Pädokriminalität auf Roblox: Wenn Fremde im Kinderzimmer mitspielen
Roblox gehört zu den beliebtesten Online-Plattformen für Kinder und Jugendliche weltweit. Millionen Minderjährige spielen dort täglich, bauen virtuelle Welten, chatten miteinander und verbringen oft viele Stunden in einer Umgebung, die bunt, kreativ und harmlos wirkt. Doch hinter dieser Fassade zeigen Recherchen, Studien und Ermittlungen seit Jahren eine andere Realität. Roblox ist nicht nur ein Spiel. Es ist ein soziales Netzwerk, ein Kommunikationsraum und ein Ort, an dem Kinder gezielt von Erwachsenen angesprochen, manipuliert und sexualisiert werden.
Die Problematik ist vielschichtig. Sie umfasst konkretes Cybergrooming, sexuelle Belästigung, Erpressung, Erstellung expliziter Inhalte durch Kinder, Vernetzung von Tätergruppen und systematische Lücken im Schutzkonzept der Plattform. Für Eltern, Pädagoginnen, Pädagogen und Entscheidungsträger ist es eine der zentralen Fragen der digitalen Sicherheit von Minderjährigen.
Internationale Medienberichte, wissenschaftliche Analysen und Dokumentationen wie die Recherchen von ZDF und SCHAU HIN! machen deutlich, dass es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt. Die Risiken sind strukturell angelegt und treffen auf eine besonders verletzliche Zielgruppe.
Wir haben uns schon mehrfach und sehr ausführlich mit den Gefahren auf Roblox beschäftigt. In diesem Artikel geht es ganz bewusst nur um das Thema aus der Überschrift. Weitere problematische Inhalte auf Roblox findet ihr unter diesem Link:
Roblox - wenn Eltern wüssten, was ihre Kinder dort erleben…
Bild generiert mit Hilfe von KI (Perplexity)
Wie Roblox funktioniert und warum genau das problematisch ist
Roblox ist kein einzelnes Spiel, sondern eine Plattform mit Millionen nutzergenerierter Spiele/Räume. Kinder bewegen sich dort frei, kommunizieren über Text- und Voice-Chats, schließen Freundschaften und tauschen virtuelle Währungen aus. Kontakte entstehen oft spontan, anonym und ohne jede Altersprüfung.
Genau diese Offenheit macht Roblox attraktiv. Sie macht die Plattform aber auch anfällig für Missbrauch. Die Moderation ist überwiegend automatisiert, greift zeitverzögert und stößt bei subtiler, manipulativer Kommunikation schnell an ihre Grenzen. Groomer oder potenzielle Täter umgehen Filter, verlagern Gespräche in private Kanäle oder nutzen externe Messenger. Regulierungsbehörden wie in den Niederlanden haben deshalb Untersuchungen eingeleitet, weil sie erhebliche Risiken für Minderjährige sehen.
Ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen kommuniziert regelmäßig online mit unbekannten Personen, insbesondere über Spieleplattformen und soziale Netzwerke. Diese unbegleitete Kommunikation mit Fremden gilt in der Forschung als zentraler Risikofaktor für Cybergrooming.
Cybergrooming auf Roblox
Cybergrooming bedeutet, dass Erwachsene online gezielt Vertrauen zu Minderjährigen aufbauen, um sexuelle Handlungen zu initiieren. In zahlreichen Fällen nutzen Täter Spieleplattformen wie Roblox, weil Kinder dort offen kommunizieren, häufig allein sind und ihre Identität nicht verschleiern müssen.
In den USA wurden mehrere dokumentierte Fälle bekannt, in denen Erwachsene Kinder über Monate kontaktierten, schrieben, befreundeten und dann Treffen arrangierten. In einem besonders erschütternden Fall entführte ein Täter zwei Mädchen im Alter von 12 und 14 Jahren nach monatelangem online Kontakt über Roblox und andere Plattformen.
Ein weiterer Bericht beschreibt, wie ein Erwachsener einem zehnjährigen Kind virtuelle Währung („Robux“) versprach, um explizite Fotos zu erhalten. Solche Fälle zeigen, wie Täter finanzielle Anreize nutzen, um Kinder zur Preisgabe intimer Inhalte zu bewegen.
Das sind nur zwei Beispiele von vielen.
Wie strategisch gehen Täter vor?
Bild generiert mit Hilfe von KI (Gemini, Google)
Cybergrooming geschieht selten offensichtlich. Groomer gehen strategisch vor, geduldig und angepasst an die emotionale Lage des Kindes.
Am Anfang steht meist ein harmloser Kontakt im Spiel. Hilfe beim Bauen, gemeinsames Spielen, freundliche Nachrichten. Potenzielle Täter geben sich häufig als Gleichaltrige aus und wirken interessiert, aufmerksam und verständnisvoll. Für Kinder fühlt sich das wie normale soziale Interaktion an.
