Poki Games für Kinder: Wie sicher ist die Spieleplattform?

Poki taucht in Gesprächen mit Kindern oft ganz nebenbei auf. Ein Link wird in der Schule weitergegeben, ein Spiel im Browser geöffnet, und wenige Sekunden später steht eine riesige Auswahl kostenloser Games bereit. Es braucht keine Installation, häufig kein Konto und zunächst auch kein Geld. Genau darin liegt das zentrale Problem. Während Eltern App-Downloads sperren, Altersfreigaben einstellen und neue Installationen bestätigen müssen, können Kinder diese Schutzschritte über den Browser umgehen. Poki lässt sich wie eine Website öffnen und fühlt sich für Kinder trotzdem wie ein riesiger App-Store voller Spiele an.

Die reguläre Seite Poki.com ist jedoch kein geschützter Spielebereich für Kinder. Für Deutschland ist sie laut den aktuell ausgespielten Nutzungsregeln erst ab 16 Jahren vorgesehen. Beim Aufrufen erscheint trotzdem keine wirksame Alterskontrolle. Auch eine Freigabe der Eltern wird nicht verlangt. So können schon Grundschulkinder auf eine Plattform gelangen, die Werbung, Nutzungsdatenerfassung und sehr unterschiedliche Inhalte bündelt, darunter Shooter, Kampfspiele, Zombie-Games und Mehrspielerangebote.

Poki prüft nach eigenen Angaben Spiele und Werbung, begrenzt freie Chats und bietet mit Poki Kids einen eigenen Bereich für jüngere Kinder an. Das ändert nichts an der Sicherheitslücke der normalen Seite. Eltern sollten Poki.com deshalb nicht als harmlose Sammlung kleiner Browsergames betrachten, sondern als eigenständige Spieleplattform, die bei den Schutzvorkehrungen auf Kindergeräten ausdrücklich berücksichtigt werden muss.

Ein Junge spielt an einem Laptop mit einer Auswahl bunter Browsergames, während seine Mutter aufmerksam auf den Bildschirm schaut.

Bild generiert mit Hilfe von KI (ChatGPT/DALL·E, OpenAI)

Was ist Poki?

Poki ist eine browserbasierte Spieleplattform des niederländischen Unternehmens Poki B.V. Nach eigenen Angaben stehen dort rund 1.700 Spiele bereit, die monatlich von mehr als 100 Millionen Menschen genutzt werden. Die Games laufen direkt im Browser auf Computer, Tablet oder Smartphone. Ein Download ist normalerweise nicht erforderlich.

Zur Auswahl gehören Geschicklichkeits-, Renn-, Puzzle-, Sport-, Action-, Anzieh- und Mehrspieler-Spiele. Bekannte Titel wie Subway Surfers sind dort ebenso zu finden wie kleine Games unabhängiger Studios. Poki gibt an, direkt mit den Entwicklerinnen und Entwicklern zusammenzuarbeiten und die angebotenen Spiele lizenziert zu veröffentlichen.

Der schnelle Einstieg ist der entscheidende Unterschied zu klassischen Spiele-Apps. Kinder müssen keinen App-Store öffnen, keine Installation anfragen und kein Elternpasswort eingeben. Altersbeschränkungen und Kaufgenehmigungen, die Familien bei Apple oder Google eingerichtet haben, kontrollieren den Zugriff auf eine frei erreichbare Website nicht automatisch. Ein Kind kann deshalb den Eindruck vermitteln, es habe keine neuen Spiele installiert, und trotzdem jeden Tag neue Games nutzen.

Das kann bewusst zum Austricksen der Eltern genutzt werden. Wenn bestimmte Spiele oder App-Downloads verboten sind, reicht mitunter eine Suche im Browser, ein Link aus dem Klassenchat oder die Eingabe von Poki.com. Im App-Menü taucht danach keine neue Installation auf. Je nach Gerät erscheint die Nutzung lediglich im Browserverlauf oder in der Bildschirmzeit des Browsers, wo sie zwischen Hausaufgaben, Suchanfragen und anderen Websites kaum auffällt. Medienzeit hat dieses Problem bereits im Artikel über den Browser als unterschätzte Sicherheitslücke beschrieben.

