Kostenlose Robux? Warum Kinder bei Roblox auf falsche Login-Seiten gelockt werden
„Mama, meine Robux sind weg.“ Für viele Eltern beginnt der Ärger mit genau diesem Satz. Das Kind wollte nur eine Belohnung abholen, hat auf einen Link in einem Video oder Chat geklickt und sich angemeldet. Danach landete es wie gewohnt im Spiel. Erst später fällt auf, dass Robux oder Gegenstände fehlen – oder dass jemand anderes das Konto übernommen hat.
Eine Recherche des britischen Guardian vom 27. September 2026 beschreibt diese Masche für Roblox. Die Links tauchten unter anderem in Kommentaren bei YouTube und TikTok sowie in Discord-Chats auf. Sie führten zu täuschend echt gestalteten Anmeldeseiten. Nach der Eingabe der Zugangsdaten wurde das Kind teils zur richtigen Roblox-Seite weitergeleitet. Der Betrug konnte dadurch zunächst unbemerkt bleiben. Fast 200 Verkaufsangebote für fertige Phishingseiten seien innerhalb einer Woche gefunden worden, berichtete der Guardian unter Berufung auf das Sicherheitsunternehmen NordVPN. Diese Zahl ist keine Erhebung darüber, wie viele Kinder betroffen sind oder wie häufig solche Angriffe in Deutschland vorkommen. www.theguardian.com
Bild generiert mit Hilfe von KI
Das Versprechen passt genau zum Spiel
Robux sind die virtuelle Währung von Roblox. Kinder nutzen sie zum Beispiel für Kleidung und Accessoires für ihren Avatar oder für Käufe in einzelnen Spielen. Wer regelmäßig spielt, kennt die Währung und weiß, was sich damit freischalten lässt. Ein Angebot wie „5.000 Robux gratis – nur heute“ wirkt deshalb nicht wie eine abstrakte Betrugsmasche, sondern wie eine Gelegenheit, die andere im Spiel vielleicht auch nutzen.
Die gefälschte Seite muss nicht offensichtlich schlecht gemacht sein. Ein bekanntes Logo, eine vertraute Farbe und ein knappes Zeitfenster reichen, um Vorfreude und Eile auszulösen. Manchmal fragen die Seiten neben Benutzername und Passwort auch nach einem Einmalcode. Wer ihn eingibt, kann damit selbst eine zusätzliche Sicherheitsprüfung aushebeln.
Roblox stellt in seinen offiziellen Sicherheitshinweisen klar: Angebote für kostenlose Robux, Abonnements oder wertvolle Gegenstände seien Betrugsversuche. Passwörter sollten nur auf der offiziellen Roblox-Anmeldeseite eingegeben werden. Auch Bestätigungs- und Wiederherstellungscodes dürfen nicht an andere weitergegeben werden. Roblox Support
Nicht nur Roblox: dieselbe Masche bei anderen Games
Der Köder wechselt mit dem Spiel. Bei Roblox versprechen Betrüger Robux, bei Fortnite V-Bucks, anderswo seltene Skins, Spielwährung, Levelaufstiege oder besondere Gegenstände. Epic Games warnt ausdrücklich vor externen Seiten, die kostenlose V-Bucks oder andere Produkte versprechen und dafür Anmeldedaten verlangen. Auch Electronic Arts warnt vor Seiten, die mit Spielwährung, Accounts oder Vorteilen locken. safety.epicgames.com
Der Ablauf ist oft ähnlich: Ein Kind sieht einen Link in einem Video, einem Kommentar, einem Gruppenchat oder einer Direktnachricht. Die Seite verspricht einen Vorteil, verlangt eine Anmeldung und verwendet die Zugangsdaten anschließend, um das Konto zu übernehmen. Betrüger können so virtuelle Gegenstände stehlen, persönliche Informationen abgreifen oder versuchen, dasselbe Passwort bei anderen Diensten auszuprobieren.
Eltern sollten deshalb nicht nur das Wort „Robux“ erklären. Hilfreicher ist eine Regel, die für alle Spiele gilt: Verspricht ein Link kostenlose Währung, Skins oder Vorteile und verlangt dafür einen Login, schließen wir die Seite und öffnen das Spiel direkt über die offizielle App oder Website. Kein offizieller Bonus ist es wert, Passwort oder Sicherheitscode auf einer fremden Seite einzugeben.
Roblox ist mehr als ein einzelnes Kinderspiel
Medienzeit warnt weiterhin davor, Roblox als harmloses Spiel für jüngere Kinder zu behandeln. Roblox ist eine Plattform mit vielen von Nutzern erstellten Spielen und Erlebnissen, in denen Kinder nicht nur spielen, sondern auch auf andere Menschen, Chats, Käufe und wechselnde Inhalte treffen können. Ein buntes Vorschaubild oder ein einzelnes unproblematisches Spiel sagt deshalb wenig darüber aus, was ein Kind beim nächsten Besuch erlebt.
