Lock&Learn: Wie zwei Lehrer eine sichere Smartphone-Box für Schulen entwickeln

Smartphones gehören längst zum Alltag von Kindern und Jugendlichen. Im Schulalltag sorgen sie jedoch oft für das Gegenteil von dem, was Lernen braucht: Ruhe, Fokus und echte Begegnung. Ablenkung, Konflikte, heimliche Nutzung und ständige Unterbrechungen prägen vielerorts den Unterricht. Genau hier setzt Lock&Learn an.

Das System wurde von zwei aktiven Lehrkräften entwickelt und verbindet eine sichere physische Aufbewahrung privater Geräte mit einem pädagogischen Gesamtkonzept. Ziel ist nicht ein pauschales Verbot, sondern ein strukturierter Umgang mit Smartphones im Schulalltag.

Geöffnete Lock&Learn Smartphone-Box im Vordergrund eines Klassenzimmers, während Schülerinnen und Schüler im Hintergrund unscharf konzentriert arbeiten

Bild generiert mit Hilfe von KI (Gemini, Google)

Zählmarke

Von Lehrkräften entwickelt, aus dem Klassenzimmer heraus

Gegründet wurde Lock&Learn 2024 von den Studienräten Frans Bovier und Vural Kaya. Beide unterrichten selbst und kennen die Debatten um Smartphones nicht aus Theoriepapieren, sondern aus dem täglichen Unterricht. Ihre zentrale Erfahrung: Regeln wie „Handy aus und in den Rucksack“ funktionieren kaum. Diskussionen, Umgehungsstrategien und ständige Kontrolle kosten Zeit, Energie und Aufmerksamkeit.

Aus dieser Praxis heraus entstand die Idee einer Lösung, die den Unterricht schützt, ohne Digitalisierung grundsätzlich abzulehnen. Lock&Learn versteht Schule als geschützten Raum, in dem Lernen, soziale Interaktion und digitale Mündigkeit bewusst gestaltet werden müssen.

Warum klassische Handyregeln oft nicht greifen

Ein zentraler Punkt im Lock&Learn-Konzept ist die Erkenntnis, dass nicht nur die Nutzung von Smartphones stört, sondern bereits ihre bloße Anwesenheit. In der Wissenschaft wird dieses Phänomen häufig als sogenannter Brain-Drain-Effekt beschrieben. Der Begriff geht auf eine vielzitierte Studie von Ward und Kolleginnen aus dem Jahr 2017 zurück.

Die Studie zeigte, dass allein das Wissen um ein erreichbares Smartphone kognitive Ressourcen bindet. Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit sinken messbar, selbst dann, wenn das Gerät ausgeschaltet ist. Wichtig ist dabei die Einordnung: Diese Studie ist nicht neu, aber sie bildet bis heute eine zentrale Grundlage für viele weitere Untersuchungen zur Aufmerksamkeitsökonomie und digitalen Ablenkung.

Auch bei Medienzeit haben wir uns intensiv mit dieser Forschung beschäftigt und gezeigt, dass der Effekt kein theoretisches Konstrukt ist, sondern sich im Alltag von Kindern und Jugendlichen konkret beobachten lässt. Genau hier scheitern viele klassische Handyregeln. Solange Smartphones körperlich verfügbar bleiben, bleiben sie auch mental präsent.

Lock&Learn setzt deshalb bewusst auf eine konsequente physische Trennung während des gesamten Schultages, um diesen dauerhaften Abfluss von Aufmerksamkeit zu unterbrechen.


Die SmartBox: sichere Aufbewahrung statt Dauerstress

Sichere Lock&Learn Smartphone-Box aus Metall mit geöffneter Tür und nummerierten Fächern zur Aufbewahrung von Smartphones im Schulalltag

Foto: Lock&Learn

Herzstück des Systems ist die sogenannte SmartBox. Sie dient der sicheren Aufbewahrung privater Smartphones und Smartwatches über den gesamten Schultag hinweg. Die Box wurde explizit für den Einsatz in Schulen entwickelt und ist robust, manipulationsgeschützt und auf den Alltag im Klassenverband ausgelegt.

Die Geräte werden nicht „weggenommen“, sondern verbindlich und transparent verwahrt. Für Lehrkräfte entfällt die ständige Kontrolle, für Schülerinnen und Schüler entsteht Klarheit. Smartphones sind aus dem Unterrichtsraum raus, nicht nur aus der Hand oder dem Blickfeld.