Zusätzlich können Kinder Poki oder einzelne Browsergames als Symbol auf dem Startbildschirm speichern. Auf iPhone und iPad lässt sich eine Website über „Zum Home-Bildschirm“ sogar so öffnen, dass sie sich beinahe wie eine eigenständige App verhält. Auch Chrome auf Android bietet Website-Verknüpfungen und installierbare Web-Apps an. Das Symbol sieht anschließend wie eine gewöhnliche Spiele-App aus, obwohl kein klassischer Download über den App Store stattgefunden hat und deshalb auch keine übliche Installationsfreigabe der Eltern erforderlich war. Eltern sollten auf Kindergeräten daher auch die Symbole auf dem Startbildschirm prüfen und nicht allein die Liste der installierten Store-Apps.


Warum Poki Kinder so stark anspricht

Die Startseite zeigt zahlreiche farbige Vorschaubilder und schlägt fortlaufend weitere Spiele vor. Wenn ein Game langweilig wird oder zu schwierig ist, wartet direkt das nächste. Es entsteht kein natürlicher Endpunkt wie bei einem Brettspiel, einem Film oder einem gekauften Spiel mit überschaubarem Umfang.

Ein Kind öffnet auf seinem Smartphone eine Browsergame-Plattform mit einer großen Auswahl farbiger Spiele.

Bild generiert mit Hilfe von KI (ChatGPT/DALL·E, OpenAI)

Hinzu kommen bekannte Mechanismen aus mobilen Games. Manche Spiele arbeiten mit kurzen Runden, Punkten, Ranglisten, freischaltbaren Figuren, täglichen Aufgaben oder schnellen Belohnungen. Diese Elemente sind nicht in jedem Spiel gleich ausgeprägt und werden teilweise von den jeweiligen Studios gestaltet. Für Kinder kann die große Auswahl trotzdem dazu führen, dass aus einer vereinbarten Runde eine lange Folge verschiedener Spiele wird.

Dass Poki kostenlos und ohne Anmeldung funktioniert, verstärkt den Reiz. Kinder brauchen weder Taschengeld noch die Zugangsdaten der Eltern. Auch auf schulischen Geräten lässt sich die Seite technisch leicht öffnen, sofern sie nicht im Netzwerk gesperrt ist. Poki weist in seiner FAQ selbst darauf hin, dass einige Schulnetzwerke die Plattform blockieren, damit Schülerinnen und Schüler sich auf den Unterricht konzentrieren können.

Kinder entdecken Poki zudem häufig über YouTube-Videos, YouTube Shorts, TikTok, Mitschülerinnen und Mitschüler oder automatisch ergänzte Suchbegriffe. Gaming-Videos zeigen einzelne Browsergames und führen über den Namen des Spiels oder einen geteilten Link direkt zur Plattform. Der App Store und seine Altersfreigaben spielen auf diesem Weg überhaupt keine Rolle.


Ab welchem Alter ist Poki erlaubt?

Für Familien in Deutschland ist die Antwort aktuell eindeutig. Die reguläre Website Poki.com richtet sich laut den regional ausgespielten Nutzungsregeln an Personen ab 16 Jahren. Wer jünger ist, soll die Seite nicht verwenden. Für Kinder unter 16 verweist das Unternehmen auf Poki Kids. Die Altersregel steht im Poki Privacy Center.

Diese Altersgrenze ist keine pädagogische Altersempfehlung für jedes einzelne Spiel. Sie bezieht sich auf die Nutzung der Plattform und die jeweils geltenden Regeln zur Datenverarbeitung. Ein Spiel auf Poki kann inhaltlich für ein Grundschulkind ungeeignet sein, obwohl die Plattform ohne sichtbare Hürde erreichbar ist. Umgekehrt wird ein einfaches Puzzle nicht automatisch problematisch, nur weil es auf Poki.com angeboten wird.

Eine wirksame Altersprüfung findet beim bloßen Aufrufen der normalen Website nicht statt. Es wird weder ein Ausweis geprüft noch das Alter über ein Elternkonto bestätigt. Kinder können die Seite daher praktisch auch unter 16 nutzen, obwohl Poki selbst erklärt, dass sie für diese Altersgruppe nicht gedacht ist. Eine Altersangabe in den Nutzungsregeln schützt kein Kind, wenn der Zugang technisch offenbleibt und die Regel auf der Startseite kaum sichtbar ist.


Was ist Poki Kids?

Poki Kids ist eine separate, kuratierte Spieleauswahl für jüngere Spielerinnen und Spieler. Poki bezeichnet sie als kindgerechten und sicheren Bereich. Der wichtigste Unterschied zur Hauptplattform liegt in der Werbung. Poki Kids ist nach Unternehmensangaben werbefrei. Auch die externe Zertifizierungsseite kidSAFE führt Poki Kids als speziell für junge Spieler geschaffene Plattform.

