Erschöpft nach der Schule, abends trotzdem nicht müde

Wenn Müdigkeit nicht in Schlaf übergeht

Nach der Schule ist der Rucksack kaum abgestellt, da zieht sich das Kind zurück. Es wirkt erschöpft, möchte aber am Abend noch Videos sehen, Nachrichten lesen oder spielen. Wenn dann die Schlafenszeit beginnt, ist es plötzlich wieder wach. Für Familien kann daraus jeden Abend derselbe Streit entstehen.

Der neue DAK-Präventionsradar macht sichtbar, wie verbreitet solche Beschwerden unter Schülerinnen und Schülern sind. In der zehnten Befragungswelle gaben 46 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen an, mindestens einmal pro Woche Schlafprobleme zu haben. 69 Prozent fühlten sich mindestens wöchentlich ausgelaugt oder erschöpft. Befragt wurden mehr als 30.000 Schülerinnen und Schüler der Klassen fünf bis zehn an 141 Schulen in 15 Bundesländern. Die Erhebung bezieht sich auf das Schuljahr 2025/26 und wurde am 14. September 2026 veröffentlicht.

Die Zahlen sind Befragungsangaben. Sie beschreiben, wie Kinder ihre Situation erleben, und ersetzen keine ärztliche Diagnose. Der Bericht sagt deshalb nicht, wie viele Kinder eine Schlafstörung haben. Er zeigt aber, dass Schlaf und Erschöpfung im Schulalltag ein Thema sind, über das Familien und Schulen sprechen müssen.

Ein erschöpftes Schulkind sitzt nach einem langen Schultag am Küchentisch zwischen Schulbüchern und Rucksack. Im Hintergrund bereitet ein Elternteil das Abendessen vor, während das Smartphone ungenutzt auf dem Tisch liegt.

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Das Smartphone ist ein möglicher Einfluss unter mehreren

In der Pressemitteilung nennt der Kinderarzt Michael Hubmann eine starke Mediennutzung am Abend als möglichen Einfluss auf schlechten Schlaf. Daraus folgt kein Beweis, dass Smartphones die Beschwerden verursacht haben. Müdigkeit kann auch mit frühen Schulzeiten, Leistungsdruck, Sorgen, Streit, körperlichen Beschwerden, Bewegungsmangel oder einem unregelmäßigen Tagesablauf zusammenhängen.

Die DAK-Erhebung untersucht nicht, ob ein bestimmtes Gerät oder eine bestimmte App den Schlaf verschlechtert. Eltern sollten deshalb vermeiden, aus einer Zahl eine einfache Schuldzuweisung zu machen. Ein pauschales „Das liegt nur am Handy“ beendet das Gespräch oft, bevor das Kind erzählen kann, was es tatsächlich belastet.

Hilfreicher sind konkrete Fragen: Wann beginnt die Erschöpfung? Ist das Kind morgens schon müde oder erst nach einem langen Schultag? Macht es sich Sorgen wegen einer Arbeit, eines Konflikts oder einer Nachricht im Klassenchat? Wird das Smartphone genutzt, weil es entspannt, oder weil das Kind nach einem anstrengenden Tag nicht abschalten kann?

Infografik: Medienzeit


Was Eltern jetzt tun können

Eine klare erste Regel kann helfen: Das Smartphone bleibt nachts außerhalb des Kinderzimmers und wird mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen weggelegt. Das schafft Abstand zu Licht, Nachrichten und aufwühlenden Inhalten. Außerdem verhindert es, dass das Kind im Bett noch weiter scrollt, spielt oder auf Benachrichtigungen wartet. Fachstellen empfehlen deshalb eine bildschirmfreie letzte Stunde und einen Schlafplatz ohne elektronische Geräte. Das bedeutet nicht, dass das Smartphone die einzige Ursache für Schlafprobleme ist. Es gibt Kindern und Jugendlichen aber eine verlässliche Übergangszeit, in der der Körper und der Kopf zur Ruhe kommen können. kindergesundheit-info.de, American Academy of Sleep Medicine

Weitere Schritte können sein:

  • Gemeinsam eine feste Zeit vereinbaren, zu der das Smartphone am Ladeplatz außerhalb des Kinderzimmers liegt.

  • Die letzte Stunde ruhig gestalten, zum Beispiel mit Lesen, Musik, Duschen oder einem Gespräch.

