Looksmaxxing: Warum Jungen sich mit Hämmern ins Gesicht schlagen
„Meine Jawline ist nicht gut.“
Stell dir vor, dein Sohn kommt nach der Schule nach Hause, fährt mit dem Finger an seiner Kieferlinie entlang und sagt genau diesen Satz.
Vielleicht erzählt er von einem Video auf TikTok. Vielleicht hat er den Begriff auf YouTube gehört. Vielleicht kam das Thema einfach auf dem Schulhof zur Sprache. Wahrscheinlich würdest du in diesem Moment erst einmal fragen: „Meine was?“
Genau so beginnen heute viele Begegnungen mit einem Trend namens Looksmaxxing.
Was früher Zeitschriften, Werbeplakate oder Models waren, sind heute Influencer, Algorithmen und Millionen von Kurzvideos. Begriffe wie Jawline, Hunter Eyes, Mewing, Sigma Male, Alpha Male oder High Value Male haben längst den Weg aus sozialen Netzwerken auf deutsche Schulhöfe gefunden. Dort werden sie von Kindern und Jugendlichen diskutiert, bewertet und weiterverbreitet.
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Auf den ersten Blick wirkt das alles harmlos. Jugendliche interessieren sich schließlich schon immer für ihr Aussehen. Doch hinter Looksmaxxing steckt oft weit mehr als Hautpflege, Fitness oder ein neuer Haarschnitt. Der Trend führt viele Jungen in eine Welt, in der Menschen nach ihrem Aussehen bewertet werden, Frauen als Belohnung gelten und der eigene Wert von einer Kieferlinie abhängen soll.
Manche Jugendliche gehen dabei sogar so weit, sich mit Hämmern gegen die Gesichtsknochen zu schlagen, um ihr Aussehen zu verändern. Im Netz findet man diesen fragwürdigen Trend unter “Bonesmashing”.
Die Frage ist auch heute leider nicht mehr, ob Jugendliche mit diesen Inhalten in Berührung kommen. Die Frage ist, wann. Wer regelmäßig TikTok, Instagram oder YouTube nutzt, wird früher oder später auf Inhalte stoßen, die sich mit Alpha-Männlichkeit, Dating, Looksmaxxing oder High Value Males beschäftigen. Die Begriffe mögen neu sein. Die dahinterliegenden Botschaften erreichen jedoch längst Millionen Jugendliche weltweit.
Was zunächst absurd klingt, ist Teil eines Phänomens, das Millionen Jungen erreicht und das wir als Eltern kennen sollten.
Was bedeutet Looksmaxxing?
Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern „Looks“ und „Maxxing“ zusammen. Gemeint ist die maximale Optimierung des eigenen Aussehens.
In sozialen Netzwerken präsentieren Influencer und Content Creator unzählige Strategien, um attraktiver zu werden. Es geht um Hautpflege, Muskelaufbau, Ernährung, Kleidung, Frisuren, Schlaf, Körpersprache und Auftreten. Viele dieser Empfehlungen wirken zunächst vernünftig und unterscheiden sich kaum von klassischen Lifestyle-Tipps.
Genau darin liegt allerdings auch die Schwierigkeit. Looksmaxxing beginnt häufig mit harmlosen Ratschlägen und führt Jugendliche schrittweise in deutlich extremere Denkweisen hinein.
Vom TikTok auf den Schulhof
Noch vor wenigen Jahren hätten die meisten Eltern mit Begriffen wie Jawline, Hunter Eyes oder High Value Male nichts anfangen können. Heute tauchen sie auf Schulhöfen, in Klassenchats und in Gesprächen unter Jugendlichen auf. Kinder bewerten plötzlich Kieferlinien. Sie diskutieren darüber, ob jemand „Alpha“ oder „Sigma“ sei. Sie analysieren Gesichter und vergleichen Attraktivität.
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Viele dieser Begriffe stammen nicht aus dem Alltag von Kindern. Sie stammen aus sozialen Netzwerken. Vor allem TikTok, YouTube Shorts und Instagram sorgen dafür, dass solche Inhalte innerhalb weniger Tage Millionen Jugendliche erreichen können. Deshalb ist Looksmaxxing längst kein Nischentrend mehr. Es ist Teil der Jugendkultur geworden.
Hinzu kommen Begriffe wie „Rizz“, „Mogging“ oder „NPC“, die viele Erwachsene noch nie gehört haben.
