Und jetzt Österreich: Geplantes Social-Media-Verbot unter 14 Jahren
Österreich will einen neuen Weg im digitalen Kinderschutz einschlagen. Nach Australien, Frankreich und Großbritannien kündigt nun auch die österreichische Bundesregierung an, Social Media für Kinder unter 14 Jahren verbieten zu wollen. Ziel ist es, junge Menschen besser vor den bekannten Risiken sozialer Netzwerke zu schützen und die Verantwortung klar bei den Plattformen zu verorten.
Digitalstaatssekretär Alexander Pröll erklärte im Ö1-Morgenjournal, dass das Verbot möglichst noch in diesem Jahr, idealerweise mit Beginn des neuen Schuljahres, in Kraft treten soll. Die Koalitionspartner SPÖ und NEOS stimmen dem Ziel grundsätzlich zu, diskutieren jedoch noch über Umsetzung und Zeitplan.
Bild generiert mit Hilfe von KI (ChatGPT/DALL·E, OpenAI)
Wo Österreich aktuell steht
Wichtig für Eltern ist eine klare Einordnung. In Österreich gibt es derzeit noch kein beschlossenes Gesetz und noch keinen finalen Gesetzesentwurf. Was es jedoch gibt, ist ein klar formulierter politischer Wille und ein ambitionierter Zeitrahmen.
In einem ersten Schritt sollen Fachleute unter Einbindung aller Parteien an einem konkreten Umsetzungsmodell arbeiten. Erst danach folgen Gesetzesentwurf, Begutachtung und parlamentarische Beschlussfassung. Österreich befindet sich damit nicht mehr in einer reinen Grundsatzdebatte, ist aber auch noch nicht am Ziel.
Umsetzung und Datenschutz sorgen für Diskussionen
Alexander Pröll orientiert sich offen am australischen Modell. Dort liegt die Verantwortung bei den Plattformen selbst. Sie müssen sicherstellen, dass Minderjährige keinen Zugang erhalten. Bei schweren oder wiederholten Verstößen drohen empfindliche Geldstrafen.
In Australien kommen unterschiedliche Verfahren zur Altersfeststellung zum Einsatz, darunter Ausweisdokumente, technische Prüfungen und die Analyse des Nutzungsverhaltens. Genau dieser Punkt sorgt in Österreich für Kritik. Die NEOS warnen vor zusätzlicher Datensammlung und lehnen biometrische Verfahren ab. Sie setzen auf eine europäische Lösung über eine weiterentwickelte digitale Identität, die jedoch frühestens 2027 verfügbar wäre.
Die politische Debatte dreht sich deshalb weniger um das Ob, sondern um das Wie und das Wann.
Warum die Altersgrenze bei 14 Jahren liegt
Die Altersgrenze ist noch nicht endgültig festgelegt. Pröll spricht sich für 14 Jahre aus, da dieses Alter in Österreich als Grenze der Geschäftsfähigkeit gilt und auch der nationalen Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung entspricht. Auf europäischer Ebene werden Altersgrenzen zwischen 13 und 16 Jahren diskutiert.
Für Eltern ist entscheidend, dass sich der politische Fokus deutlich verschoben hat. Kinder sollen nicht länger ungeschützt in algorithmisch gesteuerten Systemen unterwegs sein, sondern in einer Entwicklungsphase Zeit und Schutzräume erhalten.
Regulierung und Pädagogik gehören zusammen
Klare Regeln sind wichtig. Genauso wichtig ist die pädagogische Begleitung im Alltag. Kinder und Jugendliche brauchen Orientierung, Gespräche und Erfahrungen, um digitale Medien einordnen zu können. Schulen und Familien spielen dabei eine zentrale Rolle.
An dieser Stelle gewinnt das 21-Tage-Handyexperiment von Fabian Scheck besondere Bedeutung. Das Experiment ermöglicht Kindern und Jugendlichen, für 21 Tage bewusst auf das Smartphone zu verzichten und diese Zeit pädagogisch begleitet zu reflektieren.
Schulen, Klassen und Familien berichten von besserem Schlaf, höherer Konzentration, weniger Konflikten und einer veränderten Lernatmosphäre. Entscheidend ist dabei nicht der Verzicht an sich, sondern der gemeinsame Prozess und die Gespräche, die dadurch entstehen.
Wissenschaftliche Begleitung schafft Orientierung
Das 21-Tage-Handyexperiment wird zusätzlich durch eine Universität wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Ziel ist es, die Erfahrungen der teilnehmenden Kinder, Jugendlichen und Lehrkräfte systematisch zu erfassen und fachlich einzuordnen.
Untersucht werden unter anderem Konzentration, Schlafverhalten, Sozialverhalten, Lernklima und subjektives Wohlbefinden. Diese wissenschaftliche Begleitung ist ein zentraler Bestandteil des Projekts, weil sie belastbare Erkenntnisse liefert, die über Einzelbeobachtungen hinausgehen und in schulische sowie bildungspolitische Entscheidungen einfließen können.
Große Beteiligung und viel Potenzial
Wir stehen in engem Austausch mit Fabian Scheck. Aktuell haben sich bereits rund 1.000 Pädagoginnen und Pädagogen für weitere Informationen zum 21-Tage-Handyexperiment angemeldet. Bis Ende Februar werden noch weitere Klassen gesucht, die teilnehmen möchten.
Geht man davon aus, dass hinter jeder Lehrkraft mindestens eine Klasse steht, kann daraus eine sehr große Zahl teilnehmender Kinder und Jugendlicher entstehen. Das Experiment hat damit das Potenzial, viele Schulen gleichzeitig zu erreichen und wichtige Erkenntnisse in größerem Umfang zu gewinnen.
Auch für Deutschland relevant
Während Österreich politisch vorangeht, wird in Deutschland noch zögerlicher diskutiert. Umso wichtiger sind konkrete, niedrigschwellige Projekte, die sofort im Alltag ansetzen. Das 21-Tage-Handyexperiment ist genau so ein Ansatz und soll auch in Deutschland weiter verbreitet werden.
Es bietet Schulen und Familien die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln, Gespräche zu führen und gemeinsam neue Regeln zu entwickeln. Politische Regulierung schafft den Rahmen. Pädagogische Arbeit füllt ihn.
Fazit
Österreich ist auf dem Weg zu einem Social-Media-Verbot unter 14 Jahren. Dieser Schritt setzt notwendige Leitplanken und verlagert Verantwortung dorthin, wo sie hingehört: zu den Plattformen. Er schützt Kinder in einer sensiblen Entwicklungsphase und schafft Zeiträume, in denen Lernen und Reifung möglich bleiben.
Kinder und Jugendliche brauchen Orientierung, Gespräche und Erfahrungen, um digitale Medien einordnen zu können. Pädagogische Konzepte, schulische Begleitung und elterliche Unterstützung sind deshalb ein zentraler Bestandteil wirksamen Kinderschutzes.
Das wissenschaftlich begleitete 21-Tage-Handyexperiment von Fabian Scheck zeigt, wie Regulierung und Pädagogik zusammengehen können. Es schafft Erfahrungsräume, macht Veränderungen sichtbar und liefert Erkenntnisse, die für Schulen, Eltern und Bildungspolitik relevant sind.
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Quellen
ORF.at – Regierung will Social-Media-Verbot unter 14: https://orf.at/stories/3418359/
ORF.at – Ö1-Morgenjournal, Interview Alexander Pröll, 27.01.2026: https://oe1.orf.at/player/20260127/
21-Tage-Handyexperiment: https://www.handyexperiment.at/