Für Eltern ist diese Trennung hilfreich, sie ersetzt aber keine gemeinsame Auswahl. Auch ein werbefreies Spiel kann hektisch, frustrierend oder für ein bestimmtes Kind schwer zu beenden sein. Zudem sagt die Zugehörigkeit zu Poki Kids wenig darüber aus, wie viel Bildschirmzeit für Alter, Alltag und Entwicklung des Kindes sinnvoll ist.

Wer einem jüngeren Kind Poki erlauben möchte, sollte daher den direkten Zugang zu Poki Kids speichern und die normale Poki-Seite möglichst sperren. Ein Lesezeichen allein reicht nicht, wenn das Kind über Suchmaschinen oder geteilte Links wieder auf Poki.com gelangen kann.

Wichtig ist, dass Poki.com ein Kind nicht automatisch zu Poki Kids weiterleitet. Auch auf einem Gerät mit Kinderkonto kann die normale Plattform direkt geöffnet werden. Poki erkennt beim bloßen Seitenaufruf nicht zuverlässig, wer vor dem Bildschirm sitzt, und verknüpft den Zugang nicht mit den Kinderkonten von Apple oder Google. Aus Kinderschutzsicht wäre eine wirksamere altersabhängige Zugangslösung sinnvoll. Solange sie fehlt, müssen Eltern Poki.com selbst sperren und Poki Kids getrennt freigeben.


Warum Poki kein sicherer App-Marktplatz für Kinder ist

Poki wirkt durch seine vielen Spiele, Kategorien und Empfehlungen wie ein App-Marktplatz. Eltern dürfen daraus aber nicht ableiten, dass jedes Spiel eine vergleichbare Prüfung und eine gut sichtbare Alterskennzeichnung durchlaufen hat. Bei Apps sehen Familien im Store in der Regel eine Altersfreigabe, Angaben zu Datenschutz und Käufen und können Installationen über ein Elternkonto genehmigen. Auf Poki startet das Spiel direkt im Browser. Eine elterliche Einzelfreigabe ist nicht vorgesehen.

Ein Junge spielt Browsergames auf einem Laptop, während sein Vater die Nutzung im Hintergrund bemerkt.

Bild generiert mit Hilfe von KI (ChatGPT/DALL·E, OpenAI)

Hinzu kommt, dass die Plattform Inhalte sehr unterschiedlicher Entwickler bündelt. Poki erklärt zwar, die Games vor der Veröffentlichung zu prüfen und direkt mit Studios zusammenzuarbeiten. Für Eltern ist bei den Vorschaubildern und Spielseiten jedoch oft nicht auf den ersten Blick erkennbar, nach welchen Kriterien ein konkretes Spiel pädagogisch bewertet wurde, für welches Alter es geeignet ist und welche Mechanismen darin stecken. Eine bunte Grafik oder die Platzierung auf einer bekannten Plattform ersetzt keine belastbare Altersempfehlung.

Auch der Wechsel zu Drittanbietern bleibt relevant. Poki weist in seinen Regeln darauf hin, dass Links und Werbung zu anderen Websites führen können und für deren Inhalte, Produkte und Datenschutzpraktiken andere Anbieter verantwortlich sind. Sobald ein Kind die Poki-Umgebung verlässt, gelten deren Regeln. Die vertraut wirkende Startplattform kann deshalb nicht mit einem abgeschlossenen Schutzraum gleichgesetzt werden.


Werbung auf Poki

Poki.com finanziert sich über Werbung. Das Unternehmen bietet keine kostenpflichtige, werbefreie Variante der normalen Plattform an. Werbung könne nach eigener Darstellung nicht grundsätzlich blockiert oder übersprungen werden, weil sie den kostenlosen Zugang und die Vergütung der Spieleentwickler finanziert. Die werbefreie Alternative für jüngere Kinder sei Poki Kids.

Poki erklärt, dass sein Team Spiele und Anzeigen prüfe. Trotzdem bleibt Werbung in einem von Kindern genutzten Spielraum problematisch. Jüngere Kinder erkennen häufig nicht zuverlässig, wo das Spiel endet und eine Werbebotschaft beginnt. Bewegte Anzeigen, Belohnungswerbung oder auffällige Schaltflächen können zu Klicks verleiten und den Wechsel zwischen Spielen zusätzlich beschleunigen.