„Rizz“ steht vereinfacht für die Fähigkeit, andere Menschen für sich zu gewinnen. „Mogging“ beschreibt das öffentliche Herabsetzen oder Übertreffen einer anderen Person, meist bezogen auf Aussehen oder Status. Als „NPC“ werden Menschen bezeichnet, die als langweilig, austauschbar oder bedeutungslos gelten.
Für viele Jugendliche gehören diese Begriffe inzwischen zum Alltag. Sie tauchen in Videos, Memes, Kommentaren und Gesprächen auf. Wer sie nicht kennt, versteht oft gar nicht, welche Vorstellungen von Erfolg, Attraktivität und sozialem Status dabei transportiert werden.
Softmaxxing und Hardmaxxing
Innerhalb der Szene wird häufig zwischen zwei Formen unterschieden.
Beim sogenannten Softmaxxing geht es um vergleichsweise alltägliche Maßnahmen. Dazu gehören Sport, gesunde Ernährung, Hautpflege, passende Kleidung oder ein neuer Haarschnitt. Viele dieser Dinge sind grundsätzlich unproblematisch. Sie können sogar dazu beitragen, dass sich Jugendliche wohler in ihrem Körper fühlen.
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Daneben existiert das sogenannte Hardmaxxing. Hier geht es um deutlich radikalere Methoden. Dazu gehören Schönheitsoperationen, Kieferkorrekturen, Steroidkonsum, Hormonpräparate, Fettwegspritzen oder andere Eingriffe, die den Körper möglichst schnell verändern sollen.
Hierzu zählt auch das sogenannte Bonesmashing. Anhänger des Trends glauben, durch wiederholte Schläge auf die Gesichtsknochen Mikroverletzungen erzeugen und dadurch markantere Gesichtszüge entwickeln zu können. Medizinische Belege dafür gibt es nicht.
Die Grenze zwischen beiden Bereichen ist fließend. Wer ständig vermittelt bekommt, dass sein Wert von seinem Aussehen abhängt, sucht irgendwann möglicherweise nach immer drastischeren Lösungen.
Wenn das Gesicht zur Punktzahl wird
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Ein zentraler Bestandteil vieler Looksmaxxing-Communities ist die Bewertung von Menschen anhand ihres Aussehens.
Gesichter werden analysiert, vermessen und miteinander verglichen. Augenform, Nase, Kinn, Kieferlinie, Wangenknochen, Körpergröße oder Körperfettanteil werden bewertet und in Rankings eingeordnet. Junge Männer lernen dabei, sich selbst wie ein Produkt zu betrachten, das bewertet und optimiert werden muss.
Wer als attraktiv gilt, wird als erfolgreich, begehrenswert und dominant dargestellt. Wer schlechter bewertet wird, gilt schnell als Verlierer.
Manche Communities verwenden dafür eigene Punktesysteme. Menschen werden auf einer Skala von eins bis zehn bewertet. Andere sprechen von „High Value Males“, also Männern mit hohem Wert. Wieder andere verwenden Begriffe wie „Sub“, „Low Tier“ oder sogar „Untermensch“.
Spätestens hier wird deutlich, dass es längst nicht mehr um Hautpflege oder Fitness geht. Es geht um die Einteilung von Menschen in Gewinner und Verlierer.
Jawline, Hunter Eyes und Face Ratings
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Viele Eltern hören diese Begriffe zum ersten Mal. Für Jugendliche gehören sie inzwischen zum Alltag.
Die „Jawline“ beschreibt die Kieferlinie. Je markanter sie erscheint, desto männlicher und attraktiver soll ein Mann laut vieler Influencer wirken.
Als „Hunter Eyes“ werden bestimmte Augenformen bezeichnet, die angeblich Stärke, Dominanz und Attraktivität ausstrahlen sollen.
Hinzu kommen sogenannte Face Ratings. Menschen werden dabei anhand einzelner Gesichtsmerkmale bewertet. Teilweise vergeben Influencer Zahlenwerte für Augen, Nase, Kiefer oder Gesichtsproportionen und errechnen daraus einen angeblich objektiven Attraktivitätswert.
Was zunächst wie ein Spiel wirkt, hat Folgen. Jugendliche lernen, ihr eigenes Gesicht ständig zu analysieren und nach vermeintlichen Makeln zu suchen.
