Nicht über Jugendliche reden, sondern mit ihnen – Simon Schnetzer im Portrait
Simon Schnetzer ist Jugendforscher, Speaker, Autor und Leadership Coach.
Bekannt wurde er vor allem durch seine Jugendstudien und seine Arbeit rund um gesellschaftliche Veränderungen, Generationen und Arbeitswelt. Unternehmen, Schulen, Medien und Organisationen greifen regelmäßig auf seine Einschätzungen zurück, wenn es um die Frage geht, wie junge Menschen heute denken, fühlen, arbeiten und auf die Welt blicken.
Foto: Dietrich Kühne
Simon ist uns bei unserer Arbeit recht schnell aufgefallen. Immer wieder tauchten seine Studien, Einschätzungen und Gedanken dort auf, wo es um junge Menschen, gesellschaftliche Veränderungen, Zukunftsfragen und den Umgang mit digitalen Entwicklungen ging. Besonders auffällig war für uns dabei die Nähe zur Realität. Seine Jugendstudien wirken nicht wie distanzierte Analysen über junge Menschen, sondern wie Arbeit, die nah an ihren Lebenswelten entsteht.
Kennengelernt haben wir uns schließlich über LinkedIn. Erst haben wir geschrieben, dann telefoniert und kurze Zeit später war Simon bei einem unserer Vorträge in Potsdam zu Gast. An diesem Abend wurde ziemlich schnell klar, dass das menschlich und inhaltlich sehr gut zusammenpasst.
Seitdem stehen wir regelmäßig im Austausch und sind ehrlich froh, ihn an unserer Seite zu wissen. Denn Simon Schnetzer gehört zu den Stimmen, die junge Menschen nicht auf Schlagworte reduzieren. Er spricht nicht nur über Generation Z, Generation Alpha oder die „Jugend von heute“, sondern sucht den direkten Blick auf das, was junge Menschen bewegt, belastet, antreibt und hoffen lässt.
Generation Gemeinsam statt Generationenkampf
Simon Schnetzer
Fotograf: Marc-Steffen Unger
Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht eine Idee, die Simon selbst „Generation Gemeinsam“ nennt. Dahinter steckt der Wunsch, Menschen wieder stärker miteinander zu verbinden, statt Generationen gegeneinander auszuspielen.
Gerade in öffentlichen Debatten entsteht oft der Eindruck, als würden Generationen nur noch übereinander sprechen. Junge Menschen gelten schnell als überfordert, faul, zu empfindlich oder digital abhängig. Gleichzeitig fühlen sich viele Jugendliche von älteren Generationen nicht verstanden oder nicht ernst genommen.
Simon versucht genau an diesem Punkt anzusetzen. Junge Menschen sollen aus seiner Sicht nicht nur analysiert oder bewertet werden, sondern aktiv beteiligt werden, wenn es um die Gestaltung von Zukunft geht.
Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum seine Arbeit so viele Menschen erreicht. Seine Studien wirken nicht wie reine Zahlenwerke, sondern wie der Versuch, besser zu verstehen, wie junge Menschen heute leben und warum viele gesellschaftliche Entwicklungen gerade so verlaufen, wie sie verlaufen.
Foto: IHK Südlicher Oberrhein
Jugendliche ernst nehmen statt über sie urteilen
Was wir an Simon besonders schätzen, ist seine Art zuzuhören. Man spürt schnell, dass er nicht einfach nur über Jugendliche spricht, sondern dass er mit ihnen spricht und wirklich verstehen möchte, wie sie auf die Welt blicken.
Gerade das macht seine Arbeit aus unserer Sicht so wichtig. Während viele öffentliche Debatten entweder alarmistisch oder oberflächlich wirken, versucht Simon Schnetzer genauer hinzusehen. Ihn interessieren nicht nur Probleme oder Konflikte, sondern auch Hoffnungen, Wünsche und Veränderungen innerhalb einer Generation, über die zwar ständig gesprochen wird, die aber erstaunlich selten selbst ausführlich zu Wort kommt.
Das merkt man auch daran, wie differenziert er über gesellschaftliche Entwicklungen spricht. Seine Arbeit wirkt selten ideologisch oder moralisch belehrend. Stattdessen versucht er zu verstehen, warum junge Menschen bestimmte Dinge fühlen, denken oder ablehnen.
Bei Vorträgen holt er junge Menschen mit auf die Bühne und lässt sie selbst berichten, welche Lösungen sie für Probleme sehen und wie wir sie für Zukunft begeistern können. Oder er veranstaltet Trendtalks und Zukunftsgestalter-Workshops um gezielt Verständnis zu fördern und Maßnahmen zu entwickeln.
