Polizei im Gaming: Warum virtuelle Streifen Kinder besser schützen können

„Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen.“ Mit diesem Satz auf seinem LinkedIn-Profil beschreibt Prof. Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger seine Arbeit und seine Ideen sehr gut: Wenn Sicherheitsbehörden Kinder und Jugendliche im digitalen Raum erreichen wollen, reicht es nicht, nur über Risiken zu sprechen. Sie müssen dort sichtbar und ansprechbar sein, wo junge Menschen heute tatsächlich kommunizieren. Und das ist sehr oft Gaming.

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Post von Prof. Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger auf LinkedIn

Warum Gaming für Kinderschutz relevant ist

Viele Eltern sehen Gaming zuerst als Spiel. Für Kinder und Jugendliche ist es aber längst mehr: ein sozialer Treffpunkt, ein Chatraum, ein Ort, an dem Freundschaften entstehen, aber eben auch Konflikte, Grenzverletzungen und Straftaten. Genau dort setzt die Idee an, die Prof. Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger seit Jahren stark macht: Wenn sich das Leben junger Menschen in den digitalen Raum verlagert, müssen Sicherheitsbehörden dort sichtbar, erreichbar und dialogfähig werden, so wie wir es aus der analogen Welt gewohnt sind. (Konrad-Adenauer-Stiftung)

Was ist die Idee konkret?

Kurz gesagt: Polizei soll im digitalen Alltag dort ansprechbar sein, wo Kinder und Jugendliche tatsächlich unterwegs sind. Nicht nur über klassische Internetwachen, die sich oft wie ein digitaler Briefkasten anfühlen, sondern über echte, niedrigschwellige Kommunikation. Das kann bedeuten, dass speziell geschulte Teams als offizielle, erkennbare Polizeieinheit auf Plattformen präsent sind, auf denen junge Menschen kommunizieren, also zum Beispiel auf Twitch, Discord, TikTok, Instagram oder in Gaming-Communities. Ziel ist nicht, dass Polizei “mitzockt, um zu kontrollieren”, sondern dass sie erreichbar ist, wenn etwas kippt, und dass Prävention dort stattfindet, wo Risiken entstehen. (Konrad-Adenauer-Stiftung)

Sind das dann wirklich Polizei-Teams, die in Games unterwegs sind?

Ja, in einigen Ländern gibt es dafür bereits eigene Einheiten. Das bekannteste Beispiel, das auch Prof. Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger anführt, ist Dänemark: Dort gibt es eine offizielle Online-Patrouille, die plattformübergreifend sichtbar ist, ansprechbar bleibt und genau diesen Dialog sucht. Medienberichte beschreiben, dass diese Einheit eine große Reichweite aufgebaut hat und auf mehreren Kanälen präsent ist, einschließlich Twitch und Discord. (euronews)

Wichtig ist dabei die klare Erwartungshaltung: Es geht nicht darum, dass Polizeikräfte dauerhaft “als Spieler” Undercover in Matches sitzen. Es geht um digitale Streifenarbeit im Sinne von Sichtbarkeit, Ansprechbarkeit und dem Gefühl: Da ist jemand zuständig, wenn etwas passiert. So wie ein Streifenwagen im Straßenverkehr nicht jeden Unfall verhindert, aber trotzdem Regeln, Sicherheit und Anlaufstellen sichtbar macht. Genau diese Verkehrspräventions-Analogie nutzt Prof. Dr. Rüdiger auch, wenn er digitale Kriminalprävention als vernetzte Aufgabe beschreibt, bei der Infrastruktur, Regeln, Aufklärung und Durchsetzung zusammengehören. (Konrad-Adenauer-Stiftung)

Bild generiert mit Hilfe von KI (Gemini, Google)

Die Idee der “Kinder-Online-Wache”