Mewing: Kann man sein Gesicht umformen?
Wer sich mit Looksmaxxing beschäftigt, stößt früher oder später auf den Begriff „Mewing“.
Dabei handelt es sich um eine Technik, bei der die Zunge dauerhaft gegen den Gaumen gedrückt werden soll. Anhänger behaupten, dass sich dadurch die Kieferlinie verbessert, das Gesicht markanter wird und man attraktiver erscheint. Auf TikTok, YouTube und Instagram finden sich Millionen Videos zu diesem Thema. Jugendliche filmen sich beim Mewing, vergleichen Vorher-Nachher-Bilder und diskutieren über die angeblichen Veränderungen ihres Gesichts.
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Benannt wurde die Methode nach dem britischen Kieferorthopäden John Mew und seinem Sohn Mike Mew. Aus einer ursprünglich kieferorthopädischen Theorie entwickelte sich im Internet ein regelrechter Trend. Das Problem ist, dass viele der spektakulären Versprechen wissenschaftlich nicht belegt sind.
Fachleute weisen darauf hin, dass die Gesichtsform vor allem durch genetische Faktoren, Wachstum und individuelle Entwicklung beeinflusst wird. Die Vorstellung, man könne allein durch eine bestimmte Zungenhaltung sein Gesicht grundlegend verändern, gilt als umstritten.
Trotzdem verbringen manche Jugendliche täglich viel Zeit damit, ihre Zungenposition zu kontrollieren, ihre Kieferlinie im Spiegel zu überprüfen oder vermeintliche Fortschritte zu dokumentieren.
Damit zeigt Mewing ein zentrales Problem des Looksmaxxing-Trends. Es geht irgendwann nicht mehr um Gesundheit oder Wohlbefinden. Es geht um die ständige Suche nach Fehlern am eigenen Körper.
Bonesmashing: Wenn Selbstoptimierung zur Selbstverletzung wird
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Besonders erschreckend sind die extremen Auswüchse des Trends.
Unter dem Begriff Bonesmashing schlagen sich Jugendliche oder junge Erwachsene gezielt mit Hämmern, Metallgegenständen oder harten Kunststoffteilen gegen Wangenknochen und Kiefer.
Die dahinterstehende Idee lautet, dass kleine Knochenverletzungen angeblich zu einem markanteren Gesicht führen würden.
Medizinisch gibt es dafür keine belastbaren Belege.
Stattdessen drohen Knochenbrüche, Nervenschäden, Fehlstellungen, Entzündungen und dauerhafte Schmerzen. Trotzdem verbreiten sich entsprechende Videos millionenfach auf TikTok und anderen Plattformen.
Für Jugendliche entsteht dadurch der Eindruck, dass selbstverletzendes Verhalten ein normaler Teil von Selbstoptimierung sein könnte.
Die Botschaft hinter Looksmaxxing
Je länger man sich mit dem Trend beschäftigt, desto deutlicher wird, dass es nicht nur um Schönheit geht.
Die eigentliche Botschaft lautet:
Du bist nicht gut genug.
Du musst attraktiver werden.
Dein Wert hängt von deinem Aussehen ab.
Dein Erfolg hängt von deinem Aussehen ab.
Wer solche Botschaften täglich konsumiert, beginnt irgendwann, die Welt durch genau diese Brille zu betrachten.
Warum gerade Jungen so empfänglich sind
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Viele Eltern verbinden Körperdruck vor allem mit Mädchen. Tatsächlich stehen aber auch Jungen heute unter enormem Druck.
Sie wachsen mit Bildern von Männern auf, die stark, muskulös, erfolgreich, attraktiv und selbstbewusst wirken sollen. Gleichzeitig befinden sich viele Jugendliche in einer Lebensphase, in der sie sich fragen, was einen Mann eigentlich ausmacht, ob sie attraktiv genug sind oder warum andere beliebter wirken.
Wer mit Jungen spricht, merkt schnell, dass hinter vielen dieser Videos keine Eitelkeit steckt. Oft geht es um Unsicherheit, Zugehörigkeit und Anerkennung. Viele Jungen erleben heute Unsicherheit. Sie hören, was sie nicht sein sollen, bekommen aber oft wenig Orientierung, was sie stattdessen sein können. Genau in diese Lücke stoßen die Influencer der Manosphere.
