3 Wochen smartphonefrei. Zwei Potsdamer Schulen wagen ein besonderes Experiment

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Gastbeitrag von Jana Peter

Kann ein Leben ohne Smartphone funktionieren? Für viele Kinder und Jugendliche wirkt diese Vorstellung heute fast unmöglich. Genau deshalb starten zwei Potsdamer Schulen jetzt ein ungewöhnliches Experiment.

Schulelternsprecherin Jana Peter

Die Schulleiterinnen Anja Henkes von der Goethe-Grundschule Potsdam und Katja von Hagen vom Leibniz-Gymnasium Potsdam haben eine gemeinsame Vision. Schule wieder stärker als geschützten Raum zu erleben. Mit weniger digitaler Ablenkung und mehr bewusster Wahrnehmung des eigenen Alltags.

Deshalb nehmen insgesamt 90 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 5 bis 11 freiwillig an einem besonderen Selbstversuch teil. Vom 18. Mai bis zum 7. Juni verzichten sie auf ihr Smartphone. Auch sechs Erwachsene, darunter Lehrkräfte und Eltern, machen mit.

Am Leibniz-Gymnasium hat sich sogar eine komplette Klasse gemeinsam für das Experiment entschieden. Gerade das könnte für viele Teilnehmende entscheidend werden. Denn wer gemeinsam verzichtet, erlebt oft auch Gemeinschaft neu.

Schülerinnen und Schüler legen ihre Smartphones während eines freiwilligen dreiwöchigen Experiments beiseite und schreiben ihre Erfahrungen in Notizbücher.

Bild generiert mit Hilfe von KI (ChatGPT/DALL·E, OpenAI)

Brauche ich überhaupt eine Pause vom Handy?

Vor dem Start wurden an beiden Schulen Projektstunden durchgeführt. Dort ging es nicht nur um Bildschirmzeiten oder Apps, sondern um sehr persönliche Fragen.

  • Wie viel Zeit verbringe ich eigentlich täglich am Bildschirm?

  • Wofür nutze ich mein Smartphone?

  • Wann merke ich, dass mir das Handy nicht mehr guttut?

  • Und brauche ich vielleicht häufiger eine Pause, als ich selbst dachte?

Ausgangspunkt war unter anderem das österreichische Projekt „21 Tage ohne Smartphone“, über das Medienzeit bereits berichtet hat.

Zum Artikel über das österreichische Experiment


Selbsterfahrung mit täglichen Feedbackrunden

Besonders spannend dürfte werden, wie sich die drei Wochen auf den Alltag der Jugendlichen auswirken. In beiden Schulen soll es tägliche Feedbackrunden geben. Die Teilnehmenden schreiben ihre Eindrücke, Gedanken, Ängste und Erfahrungen auf.

Natürlich gibt es auch Skepsis. Für viele Jugendliche wirkt ein Leben ohne Smartphone zunächst kaum vorstellbar. Genau deshalb setzen die Schulen bewusst auf freiwillige Teilnahme und eigene Erfahrungen statt auf Verbote allein.

Die Goethe-Grundschule und das Leibniz-Gymnasium beschäftigen sich seit längerer Zeit intensiv mit Kinderschutz im digitalen Raum. Beide Schulleiterinnen erleben, wie stark Kinder und Jugendliche heute digitalen Einflüssen ausgesetzt sind und wie wenig geschützte Räume es oft noch gibt.

Das Experiment soll deshalb nicht nur Verzicht bedeuten. Es soll auch helfen, bewusster über mentale Gesundheit, Aufmerksamkeit, Schlaf, Stress und soziale Beziehungen nachzudenken.


Drei Wochen ohne Smartphone. Und dann?

Die große Frage bleibt natürlich offen. Werden alle bis zum Ende durchhalten? Und was verändert sich danach?

Fest steht schon jetzt, dass die Schulen weitermachen wollen. Künftig soll der Februar zum gemeinsamen „Fastenmonat“ werden. Drei Wochen smartphonefrei direkt nach den Winterferien.

Vielleicht wird daraus mehr als nur ein Schulprojekt. Vielleicht wird es für manche Kinder und Jugendliche die erste echte Erfahrung seit Jahren, wie sich Alltag ohne ständige digitale Reize anfühlen kann.

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Schulische Medienbildung ist Zufall

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