Dänemark auf dem Weg zu einem der strengsten Social-Media-Gesetze für Kinder
Dänemark steht kurz davor, eines der strengsten Social-Media-Gesetze für Kinder in Europa einzuführen. In den vergangenen Monaten wurde international viel über europäische Social-Media-Verbote berichtet. Besonders häufig fiel dabei der Name Dänemark.
Bild generiert mit Hilfe von KI (Gemini, Google)
Der aktuelle Stand in Dänemark
Dänemark hat derzeit kein bereits geltendes Social-Media-Verbot. Es gibt also aktuell kein Gesetz, das Kindern oder Jugendlichen den Zugang zu Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat bereits untersagt.
Was es jedoch gibt, ist eine politische Einigung. Im November 2025 hat die dänische Regierung gemeinsam mit mehreren Parteien vereinbart, ein Gesetz auf den Weg zu bringen, das den Zugang zu sozialen Netzwerken für Kinder unter 15 Jahren grundsätzlich verbieten soll.
Dieses Gesetz befindet sich aktuell im Gesetzgebungsverfahren und soll im Laufe des Jahres 2026 verabschiedet und umgesetzt werden.
Was genau ist geplant?
Nach den bislang bekannten Informationen sieht das geplante Modell Folgendes vor.
Kinder unter 15 Jahren sollen soziale Netzwerke grundsätzlich nicht mehr nutzen dürfen. Für 13 und 14 jährige Kinder soll es eine Ausnahme geben, allerdings nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Eltern. Plattformen sollen stärker in die Pflicht genommen werden, das Alter ihrer Nutzerinnen und Nutzer zu überprüfen und die Einhaltung der Regeln sicherzustellen.
Damit würde Dänemark deutlich über bisherige Selbstverpflichtungen der Plattformen hinausgehen und erstmals eine klare gesetzliche Altersgrenze festlegen.
Warum dieser Schritt?
Die dänische Regierung begründet den Vorstoß mit zunehmenden Sorgen um die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Genannt werden unter anderem steigende Zahlen von Angststörungen, Schlafproblemen, Konzentrationsschwierigkeiten sowie problematische Inhalte und algorithmische Verstärkung.
Bemerkenswert ist dabei der politische Tonfall. In Dänemark wird kaum noch darüber diskutiert, ob soziale Medien problematisch sein könnten. Die Diskussion dreht sich vielmehr darum, wie Kinder effektiv geschützt werden können und welche Verantwortung Staat und Plattformen dabei tragen müssen.
Ein internationaler Trend
Dänemark steht mit diesem Kurs nicht alleine da. Australien hat bereits ein Social Media Mindestalter von 16 Jahren beschlossen. Auch in Großbritannien, Frankreich und anderen Ländern werden gesetzliche Altersgrenzen intensiv diskutiert.
Der Unterschied zu früheren Debatten ist deutlich spürbar. Es geht nicht mehr nur um Medienkompetenz und App Tipps, sondern um verbindliche Regeln und klare Schutzräume für Kinder.
Entwicklungen in Frankreich und Großbritannien
Auch andere europäische Länder verschärfen aktuell ihren Kurs. In Frankreich hat Präsident Macron angekündigt, den Zugang zu sozialen Netzwerken für Kinder unter 15 Jahren deutlich einzuschränken. Plattformen sollen künftig stärker verpflichtet werden, das Alter ihrer Nutzerinnen und Nutzer zu überprüfen. Ziel ist es, Kinder vor problematischen Inhalten, algorithmischem Druck und digitaler Überforderung zu schützen. Der politische Ton ist dabei klarer geworden: Der Schutz von Kindern wird zunehmend als staatliche Verantwortung verstanden, nicht mehr allein als Aufgabe der Eltern.
👉 Mehr Infos: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/frankreich-social-media-unter-15-verbot
In Großbritannien geht die Entwicklung in eine ähnliche Richtung. Dort wird ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige intensiv diskutiert und durch bestehende Regelwerke wie den Online Safety Act bereits vorbereitet. Plattformen stehen unter wachsendem Druck, Risiken für Minderjährige aktiv zu minimieren und altersgerechte Nutzung sicherzustellen. Auch hier zeigt sich ein deutlicher Trend: Weg von freiwilligen Selbstverpflichtungen, hin zu verbindlichen gesetzlichen Leitplanken.
👉 Mehr Infos: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/social-media-verbot-unter-16-grobritannien
Was bedeutet das für Deutschland?
Für deutsche Eltern ist der Blick nach Dänemark vor allem aus einem Grund relevant. Er zeigt, dass politische Regulierung möglich ist, wenn der Schutz von Kindern priorisiert wird.
Während in Deutschland weiterhin vor allem auf Aufklärung und Eigenverantwortung gesetzt wird, entscheiden sich andere Länder zunehmend für klare gesetzliche Leitplanken. Die Frage ist nicht mehr, ob Kinder Schutz brauchen, sondern wie lange man noch zögert, ihn umzusetzen.
Fazit
Dänemark hat aktuell noch kein Social-Media-Verbot. Aber das Land steht kurz davor, eines der strengsten Jugendschutzgesetze Europas einzuführen. Sollte das Gesetz wie geplant verabschiedet werden, wäre es ein weiterer deutlicher Schritt weg von freiwilligen Plattform-Regeln hin zu echter Verantwortung.
Für Eltern ist das ein wichtiges Signal. Die Debatte verschiebt sich. Und sie wird sich auch hierzulande weiter zuspitzen.