Sie liefern einfache Antworten auf komplexe Fragen. Sie erklären, wie ein „richtiger Mann“ auszusehen hat, wie er sich verhalten soll und warum er angeblich erfolgreich oder erfolglos ist. Gerade deshalb wirken diese Botschaften auf viele Jugendliche überzeugend.
Looksmaxxing liefert auf diese komplexen Fragen eine scheinbar einfache Antwort.
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Der High Value Male
Ein Begriff taucht in diesen Kreisen besonders häufig auf: der „High Value Male“.
Gemeint ist ein Mann, der angeblich einen hohen gesellschaftlichen Wert besitzt. Bewertet werden Aussehen, Status, Einkommen, Dominanz und sozialer Erfolg.
Die Idee dahinter ist bemerkenswert. Menschen werden nicht mehr als individuelle Persönlichkeiten betrachtet, sondern wie Produkte mit einem Marktwert.
Die Vorstellung eines „High Value Male“ vermittelt Jungen, dass ihr Wert messbar sei. Nicht Charakter, Freundschaften oder Empathie stehen im Mittelpunkt, sondern Status, Einkommen, Aussehen und gesellschaftlicher Erfolg.
Das Problem dabei ist nicht, dass Jugendliche Ziele haben oder erfolgreich sein möchten. Problematisch wird es dort, wo Menschen beginnen, ihren eigenen Wert und den anderer Menschen wie einen Marktpreis zu betrachten. Wer sich selbst ständig bewertet, vergleicht und optimiert, verliert leicht den Blick dafür, dass Beziehungen, Freundschaften und Anerkennung nicht nach Punktesystemen funktionieren.
Der Mythos vom Alpha-Mann
Früher oder später stoßen Jugendliche in dieser Welt auf das Bild des sogenannten Alpha-Mannes. Gemeint ist ein Mann, der dominant, durchsetzungsfähig, erfolgreich und anderen Männern überlegen sein soll. In den Videos wird dieses Ideal häufig mit Luxus, Muskeln, Geld und sexuellen Erfolgen verbunden.
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Das Problem ist nicht, dass Jungen selbstbewusst werden möchten, das Problem ist die Botschaft dahinter. Gefühle gelten oft als Schwäche. Empathie wird abgewertet. Beziehungen erscheinen als Machtspiele. Männlichkeit wird auf Dominanz reduziert.
Für viele Jungen entsteht dadurch ein sehr enges Bild davon, was ein Mann sein darf und was nicht. Dabei ist die Vorstellung vom Alpha-Mann sehr umstritten. Sie geht auf Beobachtungen von Wölfen zurück, die später selbst von den Forschern korrigiert wurden. Trotzdem hält sich der Begriff hartnäckig in sozialen Netzwerken.
Für Jugendliche wirkt das Modell verlockend, weil es klare Regeln verspricht.Wer erfolgreich sein will, müsse dominant sein. Wer Anerkennung bekommen möchte, müsse stärker sein als andere. Wer beliebt sein will, dürfe keine Schwäche zeigen.
Das Problem ist, dass dadurch wichtige Eigenschaften kaum noch vorkommen. Freundlichkeit, Empathie, Kompromissfähigkeit oder Fürsorge erscheinen in vielen dieser Erzählungen als nebensächlich oder sogar als Schwäche. Jungen lernen dadurch häufig weniger darüber, wie gute Beziehungen funktionieren, sondern mehr darüber, wie man andere Menschen dominiert.
Der Sigma Male
Neben dem Alpha-Mann taucht in sozialen Netzwerken immer häufiger der Begriff „Sigma Male“ auf. Der Sigma gilt als Einzelgänger. Er steht angeblich außerhalb gesellschaftlicher Regeln, braucht keine Freunde und interessiert sich nicht für die Meinung anderer.
Für viele Jugendliche wirkt diese Figur attraktiv, weil sie Unabhängigkeit und Stärke verspricht. Tatsächlich steckt dahinter oft dieselbe Logik wie beim Alpha-Mann: Status, Dominanz und Überlegenheit werden zum Maßstab für den eigenen Wert.
Die Blackpill-Ideologie
Ein besonders problematischer Teil der Szene ist die sogenannte Blackpill. Die Grundannahme lautet, dass Schönheit genetisch festgelegt sei. Frauen würden nur die attraktivsten Männer wählen. Wer unattraktiv geboren wurde, habe kaum Chancen auf Erfolg oder Beziehungen.
