Schule gegen Kinder: Zwischen Leistungsdruck, KI und verlorenen Schutzräumen
Bild: Sebastian Heun
Silke Müller begleitet Medienzeit schon länger. Nicht als externe Expertin aus dem Elfenbeinturm, sondern als jemand, der viele Jahre mitten im System stand. Sechzehn Jahre lang war sie Schulleiterin in Niedersachsen. Sie kennt Schule nicht aus Konzeptpapieren oder politischen Debatten, sondern aus Klassenzimmern, Elterngesprächen, Lehrerkonferenzen und aus den leisen Momenten, in denen Kinder zeigen, dass etwas zu viel geworden ist. Seit 2021 ist sie Digitalbotschafterin ihres Bundeslandes. Vor allem aber ist sie eine der wenigen Stimmen, die offen darüber sprechen, was Kinder, Lehrkräfte und Eltern im Schulalltag tatsächlich erleben.
Mit ihrem ersten Buch “Wir verlieren unsere Kinder” traf Silke Müller einen Nerv. Für viele Eltern war es ein Augenöffner, weil es benannte, was lange verdrängt wurde. Wie sehr Schule, Digitalisierung, gesellschaftlicher Druck und permanente Bewertung an Kindern zerren. Wie normal Überforderung geworden ist. Und wie gefährlich es ist, diese Entwicklung als vorübergehende Phase abzutun. Bei Medienzeit haben wir diesen Blick früh aufgegriffen, weil er das sichtbar machte, was viele Eltern spüren, aber kaum einordnen können.
Mit “Wer schützt unsere Kinder?” führte Silke Müller diese Perspektive konsequent weiter. Der Fokus lag auf künstlicher Intelligenz und der Frage, wie Aufwachsen gelingt, wenn Chatbots, Avatare und algorithmische Systeme zu alltäglichen Begleitern werden. Kinder sprechen heute mit Maschinen, holen sich Rat, Bestätigung und Trost von Systemen, die Nähe simulieren, aber keine Verantwortung tragen. Silke Müller machte deutlich, dass KI kein Zukunftsthema ist, sondern längst Teil des Familienalltags. Und dass genau hier neue Schutzfragen entstehen, auf die Schule und Gesellschaft bislang kaum Antworten haben.
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Nun legt sie nach: Schule gegen Kinder
Am 2. Februar 2026 erscheint ihr neues Buch Schule gegen Kinder* im Droemer Verlag. Es ist ihr bisher deutlichstes Buch. Diesmal geht es nicht um einzelne Missstände oder Symptome, sondern um das große Ganze. Um ein Bildungssystem, das strukturell gegen die Bedürfnisse von Kindern arbeitet und sie dabei oft selbst aus dem Blick verliert.
Silke Müller beschreibt Schule als ein System, das historisch für ganz andere Anforderungen gebaut wurde und heute immer stärker mit der Lebensrealität von Kindern kollidiert. Starre Abläufe, frühe Selektion, ein Leistungsverständnis, das Vergleichbarkeit über Entwicklung stellt, und eine Bildungspolitik, die digitale und psychische Krisen zwar benennt, ihnen aber nicht entschlossen begegnet. Schule wird so für viele Kinder nicht mehr zum Schutzraum, sondern zu einem zusätzlichen Belastungsfaktor. Leistungsdruck, Angst vor dem Scheitern und permanente Bewertung prägen den Alltag, während Unterstützung oft zu spät oder gar nicht ankommt.
Besonders eindrücklich ist, wie Silke Müller die Verbindung zwischen Schule, Digitalisierung und psychischer Gesundheit herausarbeitet. Sinkende Grundkompetenzen, steigender Druck und der unreflektierte Einsatz digitaler Technologien sind für sie keine getrennten Probleme. Sie verstärken sich gegenseitig. Kinder sollen funktionieren in einem System, das sich kaum an ihre Entwicklungsrealität anpasst. Gleichzeitig verändern KI und digitale Werkzeuge das Lernen grundlegend, ohne dass Schule strukturell darauf vorbereitet ist. Wissen wird jederzeit verfügbar, während Orientierung, Beziehung und kritisches Denken zu kurz kommen.
Dabei bleibt Silke Müller nicht bei der Analyse stehen. Sie formuliert klare Forderungen und eine klare Haltung. Eltern müssen stärker einbezogen werden. Digitale Strukturen brauchen Verlässlichkeit und professionelle Betreuung. Lernen muss sich an Kompetenzen und Lebenswirklichkeit orientieren, nicht an überholten Routinen. Schule darf Kinder nicht weiter an ein System anpassen, das sie überfordert, sondern muss sich selbst verändern.
Warum das zu “Medienzeit” gehört, liegt auf der Hand. Wir beschäftigen uns mit den digitalen, psychischen und gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen Kinder heute aufwachsen. Schule ist dabei kein Nebenschauplatz. Sie ist einer der zentralen Orte, an denen sich entscheidet, ob Kinder Orientierung, Sicherheit und Entwicklung erleben oder zusätzlichen Druck und Überforderung.
Silke Müller bringt genau diese Perspektive ein. Sie spricht über Strukturen statt über Schuld. Sie benennt politische Versäumnisse, ohne Kinder oder Eltern an den Pranger zu stellen. Ihre Texte sind unbequem, weil sie Verantwortung einfordern und vertraute Erzählungen infrage stellen. Gerade deshalb sind sie wichtig.
Wir werden ihre Arbeit weiter begleiten. Mit Einordnung, mit Diskussion und mit Raum für Debatte. Denn wer über Medienzeit spricht, muss über Schule sprechen. Und über die Frage, für wen dieses System eigentlich gemacht ist.
Mehr über Silke
Hier gehts zur Vorstellung von Silke Müller auf Medienzeit: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/silke-mueller-wir-verlieren-unsere-kinder
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