In Deutschland ist Roblox von der USK mit ab 16 Jahren gekennzeichnet. Als Gründe nennt die USK unter anderem mögliche Gewalt, Inhalte für unterschiedliche Altersgruppen, erhöhte Kaufanreize, Chats und In-Game-Käufe mit zufälligen Objekten. Das Kennzeichen ist eine wichtige Orientierung für Eltern; es bedeutet nicht, dass jede einzelne Roblox-Welt identisch ist. Es sollte aber Anlass sein, die Nutzung eines jüngeren Kindes kritisch zu prüfen und nicht allein darauf zu vertrauen, dass die Plattform kindlich aussieht. Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle
Mehr zu den grundlegenden Risiken haben wir in unserem Beitrag „Roblox – warum Eltern sehr viel besser aufpassen müssen“ und im Überblick „Roblox: Risiken für Kinder“ eingeordnet. Wenn Kontakte oder Nachrichten im Spiel eine Rolle spielen, behandelt unser Beitrag „Pädokriminalität auf Roblox: Wenn Fremde im Kinderzimmer mitspielen“ einen anderen, deutlich schwerwiegenderen Risikobereich. Phishing und sexualisierte Kontaktanbahnung sind unterschiedliche Gefahren; Eltern sollten sie nicht miteinander verwechseln.
Woran Eltern einen Betrugsversuch mit ihrem Kind erkennen können
Sprechen Sie am besten über solche Links, bevor etwas passiert. Fragen Sie Ihr Kind, ob es schon einmal kostenlose Robux, V-Bucks oder seltene Skins angeboten bekommen hat. Lassen Sie sich zeigen, wo der Link erschien und was die Seite verlangte. Das Gespräch sollte nicht mit der Frage beginnen, warum das Kind geklickt hat. Betrugsseiten sind gerade darauf ausgelegt, Vertrauen und Neugier auszunutzen.
Achten Sie gemeinsam auf typische Warnzeichen: Ein Angebot gilt angeblich nur wenige Minuten. Die Seite verlangt ein Passwort, einen Bestätigungscode oder persönliche Daten. Ein Link führt aus dem Spiel heraus auf eine fremde Website. Ein Kommentar oder eine Nachricht behauptet, ein Creator, Moderator oder Support-Mitarbeiter könne einen Vorteil freischalten. Selbst wenn der Absender bekannt aussieht, sollte das Angebot über einen anderen Weg geprüft werden.
Eine einfache Gewohnheit hilft: Bei Spielkonten öffnen Kinder die offizielle App selbst und melden sich dort an. Sie nutzen keine Login-Links aus Kommentaren, Videos, Chats oder Direktnachrichten. Für jedes wichtige Konto sollte außerdem ein eigenes, nicht wiederverwendetes Passwort eingerichtet sein. Wo verfügbar, hilft eine Zwei-Schritt-Verifizierung. Sie schützt jedoch nicht, wenn ein Kind den gerade angeforderten Code in die gefälschte Seite eingibt.
Weitere Hinweise zu Passwörtern, persönlichen Daten und Betrugsversuchen in Spielen finden Eltern in unserem Beitrag „Kinder vor Hackern schützen“. Bei Käufen und Spielwährungen hilft außerdem unser Überblick zu Geschenkkarten und Spielwährungen.
Wenn das Kind sich schon angemeldet hat
Bleiben Sie ruhig und sichern Sie das Konto sofort. Öffnen Sie Roblox ausschließlich über die offizielle App oder geben Sie die Adresse selbst ein. Ändern Sie das Passwort und ersetzen Sie es auch bei anderen Konten, falls es dort wiederverwendet wurde. Prüfen Sie, ob die hinterlegte E-Mail-Adresse noch stimmt, beenden Sie unbekannte Anmeldesitzungen und aktivieren Sie eine Zwei-Schritt-Verifizierung. Kontrollieren Sie außerdem, ob Robux, Gegenstände oder Zahlungsdaten verändert wurden.
Roblox empfiehlt, bei einem übernommenen Konto den Support zu kontaktieren. Der Anbieter garantiert allerdings nicht, dass verlorene Gegenstände oder virtuelle Währung wiederhergestellt werden. Nach den Hinweisen zur Kontowiederherstellung sollen Betroffene innerhalb von 30 Tagen Kontakt aufnehmen, wenn sie Hilfe wegen eines kompromittierten Kontos benötigen. Roblox Support
Wichtig ist auch, was das Kind aus der Situation mitnimmt. Wer aus Angst vor Ärger schweigt, kann beim nächsten Mal länger warten. Machen Sie deshalb klar: Wenn etwas Merkwürdiges passiert oder ein Link angeklickt wurde, darf das Kind sofort Bescheid sagen. Erst wird gemeinsam geholfen; über Regeln und Einstellungen sprechen Sie danach.
Eine Regel, die für jedes Spiel gilt
„Kostenlose“ Spielwährung ist ein wirksamer Köder, weil sie direkt an das anknüpft, was Kinder im Spiel erreichen oder besitzen möchten. Roblox ist aktuell besonders sichtbar, doch das Grundmuster findet sich auch bei anderen Games. Entscheidend ist eine klare Familienroutine: keine Anmeldung über fremde Links, keine Weitergabe von Passwörtern oder Codes und im Zweifel erst gemeinsam prüfen.
Medienzeit warnt davor, Roblox als unbedenkliches Kinderspiel zu behandeln. Technische Kontrollen und Sicherheitsfunktionen können Risiken begrenzen, ersetzen aber weder eine bewusste Altersentscheidung noch Gespräche darüber, was im Spiel und außerhalb davon geschieht. Mehr zu weiteren Kaufanreizen und Spielmechaniken lesen Sie in unserem Beitrag „Sucht-Spiele: Kinder im Griff von Lootboxen und Co.“.
Quellen