Blick in die Postbank Jugend-Digitalstudie 2025: Warum Jugendliche Verbote ablehnen und Regeln brauchen

Die Debatte um Handyregeln an Schulen wirkt oft wie ein Kulturkampf. Die einen fordern ein klares Verbot, die anderen warnen vor einem Rückschritt und verweisen auf digitale Bildung. Die Postbank Jugend-Digitalstudie 2025 wird häppchenweise veröffentlich und liefert dazu aktuell zwei Perspektiven, die zusammen ein viel ehrlicheres Bild ergeben als jede Schlagzeile: Jugendliche wollen ihr Smartphone nicht aus der Schule verbannen, erkennen aber gleichzeitig sehr deutlich die Suchtgefahr von Social Media und wünschen sich weniger Ablenkung und weniger Dauererreichbarkeit.

Bild generiert mit Hilfe von KI (Gemini, Google)

Zählmarke

Wie viel Bildschirm ist Alltag

Laut der Postbank Jugend-Digitalstudie verbringen 16 bis 18 Jährige in Deutschland im Schnitt 65,5 Stunden pro Woche mit digitalen Endgeräten im Internet. Das sind über neun Stunden pro Tag. Allein mit dem Smartphone verbringen die Jugendlichen im Schnitt 37,5 Stunden pro Woche online, also rund 5,4 Stunden täglich. 92 Prozent nutzen ein Smartphone zum Surfen.

Quelle: Postbank Medieninformation vom 05.02.2026. https://www.postbank.de/unternehmen/medien/meldungen/2026/februar/handyverbot-an-schulen-mehrheit-der-jugendlichen-dagegen.html

Zum Smartphone-Verbot in Schulen

Die klassische Frage und die überraschende Antwort

Besonders spannend ist der Blick auf die Handynutzung in der Schule. Laut der Februar-Meldung spricht sich zwar die Mehrheit der Jugendlichen gegen ein generelles Verbot aus. Als Hauptargumente nennen sie schnelle Kommunikation mit Familie und Freunden (60 Prozent) sowie die Nützlichkeit für Lernzwecke und Recherche (55 Prozent). Außerdem glauben 54 Prozent, sie könnten eigenverantwortlich mit dem Smartphone umgehen.

Quelle: Postbank Medieninformation vom 05.02.2026. https://www.postbank.de/unternehmen/medien/meldungen/2026/februar/handyverbot-an-schulen-mehrheit-der-jugendlichen-dagegen.html


Der entscheidende Satz steckt in den Zustimmungswerten pro Handyverbot

Der aufschlussreiche Teil kommt etwas später: 71 Prozent sehen ein Handyverbot als Möglichkeit, Ablenkungen im Unterricht zu vermeiden. 67 Prozent erwarten eine bessere Konzentration und 53 Prozent weniger Stress durch ständige Erreichbarkeit. Damit sagen viele Jugendliche gleichzeitig Ich will es nicht und Es würde helfen.

Quelle: Postbank Medieninformation vom 05.02.2026. https://www.postbank.de/unternehmen/medien/meldungen/2026/februar/handyverbot-an-schulen-mehrheit-der-jugendlichen-dagegen.html

Geschlechterunterschiede

Die Studie zeigt Unterschiede zwischen jungen Frauen und jungen Männern. Für zwei Drittel der weiblichen Jugendlichen ist Selbstbestimmtheit und mobile Kommunikation das wichtigste Argument gegen ein Verbot, bei jungen Männern sind es 41 Prozent. Gleichzeitig verbringen junge Frauen mehr Smartphone Onlinezeit pro Woche (41 Stunden) als junge Männer (34,3 Stunden).

Quelle: Postbank Medieninformation vom 05.02.2026. https://www.postbank.de/unternehmen/medien/meldungen/2026/februar/handyverbot-an-schulen-mehrheit-der-jugendlichen-dagegen.html

Zugleich erkennen viele Jugendliche die Risiken im Schulalltag: 45 Prozent der Schülerinnen, aber nur 19 Prozent der Schüler sehen einen Vorteil eines Verbots in besserer Kommunikation in den Pausen.