Eltern sollten außerdem die Cookie-Einstellungen beachten. Poki beschreibt sowohl kontextbezogene Werbung, die etwa zum Umfeld oder zum ausgewählten Spiel passt, als auch personalisierte Werbung, die auf früheren Aktivitäten beruhen kann. Welche Variante eingesetzt wird, hängt nach Angaben des Unternehmens von Region, Einwilligung und den dort geltenden Datenschutzregeln ab. Poki erläutert die Datenverarbeitung und seine Werbepartner im Privacy Center.


Welche Daten verarbeitet Poki?

Die meisten Spiele lassen sich ohne Konto nutzen. Poki erklärt, beim Besuch unter anderem IP-Adresse, Session- und Player-ID, Gerätetyp, Bildschirmgröße, Browser, Land sowie weitere technische Nutzungsinformationen zu verarbeiten. Ohne Konto werde der Spielstand häufig lokal im Browser gespeichert.

Optional kann ein Poki-Konto erstellt werden, um Fortschritte über mehrere Geräte hinweg zu speichern. Dann verarbeitet Poki zusätzliche Informationen zu gespielten Games, Fortschritten, freigeschalteten Gegenständen, Statistiken und selbst erstellten Inhalten. Die Anmeldung ist laut FAQ unter anderem über Apple, Google, Microsoft oder einen Passkey möglich.

Bei der Datenschutzbewertung lohnt sich ein differenzierter Blick. Die Kinderschutzorganisation 5Rights kritisierte 2023 die damalige britische Poki-Version unter anderem wegen standardmäßigen Trackings, Datenweitergaben und manipulativer Datenschutzeinstellungen. Nach einer rechtlichen Intervention stellte Poki den britischen Dienst umfassend um. Laut 5Rights wurden die Voreinstellungen datenschutzfreundlicher, Cookies beschränkt, profilbasierte Werbung durch kontextbezogene Anzeigen ersetzt und die präzise Standortverfolgung beendet. 5Rights dokumentiert den Vorgang als Fallstudie.

Diese Änderungen zeigen, dass Regulierung Plattformen zu besseren Schutzmaßnahmen bewegen kann. Sie bedeuten aber nicht, dass Eltern Cookie-Einstellungen und regionale Unterschiede ignorieren sollten. Poki weist selbst darauf hin, dass die ausgespielte Fassung anhand der IP-Adresse bestimmt wird und ein VPN zu abweichenden Regeln führen kann.


Gibt es Kosten oder In-App-Käufe?

Die Nutzung von Poki und die dort angebotenen Spiele ist nach Angaben des Unternehmens kostenlos. Für die reguläre Website gibt es kein Bezahlabo. Das Geschäftsmodell basiert hauptsächlich auf Werbung.

Bei direkt auf Poki gehosteten Spielen verlangt die Plattform nach eigener Darstellung von den Entwicklern grundsätzlich, externe Links, Eigenwerbung und Verweise auf App-Stores zu entfernen. Poki räumt zugleich ein, dass einzelne Spiele auf den Websites externer Anbieter gehostet werden können. In diesem Fall soll ein Hinweis erscheinen, bevor Nutzerinnen und Nutzer die Drittseite aufrufen. Ab diesem Wechsel gelten die Datenschutzregeln des anderen Anbieters.

Eltern sollten deshalb nicht allein auf den Satz „kostenlos spielen“ vertrauen. Relevant ist, ob ein Kind die Poki-Umgebung verlässt, ob im Spiel Werbung erscheint oder ob später eine App-Version mit Käufen angeboten wird. Zahlungsdaten sollten auf Kindergeräten grundsätzlich geschützt sein, auch wenn Poki selbst zunächst keine Zahlung verlangt.


Sind alle Poki-Spiele für Kinder geeignet?

Nein. Die Plattform bündelt Games sehr unterschiedlicher Art. Neben harmlosen Puzzle- und Kreativspielen finden sich Actionspiele, Shooter, Zombie-Spiele, Kampfspiele und Mehrspieler-Angebote. So beschreibt Poki etwa „Raft Wars Multiplayer“ als Schießspiel gegen Online-Gegner. In „Vectaria.io“ können Spieler kämpfen und online mit anderen Personen zusammenspielen. Andere Titel zeigen gruselige Szenen oder cartoonartige Gewalt.