Über Tage oder Wochen entsteht Vertrauen. Der Groomer hört zu, macht Komplimente, bietet emotionale Nähe. Oft werden gezielt Themen angesprochen, bei denen Kinder verletzlich sind, etwa Einsamkeit, Stress in der Schule oder Konflikte zu Hause.
Sobald eine Bindung entstanden ist, wird der Kontakt intensiviert. Gespräche verlagern sich in private Chats, Voice-Funktionen oder externe Dienste. Ab diesem Moment entzieht sich der Austausch häufig jeder Kontrolle durch Eltern oder Plattform.
In einem nächsten Schritt werden Grenzen langsam verschoben. Zweideutige Witze, Fragen zum Körper, zur Pubertät oder zu Beziehungen. Der Grooming-Prozess lebt davon, Grenzen schrittweise zu normalisieren. Kinder spüren oft, dass sich etwas falsch anfühlt, können es aber nicht einordnen.
In schweren Fällen folgt Manipulation, Druck oder Erpressung. Kinder werden aufgefordert, Bilder zu schicken, sich vor der Kamera zu zeigen oder intime Handlungen auszuführen. Virtuelle Geschenke oder Währungen dienen als Anreiz. Später werden bereits erhaltene Inhalte genutzt, um weiteren Druck auszuüben. Viele Kinder schweigen aus Angst oder Scham.
Was ZDF und SCHAU HIN! dokumentieren
Die ZDF-Dokumentation in Zusammenarbeit mit SCHAU HIN! zeigt eindrücklich, wie niedrig die Einstiegshürden sind. In Selbstversuchen wird deutlich, wie schnell Kinder auf Roblox in problematische Gespräche geraten können. Trotz vorhandener Filter und Regeln gelingt es Groomern, sexualisierte Inhalte anzubahnen und Vertrauen aufzubauen. Die Reportage macht sichtbar, dass Schutzmechanismen nicht ausreichen, wenn Gespräche persönlicher, subtiler und manipulativer werden.
Experten warnen seit Jahren
Organisationen wie 5Rights Foundation und End Sexual Exploitation (NCOSE) kritisieren seit Jahren, dass Roblox nicht nur ein soziales Spiel ist, sondern ein Umfeld, in dem Pädokriminelle systematische Netzwerke bilden und Kinder ansprechen. Sie argumentieren, dass virtuelle Begegnungsräume ohne klare Altersverifikation und starke Schutzbarrieren von Tätern als Werkzeug genutzt werden und dass die monetären Anreize auf der Plattform diese Dynamiken verschärfen.
Was sagen die KIM- und JIM-Studien und was nicht
Die KIM- und JIM-Studien des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest sind zentrale Referenzen zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Die KIM-Studie untersucht Kinder zwischen 6 und 13 Jahren, die JIM-Studie Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren.
Wichtig für die Einordnung: Diese Studien erfassen keine Kriminalität und keine Prävalenz sexueller Gewalt. Teilweise werden zwar Erfahrungen mit Belästigung oder problematischen Kontakten abgefragt, sie sind jedoch keine Dunkelfeldstudien zu sexualisierter Gewalt oder Cybergrooming.
Was sie jedoch sehr deutlich zeigen, ist der Kontext. Ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen kommuniziert regelmäßig online mit unbekannten Personen, insbesondere über Spieleplattformen und soziale Netzwerke. Genau diese Konstellation gilt in der Forschung als einer der wichtigsten Risikofaktoren für Cybergrooming.
Wie häufig erleben Kinder sexuelle Belästigung online
Belastbare Zahlen stammen aus anderen, international anerkannten Studien. Eine der wichtigsten ist die Youth Internet Safety Survey aus den USA. Sie zeigt, dass etwa 19 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 10 und 17 Jahren innerhalb eines Jahres mindestens eine unerwünschte sexuelle Kontaktaufnahme im Internet erleben.
Rund 5 Prozent berichten von besonders belastenden Erfahrungen, die sie selbst als sehr oder extrem verstörend einstufen. Dazu zählen explizite sexuelle Nachrichten, Aufforderungen zu Bildern oder wiederholte Grenzverletzungen.
Europäische Erhebungen kommen zu ähnlichen Ergebnissen und zeigen, dass etwa jedes dritte Kind oder jeder dritte Jugendliche online bereits sexualisierte Belästigung erlebt hat.
Entscheidend ist: Ein erheblicher Teil dieser Kontakte beginnt in digitalen Spiel- und Community-Räumen. Plattformen wie Roblox sind dafür besonders anfällig, weil sie soziale Nähe ermöglichen, ohne verlässliche Schutzbarrieren zu bieten.