Prof. Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger beschreibt ein Kernproblem sehr deutlich: Im Netz “sehen” Kinder und Jugendliche Polizeiarbeit kaum. Im analogen Alltag erleben sie Kontrollen, Streifen, Wachen und Uniformen. Online fehlt dieses sichtbare Signal, dass Regeln gelten und dass Hilfe erreichbar ist. Das schwächt Vertrauen und senkt die Wahrscheinlichkeit, dass Betroffene sich an Polizei wenden. In seinem Beitrag verweist er zudem darauf, dass viele bestehende Social-Media-Auftritte der Polizei für Kinder praktisch nicht nutzbar sind, weil dort oft steht, dass Nachrichten nicht gelesen werden oder Anzeigen nicht möglich sind. (Konrad-Adenauer-Stiftung)

In der Folge melden junge Menschen Probleme eher bei Plattformen als bei Polizei. Prof. Dr. Rüdiger nennt als Richtung deshalb deutlich nutzerfreundlichere Angebote, bis hin zu einer speziell kindgerechten “Kinder-Online-Wache”, die im Ernstfall schnelle, einfache Kontaktwege bietet, im Idealfall in einer Form, die Kinder auch wirklich nutzen können. (Konrad-Adenauer-Stiftung)

Und was ist mit Deutschland: Gibt es das hier schon?

Es gibt einzelne Ansätze, die in die Richtung gehen, die Prof. Dr. Rüdiger fordert. Ein konkretes Beispiel ist die Polizeidirektion Hannover mit einem offiziellen Twitch-Auftritt, auf dem sie als Ansprechpersonen auftreten und Fragen beantworten. Das ist noch keine flächendeckende “virtuelle Streife”, zeigt aber, wie niedrigschwellige Präsenz funktionieren kann, wenn sie ernsthaft betrieben wird. (Twitch)

Hierzu gibt es auch einen interessanten Expertentalk:

Rüdiger argumentiert allerdings, dass es mehr braucht als Leuchtturmprojekte: Es braucht Konzepte, Ressourcen und politische Rückendeckung, damit digitale Polizeipräsenz nicht nur “Kommunikation” ist, sondern ein verlässlicher Bestandteil von Schutz und Prävention wird. (Konrad-Adenauer-Stiftung)

Was Eltern daraus mitnehmen können

Für Eltern ist die Debatte vor allem aus einem Grund relevant: Viele Risiken im Gaming entstehen nicht durch das Spiel selbst, sondern durch Kommunikation. Voice-Chat, Direktnachrichten, Gruppen, Server, Matchmaking mit Fremden. Wer Kinderschutz ernst meint, muss deshalb über Schutz im Kommunikationsraum sprechen, nicht nur über USK oder Spielzeiten. Prof. Dr. Rüdigers Vorschlag ergänzt genau diese Lücke: Wenn Kinder digitale Räume wie Straßen benutzen, brauchen sie dort verständliche Regeln, sichere Infrastruktur und erreichbare Hilfe, nicht erst nach dem Schaden, sondern möglichst davor. (Konrad-Adenauer-Stiftung)

Fazit

Die Idee ist einfacher, als sie klingt: Polizei soll im digitalen Alltag sichtbar werden, damit Kinder und Jugendliche bei Problemen nicht alleine bleiben. Internationale Beispiele zeigen, dass das als Präventions- und Vertrauensarbeit funktionieren kann, wenn es professionell gemacht wird. Prof. Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger plädiert deshalb für eine moderne Sicherheitsarchitektur, die digitale Bildung, Plattformpflichten und echte digitale Polizeipräsenz zusammendenkt, statt alles auf Eltern oder Schulen abzuwälzen. (Konrad-Adenauer-Stiftung)


Quellen:

  • Beitrag “Digitale Kriminalprävention” in “Die Politische Meinung” (Konrad-Adenauer-Stiftung) sowie PDF-Version des Artikels. (Konrad-Adenauer-Stiftung)

  • FAZ-Artikel “Die Polizei soll auch im Netz auf Streife gehen” (06.12.2014). (FAZ.NET)

  • Twitch-Präsenz der Einheit und Twitch-Kanal der Polizei Hannover. (euronews)

  • Europol, „Policing in an online world“ (Europol).

  • Polizeidirektion Hannover, Presseinfo zu Twitch (Hannover).

  • Euronews Next, Bericht zur dänischen Online Patrol (euronews).

  • Twitch-Kanal Politiets Online Patrulje (Twitch).

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