Persönlichkeit, Empathie oder Charakter spielen in dieser Weltsicht kaum eine Rolle.
Die Folge ist häufig Hoffnungslosigkeit, Frustration und Wut. Besonders gefährlich ist dabei die Endgültigkeit dieser Weltsicht. Wenn Attraktivität angeblich angeboren und unveränderbar ist, erscheinen Anstrengung, persönliche Entwicklung oder zwischenmenschliche Fähigkeiten bedeutungslos. Aus Enttäuschung entsteht Resignation. Aus Resignation kann Wut entstehen.
In vielen Blackpill-Communities werden Beziehungen deshalb nicht als Begegnung zwischen Menschen betrachtet, sondern als biologischer Wettbewerb. Frauen erscheinen dort häufig nicht als eigenständige Persönlichkeiten, sondern als Teil eines Systems, das angeblich nur die attraktivsten Männer belohnt.
Für Jugendliche, die gerade erst Erfahrungen mit Freundschaft, Liebe und Ablehnung sammeln, kann diese Sichtweise besonders problematisch sein. Sie liefert einfache Schuldige für komplexe Gefühle und verhindert oft eine gesunde Auseinandersetzung mit Zurückweisung oder Unsicherheit.
Looksmaxxing und die Manosphere
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Um Looksmaxxing wirklich zu verstehen, müssen wir über die sogenannte Manosphere sprechen. Die Manosphere ist ein loses Netzwerk aus Influencern, Podcasts, Foren, Onlinegruppen und Content Creatorn, die sich mit Männlichkeit, Dating und Geschlechterrollen beschäftigen.
Viele Inhalte beginnen harmlos. Mit Fitness, mit Motivation, mit Dating-Tipps oder mit Selbstoptimierung. Doch dahinter steckt häufig eine Ideologie, die Frauen abwertet und Männern erklärt, sie seien die eigentlichen Verlierer gesellschaftlicher Veränderungen.
Die Manosphere ist kein Randphänomen
Wer den Begriff Manosphere zum ersten Mal hört, denkt vielleicht an einige wenige Foren oder obskure Internetseiten. Tatsächlich hat sich die Szene in den vergangenen Jahren zu einem weltweiten Online-Netzwerk entwickelt, das Millionen Jugendliche und junge Erwachsene erreicht.
👉 Link zum Medienzeit-Artikel: Wenn Frauenhasser unsere Söhne beeinflussen
Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchte, findet in der Netflix-Dokumentation „Inside the Manosphere“ einen aufschlussreichen Einblick in die Szene und ihre Wirkung auf junge Männer. Der Dokumentarfilmer Louis Theroux zeigt und begleitet Influencer der Manosphere und ihren Effekt auf ihre Fans. Es ist erschreckend, aber zeigt auch, wie groß dieses Phänomen mittlerweile schon ist.
👉 Link zu Netflix: https://www.netflix.com/de/title/81920687
Der offizielle Trailer auf Youtube:
Prominente Männlichkeits-Influencer erzielen auf TikTok, Instagram, YouTube oder X Reichweiten von vielen Millionen Menschen. Ihre Videos werden täglich angesehen, geteilt und kommentiert. Manche erreichen mit einzelnen Clips mehr Jugendliche als viele klassische Medienangebote.
Dabei handelt es sich längst nicht mehr um eine kleine Internetszene. Einzelne Männlichkeits-Influencer erreichen Reichweiten im zweistelligen Millionenbereich. Ihre Inhalte werden täglich von Jugendlichen auf der ganzen Welt konsumiert, geteilt und weiterverbreitet.
Hinzu kommt, dass viele Jugendliche den Begriff „Manosphere“ selbst gar nicht kennen. Sie folgen nicht bewusst einer Ideologie. Sie schauen Fitnessvideos, Dating-Tipps oder Inhalte über Selbstvertrauen. Die dahinterliegenden Weltbilder werden oft beiläufig mitgeliefert.
Genau deshalb ist die Reichweite der Szene vermutlich deutlich größer als die Zahl der Menschen, die sich selbst als Teil der Manosphere bezeichnen würden. Eltern kennen die Namen vieler dieser Influencer oft nicht. Ihre Kinder dagegen schon. Einige von ihnen erreichen Reichweiten, von denen klassische Medien nur träumen können. Ihre Videos werden millionenfach angesehen, geteilt und in Klassenchats weiterverbreitet. Viele der bekanntesten Männlichkeits-Influencer präsentieren sich mit Luxusautos, Villen, Uhren, Geld und einem Lebensstil, der Dominanz und Überlegenheit ausstrahlen soll. Genau diese Bilder werden Millionen Jungen täglich ausgespielt.