Einzelne Spiele verfügen außerdem über eingeschränkte Kontaktmöglichkeiten. Wie diese funktionieren und ob Fremde ein Kind ansprechen können, erklären wir im folgenden Abschnitt.

Wichtig ist zudem, Altersgrenze und Inhaltsbewertung auseinanderzuhalten. Browsergames tragen häufig keine für Eltern sofort sichtbare USK-Kennzeichnung wie verpackte Konsolenspiele. Die bunte Gestaltung ist ebenfalls kein verlässliches Signal. Comicgrafik kann Gewalt, Angstinhalte oder starke Bindungsmechanismen lediglich freundlicher aussehen lassen.


Gibt es auf Poki einen Chat und können Fremde Kontakt aufnehmen?

Die meisten Spiele auf Poki besitzen nach Angaben des Unternehmens keine Chatfunktion. Poki untersagt seinen Spieleentwicklern grundsätzlich frei zugängliche Chats, weil darüber unangemessene Sprache, Mobbing und andere problematische Kontakte entstehen können. Einzelne Mehrspieler-Spiele verwenden jedoch den sogenannten „Poki Safe Chat“ oder das Moderationssystem „Poki Guardian“.

Beim Safe Chat können Spielerinnen und Spieler nicht frei schreiben. Sie wählen aus vorgegebenen Nachrichten aus. Dadurch sollen Beleidigungen, sexuelle Ansprachen, Telefonnummern, Nutzernamen anderer Plattformen und andere persönliche Angaben verhindert werden. Ein fremder Spieler kann ein Kind innerhalb eines solchen Games trotzdem ansprechen, allerdings nur mit den freigegebenen Formulierungen. Ein privater freier Austausch wie bei Roblox, Discord oder einem offenen In-Game-Chat ist nach Pokis Darstellung nicht vorgesehen. Poki erklärt die Chatfunktionen in seiner FAQ.

Für Eltern bedeutet das, dass das Kontaktrisiko geringer ist als bei Spielen mit freiem Text- oder Sprachchat, aber nicht vollständig verschwindet. Kinder begegnen in Mehrspieler-Games weiterhin unbekannten Personen, können deren Verhalten erleben und über vorgegebene Nachrichten mit ihnen interagieren. Zudem können Funktionen und Spieleangebote verändert werden. Eltern sollten deshalb bei jedem Mehrspieler-Spiel prüfen, ob ein Chat-Symbol erscheint, welche Nachrichten möglich sind und ob ein Kind überhaupt online mit Fremden spielen soll.


Andere Browsergame-Seiten können noch riskanter sein

Poki ist nur eines von zahlreichen Spieleportalen, die sich direkt im Browser öffnen lassen. Wer einem Kind allgemein erlaubt, nach kostenlosen Browsergames zu suchen, gibt damit nicht automatisch nur Poki frei. Über Suchmaschinen, Werbung, Empfehlungen innerhalb eines Spiels oder Links aus Klassenchats gelangen Kinder schnell zu anderen Seiten, die ähnlich bunt und professionell aussehen. Für sie gelten die Schutzmaßnahmen und Regeln von Poki jedoch nicht.

Einige dieser Portale nennen weder eine klare Altersgrenze noch nachvollziehbare Kriterien für die Auswahl ihrer Spiele. Werbung kann schwer vom eigentlichen Game zu unterscheiden sein, Schaltflächen können zu Downloads oder anderen Websites führen und Pop-ups können ungeeignete Angebote öffnen. Hinzu kommen mögliches Tracking, Kostenfallen, frei zugängliche Chats, unmoderierte Mehrspielerbereiche und Spiele mit Gewalt- oder Gruselinhalten. Auch gefälschte Downloadbuttons und irreführende Hinweise wie „Jetzt aktualisieren“ oder „Du hast gewonnen“ können Kinder zu einem Klick verleiten. Das Internet-ABC weist darauf hin, dass Werbung in Online-Spielen oft unauffällig und nicht unbedingt kindgerecht ist. Klicksafe empfiehlt Eltern deshalb, Inhalte, Altersangaben, Nutzungsregeln und Sicherheitseinstellungen jedes Spiels einzeln zu prüfen.

Poki kann dadurch eine Tür zu einer sehr viel unübersichtlicheren Welt von Browsergames öffnen. Wenn Eltern die Plattform freigeben, Kinder aber zugleich selbstständig nach ähnlichen Spielen suchen dürfen, bleibt die eigentliche Browserlücke bestehen. Eine Erlaubnis sollte sich deshalb immer auf eine konkrete Website und möglichst auf einzelne gemeinsam geprüfte Spiele beziehen. Sicherer ist eine Positivliste mit ausdrücklich erlaubten Seiten, während andere Spieleportale zunächst gesperrt bleiben.

