass junge Menschen bei persönlichen Problemen zunehmend auch digitale Angebote nutzen, etwa KI-gestützte Anwendungen. Wie stark dieser Trend ausgeprägt ist und welche Gruppen besonders betroffen sind, wird in den frei zugänglichen Zusammenfassungen allerdings nicht detailliert ausgewiesen.

Sicher sagen lässt sich jedoch, dass sich der Umgang mit Belastung, Orientierung und Unterstützung verändert.


Warum diese Entwicklung kein Zufall ist

Die Zahlen sind deshalb so deutlich, weil sie ein strukturelles Problem sichtbar machen. Digitale Plattformen sind gezielt darauf ausgelegt, Aufmerksamkeit zu binden und möglichst lange zu halten.

Typische Mechanismen sind:

  • endlose Feeds ohne natürliche Stopps

  • algorithmisch optimierte Inhalte

  • Belohnungssysteme durch Likes, Kommentare und neue Reize

Diese Systeme machen es selbst Erwachsenen schwer, sich zu regulieren. Für junge Menschen, deren Selbstkontrolle sich noch entwickelt, ist das eine besondere Herausforderung. Es handelt sich nicht um individuelles Versagen, sondern um ein Umfeld, das genau so funktioniert.


Was jetzt passieren muss

Die gesellschaftliche Diskussion greift oft zu kurz. Häufig wird so getan, als müsste man sich zwischen Verboten und Aufklärung entscheiden. Aus unserer Sicht ist genau das der falsche Ansatz. Kinder und Jugendliche brauchen beides gleichzeitig.

Klare Regeln schaffen Schutzräume, in denen sie sich entwickeln können, ohne dauerhaft unter dem Einfluss dieser Systeme zu stehen. Gleichzeitig brauchen sie Wissen und Verständnis, um langfristig selbstbestimmt mit digitalen Medien umgehen zu können.

Konkret bedeutet das:

  • Smartphones möglichst spät einführen

  • kein Social Media unter 16 Jahren

  • Schulen bewusst als smartphonefreie Räume gestalten

Diese Maßnahmen sind keine Strafen, sondern Schutzräume. Parallel dazu muss Medienkompetenz ein fester Bestandteil des Alltags werden. Kinder und Jugendliche sollten verstehen, wie Plattformen funktionieren, warum sie so schwer wegzulegen sind und welche Auswirkungen das auf ihr Leben haben kann.


Warum Eltern Unterstützung brauchen

Viele Eltern stehen vor einer schwierigen Aufgabe. Sie sind selbst nicht mit diesen Technologien aufgewachsen und müssen Entscheidungen treffen, deren Auswirkungen sie oft nur schwer einschätzen können.

Gleichzeitig sind sie mit sehr unterschiedlichen Meinungen konfrontiert, die von völliger Freigabe bis zu strikten Verboten reichen. Was fehlt, ist eine klare, verständliche und alltagstaugliche Orientierung. Eltern brauchen keine Schuldzuweisungen, sondern Unterstützung, um gute Entscheidungen für ihre Kinder treffen zu können.


Fazit

Die Jugendstudie 2026 zeigt kein neues Problem. Sie zeigt, wie groß das Problem geworden ist. Wenn mehr als die Hälfte der jungen Menschen bereits suchtähnliche Muster entwickelt hat, dann reicht es nicht mehr, einzelne Symptome zu diskutieren.

Es geht darum, die Rahmenbedingungen zu verändern, in denen junge Menschen aufwachsen. Digitalisierung gehört selbstverständlich dazu, aber sie muss so gestaltet werden, dass sie Entwicklung unterstützt und nicht behindert.

Kinder und Jugendliche zu schützen und sie gleichzeitig zu befähigen, mit digitalen Medien umzugehen, ist kein Widerspruch. Es ist die Voraussetzung dafür, dass sie sich in dieser Welt gesund entwickeln können.


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