Gleichzeitig zeigen Beobachtungen von Medienpädagogen, Jugendforschern und Lehrkräften, dass viele Begriffe und Narrative der Manosphere längst auf Schulhöfen angekommen sind. Alpha Male, Sigma Male, High Value Male oder Looksmaxxing sind für viele Jugendliche keine Fremdwörter mehr.
Die Szene funktioniert dabei nicht wie eine klassische Organisation. Es gibt keine Mitgliedsausweise, keine Kommunikationszentrale und keine einheitliche Führung. Stattdessen handelt es sich um ein digitales Ökosystem aus Influencern, Podcasts, Discord-Servern, Telegram-Gruppen, Foren, YouTube-Kanälen und TikTok-Profilen, die ähnliche Botschaften verbreiten.
Genau das macht die Manosphere so schwer greifbar. Ihre Ideen verbreiten sich nicht über politische Veranstaltungen oder Parteiprogramme, sie verbreiten sich über Fitnessvideos, Dating-Tipps, Memes und Kurzvideos. Deshalb begegnen viele Jugendliche diesen Inhalten, ohne überhaupt zu merken, dass sie Teil einer größeren Ideologie sind.
Wenn Frauen zu Gegnern werden
In vielen Bereichen der Manosphere werden Frauen nicht als gleichberechtigte Menschen dargestellt. Stattdessen erscheinen sie häufig als Ursache männlicher Probleme. Jugendliche hören dort Aussagen, Frauen würden nur attraktive Männer wollen. Frauen seien oberflächlich. Männer seien die eigentlichen Opfer gesellschaftlicher Veränderungen.
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In manchen Bereichen entsteht daraus die Vorstellung, Männer hätten einen Anspruch auf Beziehungen, Sex oder die Aufmerksamkeit von Frauen. Wenn dieser Anspruch unerfüllt bleibt, werden die Ursachen nicht bei den eigenen Erwartungen gesucht, sondern Frauen, Feminismus oder Gleichberechtigung verantwortlich gemacht. Frauen erscheinen in diesen Erzählungen oft nicht als eigenständige Menschen mit eigenen Wünschen, Bedürfnissen und Entscheidungen.
In einigen Bereichen der Manosphere wird Gewalt gegen Frauen verharmlost, gerechtfertigt oder als verständliche Reaktion auf weibliches Verhalten dargestellt. Genau deshalb beobachten heute auch Extremismusforscher die Szene sehr genau. Die Grenze zwischen frauenfeindlichen Onlinekulturen und anderen Formen der Radikalisierung ist häufig deutlich kleiner, als viele Eltern vermuten.
Sie werden zu Statussymbolen.
Zu Belohnungen.
Zu Trophäen.
Wer attraktiv genug sei, bekomme die Frau. Wer scheitere, habe nicht hart genug an sich gearbeitet. Für Jugendliche, die gerade erst lernen, wie Beziehungen funktionieren, kann das ein sehr problematisches Bild von Partnerschaft und gegenseitigem Respekt vermitteln.
Frauenhass als Einstieg in Extremismus
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Wenn wir an Extremismus denken, denken viele zuerst an politische Parolen oder radikale Parteien. Doch Radikalisierung beginnt oft viel früher.
Experten beobachten seit Jahren, dass Frauenfeindlichkeit für manche Jugendliche ein Einstieg in weitergehende extremistische Weltbilder sein kann.
Der Mechanismus ist einfach. Zunächst wird vermittelt, Frauen seien für die eigenen Probleme verantwortlich. Später wird die Welt generell in Gruppen eingeteilt, die angeblich schuld seien. Menschen werden zunehmend nach Herkunft, Geschlecht, Status oder anderen Merkmalen bewertet.
Wer sich einmal daran gewöhnt hat, andere Menschen als Gegner oder Ursache der eigenen Probleme zu betrachten, wird häufig empfänglicher für weitere Feindbilder. Deshalb beschäftigen sich heute nicht nur Medienpädagogen mit der Manosphere, sondern auch Extremismusforscher. Sie sehen Frauenhass nicht als Nebenthema, sondern häufig als einen möglichen Einstieg in umfassendere Formen der Radikalisierung.