Gerade bei jüngeren Kindern ist diese Unterscheidung wichtig. „Du darfst Poki spielen“ sollte nicht als „Du darfst kostenlose Spiele im Internet suchen“ verstanden werden. Eltern sollten die vereinbarte Adresse speichern, Suchmaschinenzugriffe und neue Links begleiten und regelmäßig kontrollieren, ob das Kind auf weitere Portale gewechselt ist.


Wie sicher ist Poki im Vergleich zu anderen Spielewebseiten?

Poki ist professioneller organisiert als völlig unübersichtliche Spieleportale. Spiele werden nach eigener Darstellung geprüft und lizenziert, Downloads sind normalerweise nicht nötig, freie Chats sind selten, und für jüngere Kinder gibt es einen werbefreien Bereich. Dadurch fallen einige Risiken geringer aus als auf unbekannten Browsergame-Seiten.

Für Kinder wird Poki.com dadurch dennoch nicht zu einer sicheren Plattform. Die normale Seite ist laut ihren eigenen Regeln erst ab 16 Jahren vorgesehen, kontrolliert dieses Alter beim Einstieg aber nicht. Sie umgeht leicht die Schutzlogik der App-Stores, finanziert sich über Werbung, verarbeitet Nutzungsdaten und führt Spiele mit sehr unterschiedlichen Inhalten zusammen. Eltern erhalten vor dem Start weder eine Installationsanfrage noch eine verlässliche, sofort sichtbare Altersbewertung für jedes Spiel.

Gerade die Kombination aus großer Bekanntheit, kindlich wirkender Oberfläche und nahezu reibungslosem Zugang kann ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen. Unsere Warnung bezieht sich deshalb vor allem auf Poki.com und den unbeaufsichtigten Zugang. Für Kinder unter 16 sollte die normale Plattform gesperrt sein. Wenn Familien Browsergames zulassen möchten, sollten sie einzelne Angebote bewusst auswählen und den Browser genauso absichern wie den App-Store.

Eine Mutter richtet auf ihrem Smartphone eine Kindersicherung ein, während ihr Sohn ein Schul-Tablet verwendet.

Bild generiert mit Hilfe von KI (ChatGPT/DALL·E, OpenAI)

Was Eltern konkret tun können

  1. Prüft zuerst, welche Adresse euer Kind tatsächlich nutzt. Fragt nicht nur nach installierten Spiele-Apps, sondern ausdrücklich nach Browsergames und Poki. Für Kinder unter 16 ist Poki Kids die vom Anbieter vorgesehene Variante, nicht Poki.com.

  2. Öffnet die Plattform und einzelne Spiele einmal gemeinsam. Achtet auf Werbung, Chatfunktionen, Gewalt, Gruselinhalte und externe Weiterleitungen.

  3. Sperrt Poki.com bei jüngeren Kindern über Kindersicherung, DNS-Filter oder Routereinstellungen. Ein Lesezeichen zu Poki Kids genügt nicht, weil die normale Seite über Suchmaschinen und geteilte Links weiterhin erreichbar bleibt.

  4. Vereinbart eine konkrete Spielzeit oder Zahl von Runden. Bei einer Plattform mit ständig neuen Vorschlägen ist „nur noch ein Spiel“ keine verlässliche Grenze.

  5. Lasst Kinder nicht wahllos zwischen Games oder verschiedenen Spieleportalen wechseln. Eine kleine Positivliste mit gemeinsam geprüften Spielen und Websites ist überschaubarer als die freie Suche nach Browsergames.

  6. Prüft die Cookie-Einstellungen und lehnt personalisierte Werbung ab, soweit sie angeboten wird. Verwendet für Kinder möglichst kein Poki-Konto, wenn das Speichern über mehrere Geräte nicht benötigt wird.

  7. Schützt App-Stores und Zahlungsmittel mit einem Elternpasswort, verlasst euch aber nicht allein darauf. Prüft zusätzlich die Browserfreigaben, Webfilter, Browserverläufe und die Bildschirmzeit des Browsers.

  8. Fragt regelmäßig nach dem Spielerlebnis. Wenn ein Kind gereizt reagiert, heimlich weiterspielt oder kaum aufhören kann, sollte die Nutzung neu begrenzt oder pausiert werden.