Bild generiert mit Hilfe von KI (ChatGPT/DALL·E, OpenAI)
Wissenschaft und Kinderschutzorganisationen schlagen Alarm
Wissenschaftliche Analysen zeigen, dass technische Moderation allein nicht ausreicht, um Kinder in offenen virtuellen Räumen zu schützen. Studien zur Moderation, Monetarisierung und Plattformarchitektur belegen, dass Täter systematisch Schwachstellen ausnutzen und Schutzmechanismen umgehen.
Kinderschutzorganisationen wie die 5Rights Foundation oder End Sexual Exploitation warnen seit Jahren davor, dass Roblox gezielt von pädokriminellen Tätern genutzt wird. Sie kritisieren fehlende Altersverifikation, unzureichende Echtzeitmoderation und ein Geschäftsmodell, das soziale Interaktion fördert, ohne Kinder ausreichend zu schützen.
Fazit: Lasst eure Kinder nicht auf Roblox
Nach Auswertung der vorliegenden Studien, Medienberichte, Dokumentationen, Ermittlungen und Experteneinschätzungen bleibt eine klare Schlussfolgerung: Roblox ist kein sicherer Ort für Kinder.
Nicht, weil jedes Kind dort zwangsläufig Opfer wird. Sondern weil die Plattform strukturell Risiken erzeugt, die Kinder nicht überblicken und nicht kontrollieren können. Kinder sind manipulierbar, bindungsorientiert und emotional offen. Genau diese Eigenschaften werden im Grooming-Prozess gezielt ausgenutzt.
Kein Filter, keine KI und keine gut gemeinte Einstellung kann das zuverlässig verhindern. Auch private Server helfen nicht, weil sie lediglich die Spielumgebung kontrollieren, nicht aber die soziale Interaktion und Kontaktaufnahme mit Fremden, auf der Grooming-Prozesse aufbauen.
Solange Plattformen wie Roblox ihre Schutzversprechen nicht einlösen können, haben unsere Kinder dort nichts verloren.
Die klare Empfehlung lautet deshalb: Lasst Kinder nicht auf Roblox. Nicht unbeaufsichtigt. Nicht als Ausnahme. Nicht, weil alle anderen auch dürfen. Digitale Teilhabe darf nicht auf Kosten der Sicherheit gehen.
Weitere Artikel auf Medienzeit zu Roblox
Wir haben sehr konkret gezeigt, wie Eltern Kinder aus Roblox heraus begleiten können, wenn sie bereits dort aktiv sind. Nicht mit Druck oder Strafen, sondern mit Gesprächen, Klarheit und Alternativen.
👉 https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/roblox-passt-auf-eure-kinder-auf
Wir haben darüber geschrieben, warum Russland die Plattform zeitweise gesperrt hat und welche sicherheitspolitischen und kinderschutzrelevanten Gründe dabei eine Rolle spielten.
👉 https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/roblox-russland-sperrt-die-plattform
Wir haben klar benannt, warum aus unserer Sicht ein bloßes Begleiten nicht ausreicht und warum wir ein deutliches Umdenken im Umgang mit Roblox fordern.
👉 https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/verbietet-endlich-roblox
Und hier noch der Text zur strafrechtlichen Untersuchung von Roblox in Florida:
👉 https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/roblox-unter-strafrechtlicher-untersuchung-in-florida
Quellen
SCHAU HIN!: Gefahr von Cybergrooming auf Roblox: https://www.schau-hin.info/news/zdf-doku-gefahr-von-cybergrooming-auf-roblox
ZDF Die Spur: Roblox - Kinderspiel für Cybergroomer: https://www.zdf.de/video/reportagen/die-spur-224/roblox-kinderspiel-online-gefahr-100
Reuters (30.01.2026): Dutch regulator probes Roblox over risks to minors: https://www.reuters.com/legal/litigation/dutch-regulator-probe-roblox-over-risks-minors-2026-01-30/
Bloomberg: https://www.bloomberg.com/features/2024-roblox-pedophile-problem/
5Rights Foundation: Gaming platform Roblox unsafe for children: https://5rightsfoundation.com/gaming-platform-roblox-unsafe-for-children/
End Sexual Exploitation (NCOSE): Roblox as a tool for sexual predators: https://endsexualexploitation.org/articles/roblox-a-tool-for-sexual-predators-a-threat-for-childrens-safety/
Hindenburg Research: https://hindenburgresearch.com/roblox/
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest: KIM- und JIM-Studien (Kontext Mediennutzung): https://mpfs.de
Wikipedia / Child Safety on Roblox: https://en.wikipedia.org/wiki/Child_safety_on_Roblox
ACM-Studie: Child Safety, Monetization, and Moderation on Roblox“: https://dl.acm.org/doi/10.1145/3706598.3713170