Smartphones dürfen unterstützen, aber nicht dominieren
Foto: Marc Steffen Unger
Auch beim Thema Digitalisierung erlebt man Simon weder als Technikromantiker noch als Kulturpessimisten. Smartphones und digitale Medien dürfen aus seiner Sicht eine funktionale Rolle spielen und Menschen unterstützen. Gleichzeitig spricht er offen darüber, dass Technologie nicht unseren Gemütszustand, unsere Beziehungen oder das Leben unserer Kinder bestimmen darf.
Gerade diese Haltung finden wir spannend, weil sie weder verklärt noch verteufelt. Viele Diskussionen über soziale Medien, Smartphones oder digitale Plattformen bewegen sich inzwischen nur noch zwischen den Extremen. Simon versucht stattdessen, genauer hinzusehen und die Auswirkungen auf Menschen ernst zu nehmen.
Vielleicht wirkt seine Perspektive auch deshalb so lebensnah, weil sie nicht nur aus Studien entsteht, sondern aus eigener Erfahrung. Simon ist Vater von drei Kindern der Generation Alpha im Alter zwischen vier und neun Jahren und erlebt viele gesellschaftliche Veränderungen nicht nur beruflich, sondern auch im Familienalltag. Zudem engagiert er sich im Elternbeirat der Grundschule seiner Kinder und setzt sich in Kempten für die Initiative Smarter Start ab 14 ein.
Vom Allgäu in die Welt und wieder zurück
Foto: DAV Sektion Allgäu Immenstadt
Was wir außerdem spannend finden, ist seine persönliche Geschichte. Simon ist Allgäuer, war viele Jahre international unterwegs und lebte lange nicht in seiner Heimatregion. Erst später entschied er sich bewusst dafür, zurückzukehren.
Heute sagt er selbst, dass er dadurch umso stärker angekommen ist.
Um sich im Allgäu wieder wirklich zuhause zu fühlen, begann er dort aktiv mitzugestalten. Er baute die lokale Gründerszene mit auf, gründete über viele Jahre einen Coworking Space und ein Innovationsnetzwerk und organisierte mit Formaten wie dem ZwoDo und den Gründervilla Meetups Räume für Austausch, Begegnung und neue Ideen. Mit dem Rotary-Club Kempten-Residenz vergibt er alle drei Monate einen mit 1.000 € dotierten Jugendförderpreis, um junges Engagement in der Region zu fördern.
Auch das passt erstaunlich gut zu seiner heutigen Arbeit. Gemeinschaft entsteht für ihn nicht zufällig. Man muss Menschen zusammenbringen und Räume schaffen, in denen Gespräche, Ideen und Begegnungen möglich werden.
Warum Zuversicht heute fast ungewöhnlich wirkt
Was uns bei Simon ebenfalls auffällt, ist seine positive Grundhaltung. Trotz aller Probleme, die er in seinen Studien sichtbar macht, wirkt er nicht resigniert oder zynisch.
Im Gegenteil. Er sagt selbst, dass er gerne in Deutschland lebt und voller Zuversicht ist. Was ihm nicht gefällt, versucht er aktiv zu gestalten.
Vielleicht ist genau das heute ungewöhnlich geworden. Viele gesellschaftliche Debatten drehen sich fast nur noch um Krisen, Konflikte und negative Entwicklungen. Simon interessiert sich dagegen auch für die vielen positiven Beispiele, die oft viel zu wenig sichtbar werden.
Gerade diese Mischung aus realistischer Analyse und gleichzeitiger Zuversicht macht seine Arbeit aus unserer Sicht besonders.
Warum solche Stimmen wichtig sind
Auch wir bei Medienzeit beschäftigen uns täglich mit den Risiken digitaler Plattformen, mit problematischen Inhalten und mit der Frage, wie Schutzräume für Kinder und Jugendliche aussehen können.
Am Ende geht es dabei aber nie nur um Smartphones oder Bildschirmzeiten. Es geht um Menschen, um Beziehungen und um die Frage, wie Kinder und Jugendliche heute gesund aufwachsen können.
Genau deshalb schätzen wir den Austausch mit Simon Schnetzer sehr. Nicht, weil wir identisch denken oder immer dieselben Perspektiven haben. Sondern weil Gespräche mit ihm fast immer dabei helfen, differenzierter auf diese Zeit zu schauen und junge Menschen nicht nur als Problem oder Zielgruppe zu betrachten, sondern als Menschen mit eigenen Sorgen, Hoffnungen und Vorstellungen von Zukunft.