  • Möglichst jeden Tag ähnliche Zeiten zum Aufstehen und Schlafengehen einhalten, auch am Wochenende.

  • Schulranzen, Kleidung und wichtige Dinge für den nächsten Morgen vorher bereitlegen.

  • Aufregende Spiele, schwierige Chats und belastende Nachrichten am Abend vermeiden.

  • Koffeinhaltige Getränke wie Cola, Energy Drinks und starken Eistee am späten Nachmittag und Abend weglassen.

  • Tagsüber auf Bewegung, Tageslicht und Pausen achten.

  • Eine Woche lang gemeinsam beobachten, wann die Erschöpfung beginnt und was den Abend leichter oder schwieriger macht.

  • Wenn Schlafprobleme, starke Tagesmüdigkeit, Ängste oder Niedergeschlagenheit über längere Zeit bleiben, fachliche Hilfe suchen.


Eine Abendroutine, die zum Alltag passt

Familien müssen nicht auf einen perfekten Abend warten. Ein erster Schritt ist, den Ablauf eine Woche lang gemeinsam zu beobachten. Wann wird gegessen? Wann beginnen Hausaufgaben? Wann liegt das Smartphone außerhalb des Bettes? Wann geht das Licht aus? Das kurze Protokoll soll keine Überwachung sein. Es soll Muster sichtbar machen.

Ein Elternteil und ein Kind planen gemeinsam an einem hellen Küchentisch eine ruhige Abendroutine. Auf dem Tisch liegen ein Wochenplan, Schulmaterialien und ein Stift, das Smartphone liegt abseits in einer Ladestation.

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Eine verlässliche letzte Stunde vor dem Schlafen kann helfen. In dieser Zeit sollten anstrengende Chats, aufregende Spiele und endloses Scrollen möglichst nicht mehr den Takt bestimmen. Manche Kinder brauchen Musik, Lesen oder ein ruhiges Gespräch. Andere werden ruhiger, wenn sie ihre Schulsachen für den nächsten Tag bereitlegen. Die passende Regel hängt vom Kind ab.

Das Gerät sollte nachts nicht im Bett liegen. Ein Ladeplatz außerhalb des Schlafzimmers schafft Abstand, ohne dass Eltern jede einzelne App kontrollieren müssen. Bei älteren Jugendlichen kann es sinnvoll sein, gemeinsam festzulegen, welche Erreichbarkeit nachts wirklich nötig ist. In einem Notfall muss ein Kind wissen, wie es Eltern erreicht.

Auch der Morgen gehört dazu. Wenn ein Kind regelmäßig verschläft, gereizt ist oder am Wochenende sehr lange nachschläft, sollten Eltern nicht nur die Bildschirmzeit am Abend betrachten. Ein Gespräch mit Kinderarzt, Kinderärztin, Schule oder Beratungsstelle kann klären, ob weitere Unterstützung nötig ist.


Wann fachliche Hilfe sinnvoll ist

Wiederkehrende Schlafprobleme, starke Tagesmüdigkeit, anhaltende Niedergeschlagenheit, Angst, körperliche Beschwerden oder ein deutlicher Einbruch in der Schule verdienen Aufmerksamkeit. Eltern müssen nicht selbst entscheiden, ob die Ursache psychisch, körperlich oder im Tagesablauf liegt. Die erste Anlaufstelle kann die kinderärztliche Praxis sein. Bei schulischen Belastungen kommen Schulsozialarbeit und Beratungslehrkräfte hinzu.

Eine einzelne schwierige Woche ist noch kein Befund. Wenn Beschwerden aber über längere Zeit bestehen oder das Kind sich deutlich verändert, sollte die Familie Hilfe suchen. Das gilt auch dann, wenn die Mediennutzung bereits eingeschränkt wurde.


Was der Präventionsradar tatsächlich zeigt

Der DAK-Präventionsradar liefert eine große Befragung und damit einen wichtigen Hinweis auf die wahrgenommene Belastung von Kindern. Er beweist weder eine einzelne Ursache noch, dass eine bestimmte Abendregel Schlafprobleme zuverlässig beseitigt. Medienzeit sollte deshalb beides verbinden: verbindliche Grenzen für Geräte und ein offenes Gespräch über den gesamten Alltag.



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