Die SmartBox arbeitet mit verschlüsselter, schlüsselloser Schließtechnik und ist so konzipiert, dass sie organisatorisch wenig Aufwand verursacht. Entwicklung und Produktion erfolgen in Deutschland. Das ist weniger ein Marketingargument als ein praktischer Faktor für Schulen, etwa mit Blick auf Sicherheit, Verlässlichkeit und erreichbaren Support.


Mehr als Technik: was sich im Schulalltag verändert

Lock&Learn versteht sich nicht als reiner Produktanbieter. Das System ist Teil eines pädagogischen Gesamtkonzepts, das Schulen bei der Einführung einer smartphonefreien Schulorganisation begleitet.

Was sich verändert, zeigt sich besonders im Alltag. Pausen verlaufen ruhiger, Gespräche entstehen wieder von selbst, Blickkontakt kehrt zurück. Konflikte durch heimliche Nutzung oder ständige Benachrichtigungen nehmen ab. Lehrkräfte berichten von weniger Unterbrechungen und mehr Präsenz im Unterricht.

Ein wichtiger Punkt dabei: Das Konzept funktioniert nur, wenn es gemeinschaftlich umgesetzt wird. Einzelne Klassen oder einzelne Lehrkräfte reichen nicht aus. Lock&Learn setzt deshalb bewusst auf Lösungen im Klassen- oder Schulverband. Einheitliche Regeln schaffen Akzeptanz, reduzieren Diskussionen und entlasten alle Beteiligten.

Einführung mit Struktur statt Schnellschuss

Ein weiterer zentraler Bestandteil des Lock&Learn-Ansatzes ist der Einführungsprozess. Statt eines abrupten Umbruchs setzt das Konzept auf einen klar strukturierten Rollout. Schulen werden Schritt für Schritt begleitet, von der internen Abstimmung über die Kommunikation mit Eltern und Schülervertretungen bis zur festen Verankerung in der Schulordnung.

Ein kostenfreier Leitfaden unterstützt diesen Prozess mit konkreten Zeitplänen, Praxisbeispielen, Kommunikationshilfen und juristisch geprüften Regelwerken. Das schafft Sicherheit und verhindert, dass Schulen mit der Umsetzung allein gelassen werden.

Medienresonanz und Einordnung

Dass Lock&Learn inzwischen auch medial aufgegriffen wird, zeigt, wie groß der Bedarf an praktikablen Lösungen ist. Unabhängig von politischen Debatten oder föderalen Regelungen macht das Konzept deutlich: Der Umgang mit Smartphones in der Schule ist kein individuelles Erziehungsproblem, sondern eine strukturelle Aufgabe.

Lock&Learn liefert dafür einen Ansatz, der aus dem Schulalltag heraus entstanden ist und genau dort ansetzt.

Fazit

Lock&Learn steht für einen pragmatischen, pädagogisch fundierten Umgang mit Smartphones im Schulalltag. Das System verbindet sichere Aufbewahrung, klare Regeln und begleitende Aufklärung. Entwickelt von Lehrkräften, praxisnah umgesetzt und darauf ausgelegt, Lernen wieder mehr Raum zu geben. Für Schulen, die Konzentration, soziale Interaktion und Unterrichtsqualität stärken wollen, ist das ein Ansatz, der ernst genommen werden sollte.

Kontakt

Wir haben das Gründerteam für den Artikel direkt kontaktiert und ihnen gesprochen. Das war sehr sympathisch. Wenn Interesse an dem System besteht, stellen wir gern einen Kontakt her. Schreibt uns einfach an.

Quellen und weiterführende Links

  1. Lock&Learn offizielle Website: https://www.lockandlearn.de/

  2. Über die Gründer und das Konzept: https://www.lockandlearn.de/ueber-uns

  3. Produktseite SmartBox: https://www.lockandlearn.de/produkte

  4. Kostenfreier Leitfaden „Smartphonefreie Schule“: https://www.lockandlearn.de/kostenfreier-leitfaden-sfs

  5. Hamburger Abendblatt, Bericht über Lock&Learn: https://www.abendblatt.de/hamburg/wirtschaft/article408026470/lock-and-learn-baut-handygaragen-fuer-schulen.html

  6. Lock&Learn Flyer und Konzeptunterlagen (PDF): https://www.lockandlearn.de/_files/ugd/c6ee37_22ea82e04c464186ba73fd71ed050bbe.pdf

  7. Medienzeit-Einordnung zum Brain-Drain-Effekt und zur Ward-Studie: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/studie-warum-gehirn-schlechter-arbeitet-smartphone

Weiter
Weiter

PingTok: Wenn Drogen-Trends auf TikTok Jugendliche erreichen