👉 Link zum Artikel: Die Codes der Manosphere
Wo die Übergänge ins Rechtsextreme liegen
Nicht jeder Junge, der Fitnessvideos schaut oder Muskeln aufbauen möchte, landet in rechtsextremen Kreisen, diese Vereinfachung wäre falsch. Gleichzeitig zeigen Forschungen und Beobachtungen von Fachstellen seit Jahren, dass es zwischen Teilen der Manosphere und rechtsextremen Milieus Überschneidungen gibt.
Beide Welten teilen teilweise ähnliche Vorstellungen von Hierarchien, Dominanz und biologischer Überlegenheit. In beiden Bereichen finden sich Erzählungen, die Menschen nach angeborenen Merkmalen bewerten und gesellschaftliche Probleme auf bestimmte Gruppen projizieren. Auch Begriffe wie „Untermensch“, die in manchen Looksmaxxing-Foren auftauchen, zeigen, dass dort teilweise Denkweisen verbreitet werden, die weit über Schönheitsideale hinausgehen.
Hinzu kommt, dass Algorithmen nicht zwischen verschiedenen problematischen Weltbildern unterscheiden. Wer sich intensiv mit Inhalten über Alpha-Männlichkeit, Dominanz oder vermeintlich natürliche Hierarchien beschäftigt, kann früher oder später auch auf politische Inhalte stoßen, die ähnliche Denkweisen bedienen.
Deshalb können wir nur davor warnen, Looksmaxxing lediglich als harmlosen Schönheitstrend zu betrachten.
Die TikTok-Pipeline
Die meisten Jungen suchen natürlich keine extremistischen Inhalte. Diese Inhalte finden sie.
Sie suchen nach Orientierung, sie möchten attraktiver wirken, mehr Selbstvertrauen haben und bei anderen gut ankommen. Genau deshalb funktioniert die Dynamik so gut.
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Ein ganz typischer Weg kann so aussehen: Hautpflege → Fitness → Dating-Tipps → Looksmaxxing → Alpha-Männlichkeit → Manosphere → weitere radikale Inhalte
Natürlich durchläuft nicht jeder Jugendliche alle diese Stufen. Doch die Mechanik dahinter ist häufig dieselbe. Ein Algorithmus erkennt Interessen und liefert immer neue Inhalte zum gleichen Thema.
Ein Junge schaut ein Video über Hautpflege.
Danach erscheinen Fitnessvideos.
Dann Dating-Tipps. Vielleicht sogar eins über Pickup-Artists.
Dann Videos über Alpha-Männer.
Dann Inhalte über High Value Males, weibliche Hypergamie oder die angebliche Benachteiligung von Männern.
Mit jeder Stufe verschieben sich die Grenzen dessen, was normal erscheint. Der gefährliche Teil dieser Entwicklung besteht darin, dass die Übergänge oft kaum wahrnehmbar sind. Für Jugendliche fühlt sich jeder Schritt logisch an.
Die weibliche Seite: Tradwives
Während Jungen lernen, dominant, stark und erfolgreich zu sein, lernen Mädchen in manchen dieser Inhalte, fürsorglich, angepasst und unterstützend zu sein. Beide Trends wirken auf den ersten Blick unterschiedlich. Tatsächlich greifen sie oft ineinander und vermitteln dieselbe Vorstellung davon, wie Männer und Frauen angeblich sein sollten.
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Unter dem Begriff „Tradwife“ präsentieren Influencerinnen ein idealisiertes Bild traditioneller Geschlechterrollen. In den Videos wird gekocht, gebacken, geputzt und sich um Kinder gekümmert. Die Bilder wirken oft idyllisch, ruhig und harmonisch. Auf den ersten Blick erscheinen diese Inhalte harmlos.
Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass viele Tradwife-Accounts traditionelle Rollenbilder romantisieren. Frauen erscheinen dort vor allem als fürsorgliche Ehefrauen und Mütter, während Männer die Rolle des Versorgers und Entscheiders übernehmen.
Nicht jede Tradwife-Influencerin verfolgt politische Ziele, auffällig ist jedoch, dass sich die Weltbilder von Tradwife-Inhalten und Teilen der Manosphere häufig ergänzen. Dort der dominante Alpha-Mann, hier die hingebungsvolle Tradwife.