Wie lässt sich Poki sicher sperren?

Eine bloße Absprache oder ein gelöschtes Lesezeichen verhindert den Zugriff nicht. Kinder können Poki erneut über eine Suchmaschine, einen geteilten Link oder den Verlauf eines anderen Browsers öffnen. Wer Poki.com für jüngere Kinder ausschließen möchte, sollte die Domain deshalb technisch sperren. Am zuverlässigsten ist eine Kombination aus Geräteeinstellung und Sperre im Heimnetz.

Eltern sollten außerdem den privaten Modus beziehungsweise den Inkognitomodus berücksichtigen. Beim privaten Surfen werden besuchte Seiten nach dem Schließen der Sitzung normalerweise nicht im regulären Browserverlauf gespeichert. Dadurch kann die Nutzung von Poki bei einer späteren Kontrolle unbemerkt bleiben. Der private Modus umgeht eine korrekt eingerichtete Website- oder DNS-Sperre allerdings nicht automatisch. Entscheidend ist deshalb, dass die Sperre technisch für den gesamten Browser beziehungsweise das Gerät gilt und nicht allein auf der Kontrolle des Browserverlaufs beruht. Bei einem über Family Link verwalteten Google-Konto wird der Inkognitomodus in Chrome automatisch deaktiviert. Auf anderen Geräten und in weiteren Browsern sollten Eltern prüfen, ob privates Surfen weiterhin möglich ist.

Poki auf iPhone und iPad sperren

Auf Apple-Geräten lässt sich eine einzelne Website über die Bildschirmzeit blockieren. Öffnet „Einstellungen“, wählt „Bildschirmzeit“ und anschließend das Profil des Kindes. Unter „Beschränkungen“ werden die Inhalts- und Datenschutzbeschränkungen aktiviert. Danach führt der Weg über „App Store, Medien, Web & Spiele“ zu „Webinhalt“. Wählt dort je nach iOS-Version „Nur jugendfreie Websites“ beziehungsweise „Nicht jugendfreie Websites beschränken“ und tragt unter „Nie erlauben“ die Adressen poki.com und www.poki.com ein. Wenn auch Poki Kids nicht erreichbar sein soll, ergänzt zusätzlich kids.poki.com. Apple beschreibt diese Schritte in seiner deutschsprachigen Anleitung zu Webbeschränkungen.

Die Bildschirmzeit sollte mit einem Code geschützt sein, den das Kind nicht kennt. Prüft anschließend selbst in Safari und in zusätzlich installierten Browsern, ob die Sperre greift. Bei mehreren Apple-Geräten sollte „Geräteübergreifend teilen“ aktiviert beziehungsweise die Einstellung über die Familienfreigabe für das Kinderkonto verwaltet werden.

Poki auf Android und Chromebook sperren

Bei einem verwalteten Kinderkonto kann Poki über Google Family Link blockiert werden. Öffnet Family Link, wählt das Kind und anschließend „Steuerung“, „Google Chrome und Web“ sowie „Websites verwalten“. Unter den blockierten Websites lässt sich poki.com hinzufügen. Google erlaubt sowohl das Sperren einzelner Webadressen als auch ganzer Domains. Für eine umfassende Sperre sollte die Domain und nicht nur eine einzelne Poki-Unterseite eingetragen werden. Die aktuelle Menüführung erläutert Google in seiner Family-Link-Anleitung für Chrome.

Family Link schützt vor allem Chrome und einige Android-Apps, die Webinhalte öffnen. Auf Windows-, Mac- und Linux-Computern können Kinder sich unter Umständen aus dem verwalteten Chrome-Profil abmelden oder einen anderen Browser verwenden. Google weist auf diese Einschränkung ausdrücklich hin. Eltern sollten deshalb alternative Browser begrenzen und die Sperre zusätzlich im Router oder über einen DNS-Dienst einrichten.

Poki im gesamten Heimnetz über Router oder DNS sperren

Eine Netzwerksperre verhindert den Zugriff auf allen Geräten, die mit dem heimischen WLAN verbunden sind. Einige Router bieten dafür bereits eine Kindersicherung oder eine Liste gesperrter Websites. Dort sollte poki.com eingetragen werden. Wenn Platzhalter unterstützt werden, kann zusätzlich *.poki.com blockiert werden, damit auch Unterseiten und Subdomains erfasst werden. kids.poki.com sollte nur gesperrt werden, wenn auch der Kinderbereich nicht genutzt werden darf.

