21 Tage ohne Smartphone - Das Handyexperiment: Schulklassen gesucht!

Vor einem Jahr hat ein Lehrer aus Österreich ein Projekt gestartet, das weit über seine eigene Schule hinaus Wirkung entfaltet hat. 21 Tage ohne Smartphone, freiwillig, begleitet und mit Raum für Reflexion. Der Lehrer heißt Fabian Scheck, und wir haben ihn bei Medienzeit bereits vorgestellt sowie ausführlich über sein erstes Handyexperiment berichtet.

Damals verzichteten zunächst 69 Schülerinnen und Schüler vollständig auf ihr Smartphone. Später beteiligten sich rund 500 Jugendliche einer ganzen Schule. Begleitet wurde das Projekt vom ORF in einer eindrucksvollen Dokumentation, die sichtbar machte, wie tief Smartphones bereits in den Alltag junger Menschen eingreifen.

Aus einem Schulprojekt wurde eine landesweite Initiative.

Bildquelle: Konrad Lorenz Gymnasium

Worum geht es beim Handyexperiment?

Das Handyexperiment ist kein Verbot und keine Strafmaßnahme. Es handelt sich um einen freiwilligen Selbstversuch über 21 Tage, bei dem Jugendliche vollständig auf ihr Smartphone verzichten oder die Nutzung deutlich reduzieren. Ziel ist es nicht, Technologie grundsätzlich abzulehnen, sondern die eigene Nutzung bewusst zu hinterfragen.

Im Mittelpunkt steht die Erfahrung. Was verändert sich im Alltag ohne permanentes Scrollen, Chatten und Benachrichtigungen? Wie wirken sich drei Wochen Smartphone-Verzicht auf Schlaf, Konzentration, Stimmung und soziale Beziehungen aus? Welche Rolle spielt das Gerät im eigenen Leben tatsächlich?

Die Teilnehmenden werden mit Materialien begleitet und erhalten Impulse zur Reflexion. Es geht darum, zu beobachten, auszutauschen und zu verstehen, nicht darum, zu bewerten.

Welche Erfahrungen wurden bisher gemacht?

Im ersten Durchlauf beschrieben viele Jugendliche die ersten Tage als herausfordernd. Sie berichteten von Unruhe, Langeweile und dem Gefühl, etwas zu verpassen. Gleichzeitig wurde deutlich, wie automatisiert der Griff zum Smartphone bereits war.

Ab der zweiten Woche veränderte sich die Wahrnehmung. Viele berichteten von besserem Schlaf, längeren Gesprächen, lebendigeren Pausen und einer höheren Konzentration im Unterricht. Besonders eindrucksvoll waren die Rückmeldungen zur sozialen Dynamik. Wenn eine gesamte Klasse teilnimmt, entsteht kein Außenseitergefühl. Der Verzicht wird zu einer gemeinsamen Erfahrung, die Zusammenhalt stärkt.

Konflikte mussten wieder direkt ausgetragen werden, Missverständnisse wurden schneller geklärt und einige Jugendliche beschrieben, dass sie sich selbst wieder stärker wahrgenommen fühlten.

Jetzt können auch deutsche Klassen teilnehmen

Nach dem großen Echo in Österreich wird das Handyexperiment erneut breit ausgerollt. Schulen, Klassen und einzelne Jugendliche aus dem gesamten DACH-Raum können teilnehmen. Auch deutsche Klassen sind ausdrücklich eingeladen, sich vor Ostern anzuschließen.

Alle Informationen, Materialien und die Möglichkeit zur Anmeldung finden sich auf der offiziellen Projektseite:
https://www.handyexperiment.at/

Wer an der wissenschaftlichen Begleitung teilnehmen möchte, sollte sich bis zum 24. Februar anmelden. Die Teilnahme am Experiment selbst ist darüber hinaus ebenfalls möglich. Start des Experiments ist der 4. März 2026.

Warum Medienzeit dieses Projekt unterstützt

Bei Medienzeit erleben wir täglich, wie stark Smartphones den Alltag von Kindern und Jugendlichen prägen. Diskussionen über Bildschirmzeit führen häufig zu Konflikten. Klassenchats laufen bis spät in den Abend, und viele Eltern haben das Gefühl, dass das Smartphone zu viel Raum einnimmt.

Das Handyexperiment bietet einen anderen Ansatz. Es setzt nicht auf Druck, sondern auf gemeinsame Erfahrung. Es schafft einen klar definierten Zeitraum, in dem Jugendliche selbst erleben können, welche Rolle das Smartphone in ihrem Leben spielt.

Wir haben das ursprüngliche Projekt bereits ausführlich unter dem Titel „21 Tage ohne Smartphone. Was passiert, wenn Jugendliche wirklich offline gehen?“ vorgestellt. Das aktuelle Experiment knüpft an diese Erfahrungen an und öffnet den Raum nun für weitere Klassen und Schulen.

Das zentrale Anliegen bleibt dabei unverändert: Nicht ideologisch zu diskutieren, sondern ehrlich zu fragen, was digitale Dauerpräsenz mit jungen Menschen macht und wie viel Raum sie im Alltag einnehmen sollte.

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