Beide Seiten erzählen letztlich dieselbe Geschichte darüber, wie Männer und Frauen angeblich sein sollten.
Warum dieses Thema größer ist als Looksmaxxing
Auf den ersten Blick geht es um Kieferlinien, Muskeln und Hautpflege. Tatsächlich berührt das Thema deutlich größere Fragen.
Wie lernen Jungen heute, was Männlichkeit bedeutet?
Welche Vorbilder finden sie im Netz?
Welche Rolle spielen Frauen in diesen Erzählungen?
Welche Vorstellungen von Beziehungen werden vermittelt?
Und welche Weltbilder transportieren Algorithmen täglich auf die Smartphones unserer Kinder?
Deshalb ist Looksmaxxing am Ende nicht nur ein Schönheits- oder Fitnesstrend. Es ist ein Fenster in eine digitale Kultur, die Millionen Jugendliche prägt.
Wer über Looksmaxxing spricht, spricht deshalb auch über Männlichkeitsbilder, Frauenbilder, soziale Medien, Algorithmen und die Frage, welche Werte wir unseren Kindern vermitteln wollen.
Wer verdient daran?
Follow the money, mit Unsicherheit lässt sich Geld verdienen.
Hinter Looksmaxxing steht heute ein milliardenschwerer Markt. Influencer verkaufen Nahrungsergänzungsmittel, Fitnessprogramme, Hautpflegeprodukte, Coachings, Dating-Kurse und kostenpflichtige Communities. Je stärker Jugendliche glauben, nicht gut genug zu sein, desto leichter lassen sich neue Produkte verkaufen.
Unsicherheit ist deshalb nicht nur ein gesellschaftliches Problem. Sie ist für viele Geschäftsmodelle die Grundlage ihres Erfolgs.
Warum Eltern den Trend häufig unterschätzen
Viele Eltern sehen zunächst nur Hautpflege, Fitness oder Ernährung. Das wirkt gesund und vernünftig.
Was sie häufig nicht sehen, sind die Attraktivitätsskalen, die Rankings, die Blackpill-Ideologie, die problematischen Frauenbilder und die Verbindungen zur Manosphere. Genau deshalb bleibt der Trend oft lange unbemerkt.
Kaum ein Jugendlicher wird seinen Eltern erzählen, dass er Videos über Frauenhass oder gesellschaftliche Hierarchien schaut.
Er erzählt vielleicht von Fitness.
Von Hautpflege.
Von einer neuen Frisur.
Und genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn häufig beginnt die Geschichte mit einem scheinbar harmlosen Video. Und endet an einem ganz anderen Ort.
Was Kinder jetzt brauchen
Die meisten Jungen werden hoffentlich niemals einen Hammer gegen ihr Gesicht schlagen. Die meisten werden hoffentlich auch nicht in extremen Foren landen. Trotzdem lohnt es sich für uns als Eltern, genauer hinzuschauen.
Denn hinter Looksmaxxing steckt eine Frage, die weit über Social Media hinausgeht.
Was passiert mit einem 13-jährigen Jungen, wenn sein Wert jeden Tag auf sein Aussehen reduziert wird?
Was passiert, wenn ihm ständig vermittelt wird, dass sein Gesicht über Erfolg, Beziehungen, Anerkennung und seinen Platz in der Gesellschaft entscheidet?
Viele Jungen erleben heute Unsicherheit. Sie suchen Orientierung, Zugehörigkeit und Anerkennung. Genau deshalb wirken die Botschaften von Looksmaxxing, der Manosphere und anderen Männlichkeits-Influencern auf viele Jugendliche so überzeugend.
Dabei brauchen Jungen heute vor allem etwas anderes. Sie brauchen echte Vorbilder. Sie brauchen Gespräche über Gefühle, Freundschaft, Respekt und Beziehungen. Sie brauchen die Erfahrung, dass ihr Wert nicht von ihrem Aussehen abhängt und dass sie nicht ständig besser, stärker oder attraktiver werden müssen, um anerkannt zu sein.
Genau das hören Jungen in der Welt des Looksmaxxing fast nie. Dass ihr Wert nicht von einer Kieferlinie abhängt. Nicht von einer Punktzahl im Internet. Nicht von Likes und Kommentaren. Sondern davon, wer sie als Menschen sind.
Und das ist unser Job als Eltern.