Alternativ können Familien einen filternden DNS-Dienst wie NextDNS oder OpenDNS verwenden. Der Dienst wird im Router als DNS-Server hinterlegt. Im zugehörigen Elternkonto kommt poki.com anschließend auf die Sperrliste. Diese Lösung ist besonders hilfreich, wenn der Router selbst keine Domainfilter anbietet. Die genaue Einrichtung unterscheidet sich je nach Router und Internetanbieter.

Eine DNS-Sperre im Heimnetz wirkt nicht automatisch über mobile Daten oder in einem anderen WLAN. Sie kann außerdem umgangen werden, wenn Kinder VPN-Apps installieren, die DNS-Einstellungen verändern oder einen Browser mit eigenem sicheren DNS verwenden dürfen. Deshalb sollten App-Installationen, VPNs und Änderungen an den Netzwerkeinstellungen ebenfalls durch ein Elternpasswort geschützt sein. Nach jeder Einrichtung sollte die Sperre auf den tatsächlich verwendeten Geräten und in allen installierten Browsern getestet werden.

Eine Besonderheit sind Schul-Tablets und andere verwaltete Geräte. Sie werden häufig über ein Mobile-Device-Management, kurz MDM, durch die Schule oder den Schulträger gesteuert. Die elterliche DNS-Sperre im heimischen Router schützt ein solches Gerät nur, solange es tatsächlich das heimische WLAN und dessen DNS-Einstellungen verwendet. Im Schulnetz, über mobile Daten oder bei abweichenden Gerätekonfigurationen können andere Regeln gelten. Wenn Poki auf einem Schulgerät erreichbar ist, können Eltern die Sperre daher meist nicht selbst zuverlässig einrichten. In diesem Fall sollten sie die Schule bitten, Poki und vergleichbare Spieleportale in den schulischen Webfilter aufzunehmen. Poki weist in seiner eigenen FAQ darauf hin, dass einige Schulnetzwerke die Plattform bereits sperren.


Unser Medienzeit-Fazit

Poki.com ist ein gutes Beispiel dafür, wie Kinder etablierte Schutzvorkehrungen umgehen können, ohne eine App zu installieren oder ein Passwort zu kennen. Die Plattform öffnet im Browser den Zugang zu rund 1.700 Spielen. Eine wirksame Alterskontrolle gibt es beim Einstieg nicht, obwohl die normale Seite in Deutschland laut Pokis eigenen Regeln erst ab 16 Jahren vorgesehen ist. Eltern bekommen keine Installationsanfrage und sehen auf dem Gerät keine neue Spiele-App.

Die bekannte Marke und die professionelle Gestaltung dürfen nicht mit einem sicheren, altersgeprüften App-Marktplatz verwechselt werden. Poki.com enthält Werbung, verarbeitet Nutzungsdaten und führt Puzzle- und Kreativspiele direkt neben Action-, Kampf-, Zombie- und Mehrspielerangeboten. Die Prüfung durch Poki ersetzt weder eine gut sichtbare Altersempfehlung für jedes einzelne Spiel noch die Entscheidung der Eltern.

Unsere Einschätzung ist deshalb klar. Poki.com sollte für Kinder unter 16 nicht freigegeben und auf ihren Geräten möglichst technisch gesperrt werden. Wenn Familien Browsergames zulassen möchten, ist Poki Kids die vom Anbieter vorgesehene Ausgangsbasis für Jüngere. Auch dort bleiben gemeinsame Auswahl und klare Zeiten erforderlich. Vor allem sollten Eltern den Browser in ihre Kindersicherung einbeziehen. Wer nur Apps sperrt, lässt eine Tür offen, durch die Kinder dieselben Regeln mit wenigen Klicks umgehen können.

Diese Tür führt zudem nicht nur zu Poki. Andere Browsergame-Seiten sehen für Kinder ähnlich aus, arbeiten teilweise aber deutlich intransparenter und verfügen über weniger erkennbare Schutzmaßnahmen. Familien sollten deshalb nicht Browsergames pauschal erlauben, sondern konkrete, geprüfte Angebote freigeben und den übrigen Zugriff technisch begrenzen.

Zurück
Zurück

OmeTV für Kinder: Risiken und Gefahren im Videochat

Weiter
Weiter

Bildschirmzeit kommt in die U10. Warum das erst der Anfang sein darf