Quelle: Postbank Medieninformation vom 05.02.2026. https://www.postbank.de/unternehmen/medien/meldungen/2026/februar/handyverbot-an-schulen-mehrheit-der-jugendlichen-dagegen.html

Sorge vor Abhängigkeit wächst

Die Dezember-Meldung aus derselben Jugend-Digitalstudie 2025 ergänzt das Bild: Drei Viertel der 16 bis 18 Jährigen sagen, sie hätten in ihrem Umfeld Freunde, die sie für süchtig nach sozialen Medien halten. Junge Frauen nehmen diese Gefahr häufiger wahr als junge Männer (82 Prozent vs. 68 Prozent).

Quelle: Postbank Medieninformation vom 15.12.2025: https://www.postbank.de/unternehmen/medien/meldungen/2025/dezember/studie-sorge-vor-abhaengigkeit-waechst-grosse-social-media-plattformen-verlieren-nutzer.html

Plattformen verlieren Reichweite, aber das Problem verschwindet nicht

Laut Postbank haben im Vergleich zum Vorjahr alle führenden Social Media Plattformen Reichweite verloren. Instagram und YouTube liegen bei jeweils 68 Prozent Nutzung, dahinter rangieren WhatsApp, TikTok und Snapchat. Besonders auffällig ist der langfristige Rückgang bei WhatsApp: In fünf Jahren sank die Nutzung von 86 Prozent auf 65 Prozent.

Quelle: Postbank Medieninformation vom 15.12.2025: https://www.postbank.de/unternehmen/medien/meldungen/2025/dezember/studie-sorge-vor-abhaengigkeit-waechst-grosse-social-media-plattformen-verlieren-nutzer.html

In einer dpa Zusammenfassung wird berichtet, dass mehr als die Hälfte der Befragten Kanäle verlassen habe, weil dort zu viel Hass, Aggression oder Unwahrheiten wahrgenommen wurden, und dass viele ihr eigenes Profil deaktiviert haben.

Quelle: dpa Wiedergabe bei WELT Newsticker. https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/netzwelt/article693a426311f914c89b859bc7/grosse-social-media-plattformen-verlieren-jugendliche-nutzer.html

Social Shopping als zusätzlicher Sog

Knapp die Hälfte der Befragten hat schon mindestens einmal direkt über eine Social Media Plattform eingekauft. Attraktiv sind vor allem Rabatte und individuell passende Produkte, jeweils 29 Prozent nennen diese Gründe. Ein Drittel lehnt Social Shopping grundsätzlich ab, dieser Anteil ist gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Quelle: Postbank Medieninformation vom 15.12.2025. https://www.postbank.de/unternehmen/medien/meldungen/2025/dezember/studie-sorge-vor-abhaengigkeit-waechst-grosse-social-media-plattformen-verlieren-nutzer.html

Was Schulen daraus ableiten können

Die Postbank argumentiert, ein pauschales Handyverbot verkenne die Chancen digitaler Werkzeuge im Unterricht und plädiert für klare Regeln, Medienkompetenz und sichere mobile Tools.

Quelle: Postbank Medieninformation vom 05.02.2026. https://www.postbank.de/unternehmen/medien/meldungen/2026/februar/handyverbot-an-schulen-mehrheit-der-jugendlichen-dagegen.html

Gleichzeitig zeigen die Zustimmungswerte pro Verbot, dass viele Jugendliche sich von Einschränkungen mehr Konzentration, weniger Ablenkung und weniger Stress versprechen. Daraus folgt ein pragmatischer Weg: smartphonefreie Unterrichtszeit als Standard, digitale Nutzung nur dort, wo sie didaktisch sinnvoll ist, und verlässliche Kontaktwege ohne Privatgeräte in der Hosentasche.

Fazit

Die Postbank Jugend-Digitalstudie 2025 liefert keine einfache Antwort auf die Frage “Handyverbot ja oder nein?”. Sie zeigt eine Ambivalenz: Smartphones sind zentral, die Nutzungsdauer ist hoch, gleichzeitig erwarten viele Jugendliche Entlastung durch klare Einschränkungen. Daraus ergibt sich ein praxisnaher Ansatz: klare Regeln, geschützte Lernräume, definierte Kommunikationswege und digitale Bildung als gezieltes Lernen statt Dauerverfügbarkeit.

Quellen

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Fallbeispiel aus der Praxis: Wenn intime Bilder zum Ausgangspunkt von Cybermobbing werden